KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 1 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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20 .vr K.C.-Blätter dagegen aber eine Ueberflutung der akademischen Berufe eingetreten ist, für die alle Möglichkeiten der Ableitung fehlen. Die Zahl der Studenten ist von rund 73 000 im Jahre 1914 auf 115000 im Jahre 1929 gestiegen, und das bei verkleinertem Reichsgebiet und um rund 10 Prozent Verminderter Bevölkerungsziffer und geringerer Anstellungsmöglichkeit. 1925 hatten wir in Deutschland 315 000 Akademiker, von denen heute noch etwa 10 000 stellungslos sind und ein sehr großer Teil in Stellungen sich befindet, die ihrer Vorbildung nicht entsprechen. Für diese Zahl ist kaum hinreichend Beschäftigung zu stellen, da jährlich nur etwa 7670 Stellen durch Tod fiei werden. In den Jahren 1930 bis 1937 werden sogar voraussichtlich nur 5100 bis 6000 Stellen frei werden. Es ist der Ueberschuß an Akademikern für das nächste Jahrzehnt gleich zu berechnen. Die Zahl derer, die die Hochschule mit einem abschließenden Examen verlassen, steigt jährlich um^ etwa 2000, die Zahl der Stellen für Akademiker wird auf rund 330 00(H stehen bleiben. Ende 1937 wird ein Ueberangebot von 325 000 Akademikern vorhanden sein, also eine hundertprozentige Ueberproduktion. Die Aussichten für den Abiturienten, der heute die Universität bezieht, sind schon ganz allgemein ohne Rücksicht auf das gewählte Fach denkbarst gering. 30—40000 Studenten werden damit rechnen müssen, später einen Posten zu bekleiden, der ihrer Vorbildung nicht entspricht. 30 bis 50 Prozent aller Studierenden sind verschleierte Erwerbslose. Irgendeinmal stehen sie am Ende der mit so vielen Hoffnungen betretenen akademischen Laufbahn und müssen fioh sein, irgendwo in scharfer Konkurrenz mit Nichtchudierten, der ihnen durch längere praktische Erfahrung und höheres Dienstalter voraus ist, einen Platz zu finden. Die Studenten selbst betrachten diese Entwicklung mit großer Sorge. Inflation heißt Entwertung! Entwertet aber wird die Bildung des einzelnen Studenten, wie auch das Niveau der Hochschule als solcher. Sie ist nicht mehr die hohe Schule von ehedem mit ihren wichtigen staats- und persönlichkeitsbildenden Faktoren. Sie verliert ihren Charakter als univer8it38 littersrum und droht zur höheren Fachschule herabzusinken. Das ist eine ungeheure Gefahr in erster Linie für den Studenten selbst. Nur zu leicht tritt das Ringen um wahre Bildung hinter das Streben nach Berechtigung zurück. Es liegt eine riesige Pergeudüng geistiger und wirtschaftlicher Kräfte in dem Umstand, daß viele für^ wissenschaftliche Arbeit ungeeignete Menschen die Hochschule bevölkern. Diese Vergeudung hat einen allgemeinen Leistungsrückgang und damit eine Schädigung der wirklich Begabten zur Folge. Aus der oben geschilderten Situation heraus sieht sich die Deutsche Studentenschaft veranlaßt, allen Eltern und Abiturienten vor Augen zu führen, daß die Lage und die Zukunft der Studierenden eine nahezu trostlose ist. Nur die wirklich „Berufenen", die besondere Leistungen aufzuweisen haben, haben einige Aussicht auf eine befriedigende Berufsarbeit. Für Ungeeignete aber und nur durchschnittlich Begabte wird das Studium heute ein Abstieg, wenn nicht gar eine Katastrophe bedeuten. Zudem ist es mit den für ein Studium aufzuwendenden Mitteln —13- bis 15000 RM. — möglich, sich auch anderweitig eine Existenz zu gründen. Verantwortlicher Redakteur: Refr. Rudolf L. Leimansohn, Berlin. — Verlag: Philo-Verlag, Berlin 628-68, Lindenstraße 13. — Druck: D. Feilchenfeld, Berlin SW 68.