KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 3 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 51 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2268830-2268973-2268976--3569-2272661- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
K. C.-Blätter 51 Versammlung als Vertreter der deutschen Juden durch seine rednerische Mitwirkung Gehalt und Schwung zu geben, oder in einer Protestversammlung des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens den Mut und die Zuversicht seelisch Bedrückter auszurichten, immer war Ludwig Haas zur Stelle; und wie konnte er jung und alt begeistern und hinreißen, wenn er „auf gut Badisch" seine klaren Gedanken entwickelte. Unser Schmerz gilt aber vor allem dem Bundesbruder, der als Muster eines K. C.ers in seiner Person Deutschtum und Judentum vereinigte und uns und aller Welt vorlebte. — Unserer Jugend muß am Grabe unseres Ludwig Haas gesagt werden, daß sie ihre Pflicht nicht erfüllt, wenn sie lediglich unter dem Gesichtswinkel der Schmerzen und Sorgen der deutschen Juden ihre Aufgabe sieht; nur wer, wie er, nach dem Maß seiner Kraft zugleich am Wohle der Gesamtheit des deutschen Volkes und der Menschheit arbeitet, hat Anspruch darauf, ein wahrer C.er genannt zu werden. So wird Ludwig Haas in uns fortleben als leuchtendes Beispiel der Treue und als Vorbild im Kampfe für Recht und Gerechtigkeit. Sein Name und sein Wirken aber wird in die Geschichte des deutschen Volkes und der deutschen Juden eingehen. Ir. Max Mainzer, Ludwig Haas und seine badische Heimat. Von Dr. S. Weißmann (Bad.-H.) Wenn sich in Baden die Staatsumwälzung im Jahre 1918 verhältnismäßig ruhig vollzog, so ist dies zum großen Teil ein Verdienst von Ludwig Haas. Lange Jahre schon als aufrechter Vertreter einer aufgeschlossenen sozialen Demokratie bekannt, genoß er in den stürmischen Tagen des Novembers 1918 in allen Volksschichten, auch in den radikalen Kreisen, soviel Vertrauen, daß man ihm das wichtigste Amt der vorläufigen Volksregierung, das Ministerium des Innern anvertraute. Mit fester Hand, aber ohne jede unnötige Härte hat er in dieser Stellung den Aebergang in die neuen Verhältnisse geleitet und die Ruhe und Ordnung im Lande in kürzester Frist wiederhergestellt. Ein besonderes Verdienst hat er sich bereits am ersten Tage seiner amtlichen Tätigkeit dadurch erworben, daß er einen törichten Angriff auf das großherzogliche Schloß durch sein entschlossenes Dazwischensahren im Keime erstickte. Er hat in späteren, ruhigeren Zeiten oft mit Behagen davon erzählt, wie es ihm mit wenigen.Helfern gelungen war, der Panik jener Stunden ein Ende zu machen, allerdings nicht ohne hinzuzufügen, wie peinlich er es empfinde, damals keinen der Männer gesehen zu haben, die in den folgenden Jahren in der heftigsten Weise die „Novemberverbrecher" angriffen. Als Minister des Innern entwickelte Haas eine rastlose Tätigkeit. Es gelang ihm in wenigen Tagen, den Konnex mit den Beamten seines Ressorts zu finden, für einen geregelten Gang der Verwaltungsmaschine zu sorgen, unbefugte Eingriffe örtlicher Arbeiter- und Soldatenräte