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KC-Blätter · 1930-06-01 · Heft 2 (Juni 1930) · p. Seite 29

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Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 2 (Juni 1930)
Date
1930-06-01
Page
Seite 29 (sequence 9)
Language
German
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K. C.-Blätter 29 Dabei dürfen wir mit berechtigtem Stolze feststellen, daß mir Manches erreicht haben. Der kampfesfroh« Zusammenschluß zur Wahrung unserer angeborenen Menschenrechte hat das Selbstbewußtsein unserer Freunde gestärkt und sie zu aufrechten, ihres Wertes bewußten Männern gemacht. Der Einfluß straffster Korporationserziehung hat sich über die frohen Jahre der Studentenzeit hinaus bewährt und die große Mehrzahl unserer Bbr. befähigt, auch im bürgerlichen Leben den Kampf um die Gleichberechtigung des deutschen Judentums in vorderster Reihe weiter zu führen. Der gemeinsame Kampf hat die kleine Zahl unserer Bbr. im Laufe der Jahrzehnte immer enger zusammengeschmiedet und Freundschaften geschaffen, die sich in ernster Lebensarbeit bewährten. Aber das wichtigste unserer Ziele zu erreichen, blieb uns bis heute versagt. Frecher wie je erhebt schamloser Antisemitismus, in das Gewand des Rassenhasses gekleidet, sein Haupt in den Zentten des akademischen Lebens, problematischer wie zu den Zeiten Ahlwarts und Stöckers ist die Gleichberechtigung des deutschen Juden und insbesondere des jüdischen Studenten geworden. Seit das Waidhofener Prinzip sich bei fast allen deutschen Korporationen durchgesetzt hat, gibt es keinen Austrag judenfeindlicher Beleidigungen mit der Waffe mehr. Der ritterliche Kampf ist vorbei und mit ihm eine von uns gern gebrauchte Möglichkeit der Beseitigung eingewurzelter Vorurteile. Was auf diesem Gebiet die Vorkriegsgeneration in zäher jahrelanger Kleinarbeit aufgebaut hatte, ist rettungslos hinweggespült von der Welle kollektiver Rassenfeindschaft einer fanatischen, verhetzten Jugend. Als bei unserem Stiftungsfest vor 16 Jahren die drohende Kriegsgefahr bekannt wurde, hat sich in freudiger Selbstverständlichkeit die gesamte Aktivitas dem Vaterland freiwillig zur Verfügung gestellt, 23 unserer Bundesbrüder, deren wir immer mit Wehmut und Trauer gedenken, haben ihre Treue mit dem Tode besiegelt, trotzdem wagt man Heute noch die Volkszugehörigkeit des deutschen Juden zu bestreiten. Angesichts dieser traurigen Verhältnisse ist es verständlich, daß bei vielen unserer Freunde immer wieder die Frage aufgeworfen wird, ob wir mit unseren Methoden auf dem richtigen Wege waren oder besser gesagt, ob unsere Methoden angesichts der veränderten Situation nicht reformbedürftig geworden sind. Hat es noch einen Sinn, sich in Formen zu organisieren, die zwar der Mentalität unserer schärfsten Gegner entsprechen, uns aber der Gefahr der Entfremdung von unseren natürlichen Bundesgenossen im Kampf um die Gleichberechtigung aussetzen? Was soll uns noch die unbedingte Satisfaktion, wenn sie uns im Ernstfall überall verweigert wird? Bei diesem'festlichen Anlaß soll diese Streitfrage nicht ausgetragen werden, im Gegenteil es erscheint notwendig, mit Nachdruck daraus hinzuweisen, daß die jetzt so viel besprochenen Fragen der Couleur und der Satisfaktion nie Prinzipien bei uns waren, sondern heute wie stets nur taktische Mittel im Kampf ums Recht. Ob diese Waffen noch scharf sind oder sich überlebt haben, mag in den Gremien unseres Gesamtverbandes entschieden werden. Wichtig ist in den Tagen unseres Festes,

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