KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 2 (Juni 1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 28 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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28 K. C.-Blätter oben angedentet, sich weder auf das akademische Leben noch auf die Abwehrarbeit allein beschränken, sondern die ganze Lebensarbeit und Auffassung unserer Mitglieder umfassen und sie zu Vorkämpfern der deutschen Juden auf allen Gebieten machen soll. Kaum eine unserer K. C.-Korporationen hat in der Fortführung des persönlichen Zusammenhalts von Alt und Jung so große Schwierigkeiten zu überwinden, wie gerade unsere Heidelberger Verbindung. Auf der einen Seite hat sie stets eine zahlreiche Aktivitas, auf der anderere Seite eine verschwindend kleine Altherrenschaft in Heidelberg selbst. Während andere Kartellverbindungen, namentlich die in den Großstädten Breslau, Berlin, München bestehenden, stets die wertvolle Hilfe einer großen ortsanwesenden Altherrenschaft genossen, konnte in Heidelberg nur mit außerordentlicher Mühe dank dem Eifer einer kleinen Anzahl in den benachbarten Städten wohnender Alten Herren dieser Zusammenhalt gewahrt und schließlich selbst die schwere Cäsur überbrückt werden, die mehr noch als der Krieg die Zeit nach dem Krieg mit ihrer gewaltigen Erschütterung in den politischen Grundlagen unseres Vaterlandes und in der veränderten Einstellung der einzelnen, namentlich unserer Alten Herren, zum Korporationswesen überhaupt und zu den Formen, deren gerade der H. C. sich bedienen muß, mit sich brachte. Wenn das gelungen ist, und wenn immer wieder auch die jüngste Generation in lebendige Berührung mit der Altherrenschaft gebracht wurde, so danken wir das unserer Tradition. Möge diese Tradition, die eng verknüpft ist mit der Eigenart der alten Musenstadt am Neckar, und die ernste Auffassung von unseren Zielen und Pflichten, uns auch ferner bewahrt werden als lunclamentum aere perennius und vereint mit einem heiteren, dem Frohsinn der Jugend Genüge tuenden Verbindungsleben immer wieder, unbeschadet einer zeitgemäßen Fortentwicklung, Jugend und Alter der Badenia-Bavaria in Mannestreue und Freundschaft zum gemeinsamen Streben vereinen. Rückschau und Ausblick. Von Dr. S. Weißmann, Karlsruhe (Bad.-H.). Vier Jahrzehnte sind vergangen, seit eine kleine Schar aufrechter jüdischer Studenten, unabhängig von der wenige Jahre früher in Breslau erfolgten Gründung der „Viadrina", sich in Heidelberg zu tatkräftiger Selbstwehr in der freien Verbindung „Badenia" zusammenschloß. Leid und Freud hat diese Gründung erfahren. Zweimal wurde sie ob ihres rücksichtslosen Kampfes gegen Judenhaß suspendiert; im Jahre 1902 mußte sie zur Sicherung ihres Weiterbestandes den Namen ändern und acht Jahre lang auf ihre ruhmvoll getragenen Farben verzichten. Heute aber kann die Gründung von 1890, gestützt auf bald 300 unter ihren Farben geeinter Akademiker aller Altersklassen, in ihr fünftes Jahrzehnt treten in engem Bunde mit gleichgesinnten Korporationen an den wichtigsten deutschen Hochschulen. Ein Tag der aufrichtigsten Freude ist uns dieses Fest, «der auch ein Tag ernstester Selbstprüfung und Gewissenserforschung nach der Berechtigung unseres Zusammenschlusses, nach den Erfolgen von 40 Jahren schwerster Kämpfe.