KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 2 (Juni 1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 26 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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26 K.C.-Blätter Kriegsausbruch ständen. Sie' alle erhoben sich wie ein Mann, um zu erklären, daß sie sich sofort als Kriegsfreiwillige melden würden. Sie haben ihr Wort wahr gemacht. Von einem Gesamtbestand von etwa 170 Bundesbrüdern bei Kriegsbeginn, vom ältesten Alten Herrn bis zum jüngsten Fuchs gerechnet, sind 23 Heidelberger Bundesbrüder, darunter mancher, der nach seiner ganzen Persönlichkeit einst Großes im Dienste des Vaterlandes und unserer Idee zu leisten versprach, als Blutzeugen ihrer vaterländischen Treue gefallen. Mit dem kleinen Häuflein der Kriegsunbrauchbaren und der jeweils verwundet aus dem Feld Heimkehrenden konnte die Verbindung auch über den Krieg hinweggeführt werden. Der Friedensschluß brachte uns eine ungeheure Fülle junger Menschen, so daß wir zeitweise die Korporation zweiteilen mußten, bis allmählich wieder die Flut des Zustroms abebbte und die Verbindung ihren normalen, ohnehin starken alljährlichen Zuwachs erhielt. Aber während noch die ersten Nachkriegssemester nur wenig an dem Verhältnis zu den übrigen Heidelberger Korporationen und der Studentenschaft überhaupt änderte, trat darin mit der wachsenden antisemitischen Verhetzung ein völliger Wandel ein. Die Gründe, die uns einst wie selbstverständlich zur Annahme des Prinzips der unbedingten Satisfaktion geführt hatten, sind praktisch im großen und ganzen erledigt. Die Gegner stellen sich nicht mehr zum Kampf Mann gegen Mann. Wie an anderen Universitäten, treten sie uns auch in Heidelberg in wechselnden Gestalten entgegen. War es ursprünglich der Waffenring, so war es später der Hochschulrtng deutscher Art und heute der V. H. V. (Verband Heidelberger Verbindungen), der in geschlossener Gegnerschaft uns gegenübersteht, und es ist bezeichnend für die Gesinnung mindestens eines Teils unserer Gegner, daß sie gelegentlich sich nicht gescheut haben, arbeitslose Proletarier gegen Bezahlung dazu zu dingen, die von der Kneipe heimkehrenden jungen Bavaren meuchlerisch zu überfallen, und daß nur ein glücklicher Zufall damals blutige Exzesse verhinderte. Die einst so liberale Universität Heidelberg ist, nicht was die Professorenschaft, von wenigen Ausnahmen abgesehen, anbelangt, wohl aber hinsichtlich der Studentenschaft so reaktionär und so im törichten Judenhaß verbohrt, wie kaum eine andere. Hat man sich doch nicht einmal gescheut, im Asta den Antrag auf Einführung des numerus clausus zu stellen und anzunehmen. In heimtückischer Weise bedrohten die Korporationen bald offen, bald versteckt einzelne Gastwirte mit dem Boykott, wenn unsere Bundesbrüder in Couleur ihre Lokale besuchen. In dem Gefühl der Sicherheit vor dem „langen Messer", das wir einst gegen sie führen konnten, scheuen ihre Mitglieder auch nicht vor Provokationen zurück, wissen sich aber jedesmal der persönlichen Verantwortung zu entziehen. Als Deutscher muß man sich der Haltung der Studentenschaft schämen, wenn man bedenkt, daß unter den etwa 40 Donatoren der Shurmanschen Millionengabe zehn Deutschamerikaner jüdischen Glaubens sind, deren Namen auf der Ehrentafel im neuen Nniversitätsgebäude verzeichnet sind.