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KC-Blätter · 1930-06-01 · Heft 2 (Juni 1930) · p. Seite 36

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 2 (Juni 1930)
Date
1930-06-01
Page
Seite 36 (sequence 16)
Language
German
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36 K. C.-Blätter sind das Band, das von der Gründung an uns alle umschließt und das auch die, die nach uns kommen und sich in die gleiche Reihe stellen werden, an uns ketten wird. Das ist der Sinn der Tradition. Höchst ««Paffender «nd unsympathischer Beitrag eines Bavaren, der offenstchtttch nach zuviel Maibowle das heulende Elend bekommen hat. Motto: „Man hat unser» Körper und hat unfern Geist Ein wenig zu wenig gekräftigt; Man hat uns zu lange, zu früh und zumeist In der Weltgeschichte beschäftigt!" (Erich Kästner: „Äerz auf Taille".) Sollte ein wohlwollender Außenstehender anläßlich der erhofften schönen Heidelberger Festtage und des zu erwartenden Massenaufgebots bemühter und bebänderter K. C.er auf den Gedanken kommen, es ginge uns gut, und wir hätten allen Anlaß, gesinnungstüchtige Fest zu feiern, mit kernigen Worten dröhnende Ansprachen zu halten, stolz auf das Geleistete zu blicken, voll Mut in die Zukunft zu schauen und so weiter und so fort in diesem Stile — so wird man — wenn es ein ernst zu nehmender Mensch ist und er ein wenig Zeit für uns haben sollte — gut daran tun, ihn etwas beiseite zu nehmen und ihn darauf aufmerksam zu machen: unten drunter sähe es wesentlich anders aus — ziemlich schlimm sogar! Kann es uns anders gehen? Sind wir nicht Menschen, auf deren Lebensgebäude schon bei der Geburt eine untilgbare Hypothek liegt, während die anderen Leute schuldenfreie Häuser haben? Wahrlich: es ist ein zweifelhaftes Vergnügen, in diesem Augenblick Deutscher, Jude und Akademiker zugleich zu sein. Wie man die Dinge auch dreht: politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich. Glücklich sind die Oberflächlichen, denn ihrer ist das Himmelreich der Gedankenlosigkeit! Glücklich? Wie man's nimmt! Man wendet zuweilen ein: Leben wir nicht in einem interessanten Zeitalter? Vermitteln auseinanderberstende Zustände keine tiefen Einblicke und Einsichten? Machen Krisen, die die Welt durcheinanderrühren, nicht Zusammenhänge und Wechselwirkungen klar? Aber: unter uns gesagt: Man möchte manchmal in einem weniger interessanten Zeitalter leben, dafür aber in einem gemütlicheren! Schwedische Platte mit pikanten Fragebogen gefällig? Ist Deutschland nicht ausgesogen, wird es nicht ausgequetscht, macht es nicht verzweifelte Kraftanstrengungen?

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