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KC-Blätter · 1930-09-01 · Heft 3 (September 1930) · p. Seite 47

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Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 3 (September 1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 47 (sequence 5)
Language
German
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K.C.-Blätter 47 fernzuhalten. Dabei entwickelte Haas einen eigenartigen trockenen, gelegentlich auch derben Humor, der absolut das Gepräge seiner badischpfälzischen Heimat trug. — Auch in seiner innerjüdischen Stellungnahme bekundete Haas bei aller scharfen Betonung seiner unbeirrbaren Reberzeugung, daß die deutschen Juden ein durch Geschichte und Kultur unlöslich mit dem deutschen Volke verbundener Volksteil sind, stets das Streben nach Gerechtigkeit dem Gegner gegenüber, und so sehr er auch seinerzeit innerhalb des K. C. gegen die Bemühungen einiger Mitglieder, den Verband zum Instrument nationaljüdischer Bestrebungen zu machen, auftrat, so sehr war er gegen jede geistige Bevormundung alter Mitglieder. Wesentlich war ihm, daß der K. C. als solcher unmißverständlich auf deutschem Boden stand. Die Verwurzelung der deutschen Juden mit ihrer deutschen Heimat, ihrem Boden und ihrer Kultur war von ihm nicht bloß verstandesmäßig erfaßt, sie war ihm auch nicht nur Sache des Gefühls, sondern erlebte Tatsache schlechthin. Diese bodenständige Verbundenheit mit seiner engeren badischpfälzischen Heimat war neben den inneren Werten, die er von Hause aus mitbrachte, in hohem Maße bestimmend für die Entwicklung, die unser Freund nahm, und wenn es hinwiederum eines Beweises für die völlige Verbundenheit der deutschen Juden mit ihrer deutschen Heimat bedurfte — Ludwig Haas bot ihn lebendig in seiner ganzen Person. Es gab keinen typischeren Vertreter der eigenartigen Mischung allemannisch-pfälzischen Wesens, wie ihn der badische Teil des deutschen Volkes darstellt, als diesen deutschen Juden. Das trat nicht bloß in seiner Sprache, sondern in allen Lobensäußerungen ungewollt hervor und hat dem Politiker Ludwig Haas die Entfaltung seiner Tätigkeit gewiß erleichtert. Denn in seiner engeren Heimat fühlte das Volk in allen Teilen sehr wohl, daß er „zu ihm gehörte" ganz und gar. Das gab sich in mannigfacher Art kund, nicht bloß, indem Haas schon als junger Student regelmäßig am Karneval in dem überwiegend katholischen Bruchsal „in die Bütt steigen" mußte. So konnte es nicht wundernehmen, daß Ludwig Haas alsbald nach seiner Niederlassung in Karlsruhe einer der meistbeschäftigten Anwälte wurde und es entsprach ganz einfach seinem Wesen, das ihn überall die Idee des Rechts zu leben hieß, wenn er in seiner Eigenschaft als Rechtsanwalt nicht bloß das Vertrauen seiner Klienten, sondern, was mehr heißen will, auch seiner Kollegen und der Richter in vollstem Maße gewann; das ist an seinem Grabe von berufenen Männern bekundet worden. Von Jugend an hat Ludwig Haas der allgemeinen deutschen Politik lebhaftes Interesse entgegengebrachl, namentlich Fragen der sozialen Gesetzgebung beschäftigten ihn frühzeitig, seiner ganzen Natur gemäß im Sinne der Hebung der Lage der minderbemittelten Volksschichten und des Ausgleiches der Klassengegensätze. So trat der junge Karlsruher Anwalt als Mitglied der damaligen süddeutschen „Deutschen Volkspartei" in den Kreis der Männer um Payer, Konrad und Friedrich Hausmann, Heimburger, und war auf den Parteitagen bald regelmäßig Berichterstatter für das Gebiet der sozialen Gesetzgebung. Die Frage

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