KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 2 (Juni 1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 27 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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K. C.-Blätter 27 Unsere jungen Heidelberger Bundesbrüder, wie überhaupt die K. C.er an den kleineren Universitäten, stehen in einem unendlich schwierigeren Kampf, als der der ältesten Generation war. Die Waffen, die wir ursprünglich im wesentlichen aus Zweckmäßigkeitsgründen führten, wenn auch gewiß nicht geleugnet werden soll, daß der Erfolg, mit dem wir sie führten, vielen, vielleicht allen auf die Dauer Freude an der Führung der Waffen bereitete, sind heute, im großen betrachtet, stumpf und wertlos für uns geworden, und auch das Tragen unserer Farben, einst in den romantischeren Zeiten unserer Jugend nicht bloß ein hervorragendes Erziehungssondern auch Werbemittel hat seine Bedeutung als Werbemittel zum guten Teil verloren. Die veränderten politischen Verhältnisse lassen den fortschrittlich gesinnten Teil der deutschen Studentenschaft, vor allem weite Kreise der jüdischen Akademiker, die Couleur ablehnen oder ihr mit allen Vorbehalten gegenüberstehen. Wir dürfen uns der Notwendigkeit nicht verschließen, daß die nach außen und innen so veränderten Verhältnisse auch einen Wandel in unseren Formen herbeiführen müssen. Wenn auf dem jüngsten Hamburger Altherrentag des K. C. die Frage der Reform besprochen wurde, so kommt darin die Erkenntnis dieser Notwendigkeit zum Ausdruck. Aber diese Reform, so notwendig sie auch mir erscheint, darf das Wesen des Verbandes nicht erschüttern und nicht einen Bruch mit seiner ehrenvollen Vergangenheit bringen. Es hieße Vogel-Strauß- Politik treiben, wollte man dem Fechten und der Mensur in irgend einer Art die alte überragende Stellung unter den im äußeren Kampf zu benutzenden Waffen belassen. Das Fechten muß, ohne -aß es völlig aufgegeben zu werden brauchte — fechterische Vorbildung kann unter bestimmten Umständen immer wieder Bedeutung für uns gewinnen — zurücktreten hinter gewissen gerade unter den jetzigen Verhältnissen besonders wertvollen körperlichen Uebungen und dem Sport im allgemeinen. Ein diesbezügliches Programm im einzelnen soll und kann hier nicht erörtert werden. Die Notwendigkeit einer andersartigen Ausbildung liegt aber gerade für den, der im K. C. eine Kampftruppe von jeher gesehen hat, auf der Hand. Vollständig anders liegen die Dinge freilich bezüglich des Farbentragens. Mag die Zeit einmal kommen, wo wir aus der politischen Einstellung der Masse unserer Bundesbrüder heraus auch in dieser Beziehung reformieren; heute die bunten Mützen abzusetzen, wäre nicht bloß ein Bruch mit der Tradition, sondern würde auch wie das Streichen der Flagge auf Freund und Feind wirken, und wenn ich persönlich hundertmal unter friedlichen Verhältnissen auf Mütze und Band verzichten würde, nimmer würde ich in dem Augenblick die Mütze absetzen, wo sie als Symbol Gegenstand des Kampfes für unsere' gehässigen Gegner ist. Auch ihre erzieherische Wirkung hat übrigens im gegenwärtigen Augenblick vermehrte Bedeutung, und deshalb müssen wir die Erschwerung der Werbearbeit, die sie unzweifelhaft gerade intellektuell und gesinnungsmäßig für uns besonders geeigneten jungen Studenten gegenüber darstellt, auszugleichen wissen durch eine vermehrte geistige Durchdringung unserer Erziehungsarbeit, die, wie schon