KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 2 (Juni 1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 23 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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K. C.-Blätter 23 denen ich nur die drei Brüder Maier und die zwei Brüder Liebhold als langjährige bewährte Freunde der Badenia nennen möchte — von ihnen lebt keiner mehr — zu einer organisierten Abwehr mit uns verbanden. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich nicht ohne Behagen der sonntäglichen Versammlungen in Spechbach, Waldwimmersbach u. a., die ich zusammen mit unserem längst entschlafenen Louis Allen mitmachen durfte, um dann den „Rückzug decken" zu können, oder einer köstlichen Fahrt zu einer antisemitischen Versammlung in Eschelbronn, zu der ich geradewegs aus dem Arnholdschen Nachmittagskolleg von Max Maier zur Bahn geholt wurde, um die aus 20 Mannheimer Spannern bestehende Deckung des Gegenredners zu führen. Die Heimfahrt führte spät nachts mit ungeheurem Umweg über Jagstfeld—Neckarelz zurück, weil die Sitzung sich allzu sehr ausgedehnt hatte; aber unser Reisegeld reichte nur bis Iagstfeld und nur das Vertrauen, das ein Glaubensgenosse aus Neidenstein, dem ich begegnete, meinem ehrlichen Gesicht schenkte, verschaffte uns das zur Heimfahrt nötige Reisegeld. Dank eiserner Disziplin errangen wir uns auch innerhalb der Studentenschaft bald denjenigen Respekt, den wir als notwendige Voraussetzung der Tätigkeit unserer Korporationen betrachten mußten. Aus dem Veilchen, das zwei Semester für den größten Teil der Studentenschaft nur im Verborgenen blühte, wurde bald eine angesehene, wegen ihrer Waffenschneidigkeit sogar gefürchtete Korporation. Wenn es dafür eines Beweises bedürfte, wäre er in der oben erwähnten Denkschrift der als besonders waffenstolz in Heidelberg bekannten Burschenschaft Alemannia gegeben. Nach wenigen Jahren setzten wir Couleur auf, nicht aus Nachahmungstrieb, sondern weil wir im Tragen unserer Farben ein Bekenntnis zur Gemeinschaft und ein ausgezeichnetes Erziehungsmittel zum Bekennertum sahen, wie wir auch in der von uns von vornherein eingenommenen unbedingten Satisfaktion nicht einen Selbstzweck, sondern ein durch die Verhältnisse gegebenes, taktisch für uns als Minorität ausgezeichnet brauchbares Mittel erblickten! Ein Mitglied nur, Magnus Hirschfeld, trat anläßlich der Couleureinführung aus der Verbindung aus, weil die Couleur sich mit seiner grundsätzlichen politischen Einstellung nicht vertrug. Daß die Couleur zusammen mit der Rücksichtslosigkeit, mit der wir auf alle Aeußerungen des Judenhasses zu reagieren gewohnt waren, den äußeren Bestand der Verbindung später aufs schwerste gefährdete, dürfen wir ruhig feststellen. Aber letzten Endes war wichtiger als diese studentische Arbeit die Erziehungsarbeit, die wir bald bewußt und konsequent an unseren Bundesbrüdern in dem Sinn ausübten, daß sie über das akademische Leben hinaus auch im bürgerlichen Leben für die Ehre unserer angegriffenen Gemeinschaft einzutreten als ihre Pflicht erkennen lernten, und daß wir mit aller Deutlichkeit als unsere wichtigste Aufgabe bezeichneten, Soldaten und Offiziere für den Kampf um die Durchführung der Gleichberechtigung der deutschen Juden zu erziehen, Männer, die auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens die Belange der Deutschen