KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 2 (Juni 1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 30 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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30 K. C.-Blätter den Sinn unserer Freunde auf das Große und Bleibende unseres Bundes zu lenken, auf die Dinge, die die Idee unserer Gründung immer noch rechtfertigen und die uns die Arbeit in unserem Bunde stets aus neue zur Quelle tiefster Befriedigung machen. Unberührt durch alle trüben Erfahrungen der Gegenwart bleibt Grundlage unseres Bundes das Bewußtsein, als deutsche Juden untrennbar mit dem deutschen Vaterland verbunden zu sein und der unbeugsame Wille, für diese Idee alle Kräfte einzusetzen. Wir sind eine hoffnungslose Minorität, die durch einen zahlenmäßigen Zusammenschluß allein nichts erreichen kann. Wir müssen deshalb darnach trachten, die Menschen, die sich zu unseren Zielen bekennen, in ihrem innersten Wesen zu erfassen. Den vollen Einsatz unserer Freunde für unsere Idee aber können wir nur durch straffsten korporativen Zusammenschluß erreichen; er allein gibt die Möglichkeit, auf die Persönlichkeit noch bildsamer junger Menschen den nötigen Einfluß zu gewinnen, Gleichgesinnte zu Höchstleistungen anzuspornen und schwächere Charaktere zu festigen. Der Eintritt in eine solche Korporation bedeutet für den jungen Akademiker zunächst ein Opfer, denn er muß semesterlang manche individuelle Neigungen zurückstellen; dieses Opfer ist vielleicht besonders groß für jüdische Studenten, denn daß in unseren Kreisen die individualistischen Strömungen sehr stark sind, ist kein Geheimnis. Aber gerade aus diesem Grunde müssen wir dieses sacrificium verlangen im Interesse der Gesamtheit, aber auch im wohlverstandenen Interesse jedes einzelnen unserer jungen Freunde. Wir brauchen eine Ueberwindung individueller Selbstsucht durch eine selbstgeschaffene Korporationszucht. Für diese Zucht war früher das Fechten eine ausgezeichnete Schulung. Wenn es heute diesen Zweck nicht mehr erfüllt, so kann der Sport diesem Ziele ebenso gut dienen. M. E. gehört gerade eine möglichst vollkommene sportliche Ausbildung unserer Aktivitas zu den wichtigsten Aufgaben der Zukunft. Daneben müssen wir unserem Nachwuchs eine Verinnerlichung seines Judentums geben. Nur durch die gediegensten Kenntnisse über die Leistungen des jüdischen Stammes können wir ihn instand setzen, den bedrückenden Angriffen der Gegenwart mit Gleichmut standzuhalten und sich die Ungebrochenheit des Charakters zu bewahren, die für den schweren Lebenskampf des deutschen Juden wohl die wichtigste Ausrüstung ist. Vor allem aber braucht unsere akademische Jugend die Freude. Drum muß unsere Korporation trotz der Schwere der Zeit fein und bleiben eine Stätte ausgelassener Iugendlust. Uns taugen keine blassen Stubenhocker und Pedanten. Unsere Jugend muß bei uns studentischen Frohsinn finden, aber ohne Bindung an überalterte Formen. Die Zeiten der Bierofiizien sind vorbei, das studentische Leben hat — nicht zum Schaden der Studenten — immer mehr klubmäßigen Charakter angenommen. Wenn wir deshalb jetzt daran gehen, der Verbindung ein eigenes Haus zu bauen, so ist dies kein Luxus, sondern ein dringendes Gebot der Stunde.