KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 2 (Juni 1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 42 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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42 K. C,-Blätter den alte Gassen münden mit ihrem Geflüster und Geranne und zum Abschluß des stimmungsvollen Abends in die alte, stimmungsvoll düstere Kneipe, zum alten Studikerwirt, der uns mit all seiner kurpfälzischen Derbheit in sein Herz geschlossen und in sein Buch eingetragen hat. Und dann die nächtlichen Märsche durch die Haupt- und benachbarten Nebenstraßen. O, ihr schönen Rolläden mit eurer Anziehungskraft auf Studentenstöcke! Wen müßte nicht die höchste Heidelberger Gaslaterne in der Theaterstraße zum — Auslöschen verführen, wen nicht die großen Maggi- und anderen Schilder, die sich als Budenschmuck viel besser ausnahmen, denn als grelle Geschästsreklame! Und gar zu gerne möchte ich wissen, ob die beiden Schilder — das eine mit der Aufschrift „Töchterpensionat", das andere mit der Aufschrift „Hebamme" —, bei denen einen Austausch vorzunehmen wir für dringend notwendig und angezeigt hielten, inzwischen ihre ihnen von Rechts wegen zustehenden Plätze wieder eingenommen haben. Ich habe bis heute noch nicht den Mut gefunden, mich davon zu überzeugen! Und was machen Alt-Heidelbergs Polypen? Ich verstehe heute noch nicht, warum sie mich in einer kalten Winternacht vor der „Diemerei" von einem hohen Eisberg, auf dem ich „nächtlicherweile" saß, herunterholten, trotz lebhaften Nachdenkens habe ich auch heute noch nicht herausgefunden, warum ich „öffentliches Aergernis" erregte, als ich eines Sonntags vormittags zwischen 4—6 Uhr mit der Milchtheres' die Hauptstraße hinunterwalzte, sie im Milchmädchendreß und ich in Frack und Zylinder. Warum das 20 M. bzw. 3 Tage Karzev gekostet hat, weiß ich heute noch nicht. Doch ich bin ja nicht Jurist, sondern war nur Heidelberger Studio! Und deiner muß ich noch gedenken, du alte Studentenbude in der alten Märzgasse, deren recht harte Roßhaarmatratze während meiner ganzen Heidelberger Zeit den müden Körper in sich aufnahm. Gar oft mühte sich die brave Hospita um das körperliche Ergehen des ihr gar häufig zu unsolide erscheinenden Budenbewohners und gar häufig hielt sie ihm eine mehr oder minder ernst gemeinte Moralpauke. Aber mit ihm freute sie sich auch, wenn zur Erdbeerzeit das große Schild zum Budenfenster hinausgehängt wurde, das die Inschrift trug: „Heute Erdbeerbowle" und nicht nur die ganze Couleur, sondern die ganze Nachbarschaft abends auf der gemütlichen Bude zum fröhlichen Trunk versammelte. Denkst Du noch daran, lieber Leibfuchs, als Du Dich hinter die volle Weinkiste setztest und nicht eher Ruhe gabst, als bis sie im Laufe weniger Tage den Weg allen edlen Weines gegangen war? lind darf ich auch noch Deiner gedenken, Du kleines Mädel, mit den braunen Flechten und den sanften Augen, Aennchen von Tharau von uns genannt, das um die Ecke wohnte und einem gelegentlichen Stelldichein so gar nicht abhold war? Und wann wurden die Kollegs besucht? höre ich jetzt Euch Alten mit finsterm Angesicht und gerunzelter Stirn fragen. Gebt Euch die Antwort selbst, Ihr wißt ja alle wie es war. Und sollt wissen, daß heute nur von der ftischfrohen Heidelberger Studenten-