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KC-Blätter · 1930-06-01 · Heft 2 (Juni 1930) · p. Seite 24

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Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 2 (Juni 1930)
Date
1930-06-01
Page
Seite 24 (sequence 4)
Language
German
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24 K. C.-Blätter jüdischen Glaubens zu vertreten als Gewissenspflicht empfanden. Man ' bedenke: Es gab damals noch keinen C. V., noch weniger etwa eine zionistische Bewegung. Mit beiden kamen wir erst später in positivem oder in negativem Sinn in Berührung. Es bedarf an dieser Stelle keiner Ausführungen darüber, daß und warum aus der Abwehrtätigkeit von selbst eine Positive Einstellung zu der jüdischen Gemeinschaft in uns erwuchs, wobei es gleichgültig ist, ob man sie individuell mehr als religiöse oder Stammesgemeinschaft betrachtet. Hier darf festgestellt werden, daß zweifellos Max Oppenheimer, dessen Einfluß auf die Gründung des K. C. nur der ältesten Generation bekannt ist, für seine Person von jeher, lange bevor es eine nationaljüdische Bewegung gab, nationaljüdische Neigungen besaß, wenn auch diese Gesinnung von seinen Bundesbrüdern keineswegs geteilt wurde. Im Interesse der geschichtlichen Wahrheit muß aber festgestellt werden, daß seinem Eifer das Verdienst zukommt, mit Hilfe der Heidelberger Korporation die Sprevia gegründet und die ganze Heidelberger Verbindung mit der Neberzeugung erfüllt zu haben, daß sie vor allem eine Mission habe, nämlich den Gedanken von der Verpflichtung der deutschen Juden zur Selbstverteidigung zu propagieren durch Gründung immer neuer Korporationen. So dürfen wir mit Genugtuung seststellen, daß von Heidelberg aus systematisch nach der Sprevia auch die Licaria und die Friburgia-Freiburg in raschem Laufe gegründet wurden. Erst nach der Münchner Gründung wurde das Kartell, das 1892 zwischen der Viadrina-Breslau und der Heidelberger Badenia geschlossen und jeweils auf die neugegründete Berliner und Münchener Verbindung ausgedehnt war, zum K. C. erweitert. Wenn der Antrag, der von dem damaligen Erstchargierten der Licaria, dem beurlaubten Badenen Klee ausging, nicht ohne Bedenken und anfänglichen Widerstand seitens der ältesten Korporation, der Viadrina-Breslau, ausgenommen wurde, so erklärt sich das aus der eigenartigen Stellung dieser Verbindung. Sie stand allein im Osten des Reichs und kämpfte mit dem Mut der Verzweiflung, hämischer Kritik in jüdischen Kreisen ausgesetzt, als die Kunde von der Gründung der Heidelberger Badenia zu ihr drang. Der Abschluß des Kartells mit der Badenia gab ihr neue Zuversicht und Kraft. Aber in ihrer scharf ausgeprägten nationaldeutschen Gesinnung betrachteten die kampferprobten Männer der Viadrina im Hinblick auf die gerade damals aufkommende zionistische Bewegung den Kleeschen Antrag nicht ohne ein gewisses Mißtrauen. Sie überwanden jedoch ihre Bedenken, und so kam es Ende des Sommersemesters 1896 zur Gründung des K. E., deren Durchsetzung wir heute letzten Endes als ein Verdienst der Heidelberger Korporation betrachten dürfen. Die Heidelberger Korporation selbst, die einen fortwährenden Aufstieg nahm und in jenen Jahren eine große Anzahl für unsere studentische Aufgabe besonders brauchbarer Mitglieder immer wieder gewann, traf gleich der Viadrina aus ihrem Wesen heraus auf immer erneute Schwierigkeiten und Widerstände, bis sie schließlich im Herbst 1901 auf Denunziation von sechs Heidelberger Korporationen, darunter

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