KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 2 (Juni 1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 37 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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K. C -Blätter 37 Wird's gelingen? Oder läßt man uns gerade nur so viel leben, daß wir zahlen können? Uns leben? Uns? Können wir „uns" sagen? Kennen Sie sich in der Politik aus? Ist Ihnen die Rechte, die Linke oder die Mitte klar? Was ist überhaupt klar? Glauben Sie an die Begabung der Deutschen für Politik? Finden Sie es schön, von kleinen Leuten beherrscht zu werden, während die Begabten und Wertigen schweigen? Sollte mau nicht mithelfen, daß es einmal anders wird? Aber wie? Und wird man überhaupt gewünscht? Geht Sie Palästina etwas an? Was entsteht dort nun? Ein neues Unglück oder eine neue Zukunft? Stirbt nicht gerade dort das Judentum als solches aus? Und entsteht nicht etwas ganz anderes? Berührt uns die Tragödie, die sich in Rußland vollzieht? Wird nicht durch die bolschewistische Revolution das Judentum zum größten Teile vernichtet? Und werden es durch eine Gegenrevolution nicht mit Sicherheit die Juden? Ist nicht das Endergebnis im Großen und Ganzen das gleiche; nur aus verschiedenen Gründen? Gibt es unter anderem nicht sogar in Amerika Wirtschaftsboykott? Was entfaltet sich überhaupt dadrüben? Ist das dort noch Judentum oder neues Judentum oder noch etwas anderes? Ob Herr Frick in Thüringen nicht nur den Jazz, sondern auch die Juden abschafst? Ob man eigentlich im Sommer noch nach Thüringen zur Erholung gehen kann? Was tun wir bloß gegen den Geburtenrückgang? Ob sich da der K. C. führend beteiligen soll? Aber wie? Pro oder kontra? Soll die jüdische Bevölkerung vermehrt werden, damit sie wieder einen gesunden und normalen Altersaufbau bekommt? Oder verringert, damit die ewige Qual einmal ein Ende hat? Möchten Sie absolut in Deutschland Akademiker sein? Finden Sie die Konjunktur für uns günstig? Meinen Sie nicht, daß — wenn man durchaus Stolz der Familie sein muß — man sich nicht gescheiter einen anderen Beruf herausgesucht hätte? Sind nicht die ganzen ausgesprochenen und unausgesprochenen Grundlagen des Akademikertums zersetzt? Stehen wir nicht vor Ruinen? Wird neues Leben aus ihnen blühen? Und was für eins? Ist es wirklich nur Skepsis, Pessimismus und schlechte Laune, Nörgelei und Unzufriedenheit, wenn man sagt: daß der Akademiker fast alles verloren und nichts gewonnen hat? „Herr Präside, ich melde mich als Fuchsmajorl" Ruine oder keine? Spuk oder Wirklichkeit? Wirkliche, gültige Wirklichkeit? „Herr Ober, haben Sie noch Maibowle?" Fritz Freund (Bav.), Darmsta^t.