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KC-Blätter · 1930-06-01 · Heft 2 (Juni 1930) · p. Seite 34

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Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 2 (Juni 1930)
Date
1930-06-01
Page
Seite 34 (sequence 14)
Language
German
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34 K. C.-Blätter mißverstanden hat. In einer Kritik meiner Ausführungen, die ein junger Bundesbruder in den „K. C.-Blättern" gegeben hat, habe ich gesehen, daß man das Wort Tradition in einem wesentlichen Teil der Jugend überhaupt nicht hören will. Ich freue mich über diese Kritik. Sie zeigt mir nicht nur, wie berechtigt meine Ausführungen waren, sie gibt mir willkommenen Anlaß, bei dieser Gelegenheit noch einmal der Jugend zu sagen, was ich darunter verstehe. Und ich halte mich weiter auch deshalb für berechtigt, diese Ausführungen zu machen, weil ich selbst, als ich jung war, wie die, zu denen ich heute spreche, ein gutes Teil meiner Kraft der Jugendarbeit gewidmet habe, weil ich gekämpft und geschwärmt und geglüht habe wie sie, weil ich auch vieles verneint habe von dem, was uns von früher her überkommen war. So lange ist diese Begeisterung noch nicht verströmt und dieser Iugendtraum noch nicht ausgeträumt, als daß ich nicht mitfühlen könnte mit dem, was die jetzige Jugend bewegt. Die Jugend, die den Begriff der Tradition verwirft, verkennt seine richtige Bedeutung. Diejenigen, die nur am Alten kleben, sehen in der Tradition schon den Uebergang zu dem Neuen, das sie nicht wollen, und die Jugend — und an sie wende ich mich vornehmlich — die nur das Neue will, verwirft die Tradition, weil sie in ihr ein Hemmnis auf ihrer fortschreitenden Bahn zu sehen glaubt. Für sie ist Tradition das Kleben am Alten, Vergangenen, für sie ist Tradition etwas Starres, Unabänderliches, für sie ist Tradition etwas Unjugendliches. Hier liegt der grundlegende Irrtum. Tradition ist nichts Veraltetes, Verstaubtes, Vermodertes, sondern Tradition ist das elastische Band, das die Gegenwart mit der Vergangenheit verbindet und das die Zukunft an die Gegenwart ketten soll. Ohne Tradition ist alles menschliche und kulturelle Tun und Schaffen nur Stückwerk. Nur weniges kann aus sich selbst heraus bestehen. Das meiste hat seine Wurzeln im Vergangenen, und es welkt sehr schnell dahin, wenn man ihm diese Wurzeln abschneidet. Das Revolutionäre hat sich nur selten gehalten, wohl das Evolutionäre, das auf vorhandener Basis ausbaut und in die neue Zeit mit neuem Erleben, mit neuem Geist fortarbeitend hineinragt. Wir geben der Jugend zu, daß sie in eine Zeit hineingeboren ist mit stark revolutionärem Einschlag, daß die Brücke zwischen dieser Generation und den vorhergehenden schmäler und weniger tragfähig ist als die, die sonst Generationen zu verbinden Pflegt. Wir glauben es gerne, daß diese Jugend nur ihre Zeit liebt mit ihrem Hasten unö Jagen, mit dem unaufhörlichen Dröhnen ihrer Maschinen, mit dem weltumspannenden Knistern ihrer elektrischen Funken. Aber all dies gibt der Jugend noch nicht das Recht, die Vergangenheit mit einer Handbewegung abzutun und es als unter ihrer Würde zu betrachten, irgend eine Verbindung zu ihr anzuerkennen. Aufgabe der Jugend ist es doch, diese Zeit, die noch im Werden sich befindet, auszugestalten und' das Neue, was in ihr geboren ist und geboren wird, zu festigen und zu stärken. Sie möge nicht glauben, daß ihr das gelingt, wenn sie nicht auch das Gute und Brauchbare, das aus der Vergangenheit überkommen ist, mitübernimmt und verwertet. Schließlich ist ja selbst

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