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KC-Blätter · 1930-06-01 · Heft 2 (Juni 1930) · p. Seite 39

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 2 (Juni 1930)
Date
1930-06-01
Page
Seite 39 (sequence 19)
Language
German
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K. C.-Blätter 39 Er kam gerade aus Mörchingen, wo er eben eine Säbelforderung unter ungewöhnlichen Verhältnissen „in üblicher Art" ausgetragen hatte. Sein erster Gang war auf den Fechtboden. Kommando, Füchse mit Filzmaske antreten. Alles war verkehrt, die Terz saß zu Hoch, die Quart zu tief, die Visage war ungedeckt, bumms eins rein in die Fresse. Aber es war ein Festtag. Was für einen Heidenrespekt hatten wir jungen Leute doch vor dem Gründer unserer lieben Verbindung und dem Fechtgewaltigen, dessen Ruhm damals noch in Heidelberg in aller Munde war. Dabei verstand er es so gut — genau wie heute — mit all den Jungen. Auch Gustav Cahen erschien so hie und da bei uns in Heidelberg. Ihn fesselten dort zarte Bande der Liebe, aber „sie" wurde auch dafür seine Gattin und treue Lebensgefährtin. Lieber Gustav, auch von Dir haben wir manches gelernt, so z. B. wie man Gaslaterueu auslöscht ohne den Hahnen umzudrehen und manches andere, was wir in unserem späteren Leben gut gebrauchen konnten. Heute bist Du eine ehrfurchtgebietende Persönlichkeit in Baden geworden, und mit banger Scheu antichambrieren die jungen Aerzte vor dem Büro des Gewaltigen vom Vertrags- und Zulassungsausschuß. Ludwig Hans Heynemann, auch an Dich und Deinen Namen knüpft sich manch schöne Erinnerung. Die Stunden sind doch unvergeßlich, wo wir Faust nach Kuno Fischer rezitierten — Ach, wenn in unsrer engen Zelle die Lampe freundlich wieder brennt usw. —, wo die Erdgeiststimmung über uns kam. And die Sektjungen, die wir ach leider nur mit Bier tranken. Auch die 5. Symphonie lag in unserem Programm. Es war zwar oft fatal, lieber Ludwig Hans, aber schön war's doch. Und wenn ein heit'rer Scherz den anderen trieb, war Curt Friedmann immer auf dem Plan. Du sollst Dich ja nicht sonderlich verändert haben, lieber Curt, wie man so im „Querschnitt" liest. So naht Ihr Alle Euch wieder, und wenn's Euch so geht, wie ich es fühle, so kommt Ihr Alle, Alle jetzt noch einmal zurück zu unserer lieben Verbindung nach Alt-Heidelberg, wo wir jung gewesen sind. Mögen auch unsere Jungen, die heute das Bavarenband tragen, mit derselben Begeisterung nach 35 Jahren sagen: „Ich war zu Heidelberg, zu Heidelberg Student!" Alt-Heidelberg. Motto: (Loch Ruperto-Carolina, Lux Germaniae divina, Deutschlands ältste Musenstadt, Vivat, crescat, floreat!) Wer von Euch Badenen-Bavaren kennt noch das Alt-Heidelberger Lied, dessen Refrain ich meinen Zeilen als Motto mitgebe? — Im Lahrer Kommersbuch steht's schon seit langem nicht mehr» auf der Kneipe hört man's nimmer und doch liegt solch prächtige Wucht und Kraft drin» so viel Jugend, wie nur in „Alt-Heidelberg" leben und gedeihen kann.

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