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KC-Blätter · 1930-06-01 · Heft 2 (Juni 1930) · p. Seite 22

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Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 2 (Juni 1930)
Date
1930-06-01
Page
Seite 22 (sequence 2)
Language
German
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22 K. C.-Blätter anderen Zwecken. Und bestände es noch: Ob man dort einkehren möchte oder könnte, wo einst manchmal in jugendlichem Uebermut „Bummel" die dreißigste.“ schmiß, bis dann nacheinander die neunundzwanzigste j bis zur ersten „gestellt" war — man darf es billig bezweifeln. Auch andere Dinge haben sich gewandelt und ihr Wandel legt es nahe, rückschauend zu überprüfen, was wir einst gewollt, was wir erreicht und geleistet, und vorwärtsschauend sestzustellen, inwieweit wir grundsätzlich oder hinsichtlich der Methoden unserer Arbeit uns um» | zustellen haben: j Als wir, ein kleines Häuflein junger Studenten, vor 40 Jahren j unter Max Oppenheimers geistiger Führung — er, der um! 7—8 Jahre älter war als die jüngsten unter den Gründern, war die! treibende Kraft — uns zur alten Badenia zusammenschlossen, waren wir i eine gar bunt „gemischte Truppe", im gegebenen Augenblick zuj sammengerafft durch die Energie weniger und ihren Einfluß auf j wenige ihnen zufällig nähergetretene Kommilitonen. Was das kleine j Häuflein aber stark machte und ihm Kraft gab, nach Abstoßung aller! derjenigen, die mehr durch Zufall als durch Erkenntnis der Notwendig-- j fett unserer Gründung in unseren Kreis getreten waren, auch über j die unendlichen Schwierigkeiten der ersten Semester die Verbindung j hinweg zu führen, war zunächst das Gefühl der Erbitterung über das I Unrecht und die Zurücksetzung, die dem deutschen Studenten jüdischen jj Glaubens seit wenigen Semestern durch Ausschluß aus den alten! Korporationen zuteil wurde, zugleich aber die Beschämung über die j Zerfahrenheit und den Mangel an Entschlossenheit in den Reihen der in ihrer Ehre Angegriffenen. Die Burschenschaft Alemania z. B., zum guten Teil von Juden mitgegründet und eine beträchtliche Anzahl von Juden zu ihrer Altherrenschaft zählend, wie selbst die Festschrift der < Alemania zu ihrem 50jährigen Jubiläum 1906 (einer ihrer Gründer j widmete „dem Seite 121 Gefeierten" ein Exemplar) noch auswies, I nahm Juden nicht mehr auf; Rupertia, Zahringia, die sich zum j beträchtlichen Teil aus Juden ein Jahr vorher noch zusammengesetzt! hatten — letztere zählte sogar unter ihren ortsanwesenden Inaktiven j noch solche —, machten es nach, und die wissenschaftlichen Vereine, j darunter der „Rechts- und staatswissenschastliche Verein", heute „Teutonia" sich nennend, hatten eine Prozentnorm für die Aufnahme von i Juden eingeführt und fanden unglaublicherweise eine ganze Anzahl : jüdischer Studenten, die sich um Aufnahme bewarben! Es wirkt fast erheiternd, wenn man bedenkt, daß dieselben Korporationen heute; sich auf ihre germanische Rassenreinheit nicht bloß etwas zugute tun, sondern teilweise führend sind in der völkisch-studentischen Bewegung, j namentlich innerhalb des Heidelberger Hochschulwesens. In Begleitung von Studenten durchzog damals ein antisemitischer | Agitator, Dr. Hentschel aus Handschuchsheim, die Umgebung von Heidelberg. An einer Abwehr von jüdischer Seite fehlte es vollkommen. Apathisch stand die Masse der jüdischen Studenten und wehrlos der Hauptteil der jüdischen Bevölkerung den Angriffen gegenüber, wenn auch gerade in Heidelberg sich früher als sonst aufrechte Bürger, unter

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