KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 2 (Juni 1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 40 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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40 K. C.-Blätter Jetzt, wo das große Stiftungsfest vor der Türe steht, wandern die Gedanken zurück in die Jugendzeit, in die Tage der seligen Burschenherrlichkeit, in die Stunden voll Sonnenpracht und Sonnenglanz, da wir erstmals von der Schesfelterrasse herab in die Enge des Neckartals und die Breite der Rheinebene und die winkligen Gassen der alten Musenstadt blicken durften. Verklungene Lieder tönen in unserm Ohr wieder, Erinnerungen an tolle Tage und wilde Nächte tauchen wieder auf, schattenlos treten die Gestalten alter, treuer Freunde und Bekannten vor unser Auge. — Laßt uns, Ihr Jungen, der Erinnerung nachgehen, in den kurzen Augenblicken noch einmal — vielleicht ist es das letzte Mal — all das noch einmal erleben, was uns damals unsere sorgenfreien Tage so sonnenvoll verleben, unsere akademische Freiheit so burschenfroh genießen ließ! Wie kam's, daß der Zauber des alten Nestes so auf uns einwirken konnte? — Nur die alten Mauern, nur der genius loci Heidelbergensis, nur Berg und Tal, Straßen und Erker, Band und Mütze und die dazu gehörigen lieben Mädels? Damals — umgekehrt wie heute — mit langen Röcken und langen Zöpfen! Oder war's die alte durchräucherte Kneipe in der Kettengasse, auf der wir ernsthaft im Konvent und ausgelassen beim Kommersieren zusammenhockten, bei Bier und Bowle, denen sich auch der mehrmals künstlich ausgeheberte Magen nicht versagen durfte, um dann beim Morgengrauen noch kalte, gebackene Neckarfische und harte Soleier trotz allen Revoltierens in sich aufnehmen zu müssen. — War's die lange Pfeife und Wotan der Verbindungshund, die uns Tag und Nacht treu begleiteten und selbst im Karzer nicht allein ließen? — Ach, du stimmungsvolles Palais royal im alten Heidelberger Karzer, welche Poesie und andere Düfte strömten deine Tische und Stühle, deine Wände und Betten und benachbarten Gelegenheiten aus! Was gäbe ich darum, wenn ich heute trotz aller Kultur, die mich seitdem geglättet hat, noch einmal so jung und lebensdurstig wie damals nur eine Nacht in deinen Wänden verbringen dürste! — Wie wehmutsvoll schauten uns die treuen Augen des langen August an, der mühevoll die eine Ecke von Kochenburger stützte, wenn er uns im Karzer verschwinden sah und wie listig schmunzelte des Muck Vollmondskopf, während er die andere Ecke von Kochenburger ebenso eifrig stützte. Muck, der Edle, der seine Pfundnase mit stoischem Gleichmut trug, der geborene p08tillon d’amour, der mit der beneidenswertesten Eleganz des modernsten Kavaliers im Minnedienst Räder von Blumensträußen mit duftenden billets doux so zart, sinnig und vor allem diskret zu befördern verstand. Der lange August und der dicke Muck — Alt-Heidelbergs Pat und Patachon! — Was wißt Ihr Jungen vom alten Schutzmann Schmidt? Ob der alten Brücke war er stationiert, den Strom hinauf und hinunter als Kriegsdichter berühmt.