KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 2 (Juni 1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 41 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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K.C.-Blätter 41 Des Abends fingen wir an, ihm Gesellschaft zu leisten und ihn seine kriegerischen Poesien vortragen zu hören, mit dem Erfolg, daß er am frühen Morgen Couleur und Band und wir seine Uniform trugen. Das Staatsgefüge geriet trotzdem nicht ins Wanken. Mehr schon der Hüter des Gesetzes und die von ihm betreuten Studios. Und wie gut vertrugen wir uns mit ihm, wenn er zur Hirschgasse ging. Er lebte noch immer im Wahn, das Fechten auf der Hirschgasse sei verboten, und es bedurfte immer längerer Ueberredungskünste, bis ein eigenartiger Reflex sich bei ihm auslöste: dann drückte er nämlich beide Augen und beide Hände zu und das Fechten war erlaubt. Damals — heute ist's wieder verboten! Doch das gehört ja nicht zu den Erinnerungen und ich fühle mich heute nur als lauckator acti temporis! — Du liebe alte Hirschgasse, du Inbegriff alten Heidelberger Studentenlebens und alter Studentenfröhlichkeit. Nimmer verliert sich aus den Ohren das Klirren der langen Messer, das schneidige Wort der Sekundanten, der würdevolle Einspruch des Unparteiischen. Und ringsherum die „Corona". Hüben und drüben selbstverständlich nur sachverständige Kritiker und schärfste Beobachter allerersten Ranges. O, ihr armen Paukanten, die ihr immer alles flach gesetzt und nicht abzudrehen verstanden habt! Wehe euch, wenn die Schmisse verheilt und eure Commentschontage verstrichen waren. Und um die Hirschgasse herum? Eine sinnige, stimmungsvolle Kneipe neben der andern. Heute steht auf jeder in großen Buchstaben geschrieben „Schauplatz von Alt-Heidelberg". Selbstüberhebung! Der alte Jckerath war's. Mit seinen duftigen Bowlen im fliederdurchtränkten Garten, mit den großen Holztischen, an denen man unter bunten Lampions trank und sang, scherzte und, wenn man ohne Couleur war, heimlich koste. — Wo ward die Bowle am besten und sachverständigsten gebraut? Beim Jckerath? Im Scheffelhaus ob der Bruck, oder gar in der Stiftsmühle oder im Adler von Ziegelhausen? Du altes Nest mit den langen, krummen Gassen, Ziegelhausen, mit den hübschen Wäschermädels und dem schattigen Garten im Adler! — Gibt's ein schönres Fleckchen Erde, als am lauen Sommerabend da zu sitzen am Ufer des leise gurrenden und plätschernden Stromes, wenn drüben hinter Schlierbachs Höhen der Mond hochkommt und den Neckar silbern aufblitzen läßt, dessen Rücken kleine Boote trägt, die melodisches Frauenlachen, unterbrochen vom wehmutsvollen Klang einer Ziehharmonika, langsam weitertragen oder ein buntbeleuchtetes großes Boot mit feuchtfröhlichen Musensöhnen besetzt gleitet an uns vorüber, und das Kommando des Herrn Ersten ruft laut und deutlich herüber: Silentium, es steigt der Cantus: Heidelberg, du Jungbrunnen! — And doch, so schön die Abendstunden am Ufer des Flusses, noch schöner und stimmungsvoller war's, selbst ins Boot zu steigen, das Steuerruder zu ergreifen und mit der Strömung hinabzugleiten bis zur alten Brücke, am Fuß des Schloßbergs, aus dessen Dunkel das alte Burggemäuer uns grüßt. Hindurch durch den rasenden Hackteufel, den moderne Technik hat verschwinden lassen, an den Neckarstaden, in