KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 1 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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K. C.-Blätter 19 im Interesse der jungen Generation liegt noch im Interesse derjenigen, die von den jungen meist mit Anrecht als die „beati possidentes“ bezeichnet werden. Wenn diese Verhältnisse nicht sehr bald grundlegend geändert werden, wird ein ärztliches Proletariat entstehen, das nur aus Schleichwegen seinen Lebensunterhalt mühseljg erwerben wird. Erwägungen sind auch bereits im Gange, die eine mehrjährige Sperre zum Studium fordern; dafür sollen die jetzt approbierten Aerzte als Ausgleich sofort zur Kassenpraxis zugelassen werden. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, diesen Plan gutzuheißen oder zu verurteilen. Es soll nur nochmals festgestellt werden, daß durch die bereits bestehende Sperre zur Ausübung der ärztlichen Tätigkeit die Forderung, den Zustrom zum Studium einzudämmen, in dem ärztlichen Berus unserer Meinung nach wichtiger und gerechtfertigter ist als in jedem anderen Fache. Dr. Walter S ch i f t a n (Sprev.') Abiturient und Hochschule. Von Dr. Hans Marten. Nachstehende Ausführungen gehen uns von der Akadem. Korrespondenz der D.St. mit der Bitte um Veröffentlichung zu. D. Ned. Die Zeit der Abschlußprüfungen an den höheren Schulen ist wieder herangekommen und viele Eltern und Abiturienten stehen damit vor der schweren Entscheidung: Hochschulstudium oder nicht? Ein Satz muß bei dieser Entscheidung oberster Grundsatz bleiben: Es ist unverantwortlich, in heutiger Zeit ohne genaue st e Selb st- Prüfung das Studium zu ergreifen! Die Aeberspannung des Berechtigungswesens und die maßlose Aeberschätzung von akademischer Bildung für das praktische Leben hat in den letzten Jahren zu Verhältnissen geführt, die geradezu zu einer sozialen Gefahr zu werden drohen. Der Aeberschuß der Akademiker ist eine der schwierigsten Aufgaben der Berufsberatungs- und Arbeitsvermittlungsämter geworden. Verwaltungen und Berufsstände schrauben in geradezu unsinniger Weise die Bildungsforderungen in die Höhe und pressen dadurch ungeeignetes Schülermaterial durch die höheren Schulen, um es dann den mit schweren Opfern verbundenen Aufwand .an Zeit und Geld mit einem Minimum wirtschaftlichen Ertrages ein- ^tauschen zu lassen. Es ist leider heute schon Tatsache, daß Tausende von Akademikern erwerbslos sind und keine Aussicht auf eine Existenzbegründung in absehbarer Zukunft haben. Und trotzdem beeinflußt die Nachfrage nach „gebildeten" Arbeitskräften die Ansicht der erwerbsuchenden Jugend und ihrer Eltern dahin, daß unbedingt das Abitur gemacht und dann studiert werden muß. Das Berechtigungswesen hat bewirbt, daß diese Meinung tief in alle Volkskreise eingedrungen ist und daher zum Beispiel die Quelle des gewerblichen Nachwuchsel zu versiegen droht. Der Lehrlingsmangel in den gewerblichen Berufen wird immer drückender, wohl noch mit beeinflußt durch den durch den Krieg verschuldeten Geburtenrückgang. Die Hochschulstatistiken der letzten Jahre zeigen uns, wie trotz der wirtschaftlichen Verschlechterung weitester Volksschichten der Zustrom zu den praktischen Berufen immer schwächer wird»