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KC-Blätter · 1930-06-01 · Heft 2 (Juni 1930) · p. Seite 35

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 2 (Juni 1930)
Date
1930-06-01
Page
Seite 35 (sequence 15)
Language
German
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K. C.-Blätter 35 diese Zeit nicht aus sich selbst heraus entstanden, sondern auch sie ist ein Kind der voraufgegangenen Entwicklung. Sie baut auf auf Kenntnissen, Erfahrungen, Arbeiten, die von früheren Geschlechtern gesammelt und geleistet sind. Wir Aelteren sprechen also von der Tradition im richtigen Wortsinne, nicht weil wir das Neue nicht wollen, sondern im Gegenteil, weil wir der Jugend den Weg zu neuen Zielen zu ebnen haben, weil wir aber um den Stand des Neuen fürchten, wenn die Jugend sich nicht auch der Verbindung mit der Vergangenheit bewußt ist. Auch die akademische Jugend, auch der K. C. darf die Tradition nicht über Bord werfen. Sie soll sicherlich nicht alles bewahren, was wir Aelteren geliebt und für richtig befunden haben. Mag die Aufgabe des K. C. im Endziel die gleiche geblieben sein: der Gegner ist anderer Art und kämpft mit andern Mitteln. Es ist selbstverständlich, daß auch wir daher unsere Waffen, wo es nottut, zu wechseln haben werden. Das mitzuschleppen, was stumpf geworden ist, wäre sinnlos. Die neuen Wege, die zu gehen sind, wird die Jugend schon richtig erkennen. Damit ist aber auch gesagt, daß unter Tradition nicht die Aufrechterhaltung von Methoden zu verstehen ist, die ftüher richtig waren, heute aber untragbar geworden sind. So darf der Begriff der Tradition niemals aufgesaßt werden. Dieser Begriff braucht auch gar nicht äußerlich in die Erscheinung zu treten, und soll es vielleicht nicht einmal. Er umfaßt vielmehr eine innere, unwägbare Verbindung mit Vergangenem. Aufgabe jedes Menschen und insbesondere jedes intellektuellen Menschen ist es doch, die Güter der Kultur — im weitesten Wortsinne — zu festigen und zu mehren. Kultur aber ist etwas, das nicht von dieser zur nächsten Stunde geschaffen wird, sondern das sich in ganz allmählichem Fluß entwickelt. Kulturlos würde das Zeitalter sein, das alle Vergangenheit wegstreicht und nur aus sich selbst heraus schaffen wollte. Kulturmehrer kann nur der sein, dem die Entwicklung der Dinge nicht ftemd ist, der aus dieser Entwicklung seine Folgerungen zieht, diese Erkenntnis den neuen Verhältnissen anpaßt und auf dieser Basis weiter sortarbeitet und aufbaut. Ihre Erfahrungen muß die Jugend selbst machen. Sie wird aber aus diesen Erfahrungen nur dann lernen und sie nur dann wirksam verwerten können, wenn sie auch gelegentlich Rückschau hält und ihre Eindrücke verbindet mit dem, was sich in der Vergangenheit bis zu ihr fortschreitend entwickelt hat. 40 Jahre Badenia-Bavaria heißt: 40 Jahre Arbeit um die Schaffung von Kulturgütern. Jede neue Generation, die den Namen unserer Verbindung gettagen hat, hat das fortentwickelt, was junge Menschen vor ihr begonnen und weitergeführt haben. Wohl jede Generation hat neue Wege gesucht, manche auch haben sie gefunden. Im Kampf des deutschen Juden, den wir alle geführt haben und noch führen, haben wir um die höchsten menschlichen Kulturgüter gerungen. Sie nicht zu zerbrechen, sondern sie zu festigen und zu stärken, ist die Aufgabe der gegenwärtigen und aller zukünftigen Generationen. Dies aber: die gemeinsam von Beginn an umkämpsten und erstrittenen Kulturgüter

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