KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 3 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 49 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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K.C.-Blätter 49 Als der Weltkrieg ausbrach, verstand es sich für Ludwig Haas von selbst, daß er, obwohl er bereits dem Landsturm angehörte, sich sofort freiwillig zur aktiven Truppe meldete; denn wo das deutsche Volk den Kamps um seine Existenz führte, mochte er nicht fehlen. — Schon im August 1914 kam er ins Feld, und die Anerkennung, die er einst als Einjähriger nicht finden konnte, erzwang er sich draußen bald. Man muß, wie der Verfasser dieser Zeilen, selbst Soldaten der Haasschen Kompagnie des 238. Reserve-Infanterie-Regiments gesprochen haben, um zu erfahren, in welchem Maß Haas als Soldat durch sein Beispiel durch rücksichtsloses Einsetzen seiner eigenen Person, durch Kaltblütigkeit und eiserne Ruhe, als Zug- und Kompagnieführer aber nicht zum wenigsten durch musterhafte Fürsorge für seine Untergebenen diese zu jeder Leistung hinriß. So wurde er bald Offizier und in den schweren Kämpfen in Flandern mit dem Eisernen Kreuz l. Klasse ausgezeichnet. Als Polen okkupiert war, wurde Haas im Spätsommer 1913 vom Generalgouverneur als Sachbearbeiter für jüdische Angelegenheiten nach Warschau berufen. — Die Aufgabe, die ihm gestellt war, war erschwert durch die religiösen und politischen Gegensätze innerhalb der polnischen Juden selbst. Vermöge seiner Fähigkeit, sich in die Seele Andersdenkender einzufühlen, hat der liberale deutsche Jude Ludwig Haas seine Aufgabe gleichermaßen zum Nutzen seines deutschen Vaterlandes wie zum Wohl seiner polnischen Glaubensgenossen so hervorragend gelöst, daß er auf allen Seiten, namentlich auch seitens der Orthodoxie Dank und Anerkennung fand. Die von ihm geschaffene Gemeindeverfassung bildet heute noch die Grundlage der polnisch-jüdischen Gesetzgebung. Aber auch rein menschlich hat sich Ludwig Haas durch seine Tätigkeit beim Warschauer Generalgouvernement den Dank unzähliger Armen und Notleidenden gesichert. Als der unglückliche Ausgang des Krieges kam, wurde Haas iwch unter Großherzog Friedrich II. als Nachfolger des Freiherrn v. Bodmann zum badischen Minister des Innern 'berufen. Er blieb es auch, als die Monarchie zusammenbrach, und daß in seiner badischen Heimat der liebergang zur neuen Staatsform in Ruhe, ohne blutige Kämpfe und unter Vermeidung auch späterer erbitternder Auseinandersetzungen mit dem alten Herrscherhause erfolgte, ist vor allem das Verdienst unseres toten Freundes. Er war es auch, der unter Einsetzung seiner eigenen Person mit einer Handvoll Landsturmleute der Beschießung des Großherzoglichen Palais durch meuternde Matrosen ein Ende machte und die Großherzogliche Familie schützte. Was Ludwig Haas in jenen aufgeregten Tagen geleistet hat, dankt ihm das badische Land. Bei den Wahlen zur Deutschen Nationalversammlung wurde Haas als Abgeordneter der Deutschen Demokratischen Partei für Baden gewählt. Er trat nunmehr vom Ministerium des Innern zurück, verblieb aber noch eine Zeitlang als Staatsrat, d. h. als Minister ohne Portefeuille, im ersten nach den badischen Nationalversammlungswahlen gebildeten Ministerium. In dem Bewußtsein, daß es nunmehr vor allem gelte, das Gesamtvaterland wieder aufzurichten, di« außen- und innerpolitischen Gefahren,