KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 1 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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K.C.-Blätter 15 wieder studieren zu lassen. Leider läßt sich dies zahlenmäßig nicht genau Nachweisen, denn es fehlt sowohl eine konfessionelle Statistik nach den Berufen des Vaters wie auch eine Statistik danach, ob der Student aus der Großstadt, Mittelstadt, Kleinstadt oder vom flachen Lande stammt. Aber die Zahlen, die für die Gesamtzahl der Studenten in den einzelnen Ländern angegeben werden, zeigen dies ziemlich klar. Im Durchschnitt entfallen im Deutschen Reich aus je 100000 der Bevölkerung 166.3 Studenten. Heber dem Durchschnitt liegen neben Lübeck, Braunschweig und Württemberg. Lessen .... 218,5 Preußen .... 168,5 Baden .... 194,8 Unter dem Durchschnitt die übrigen Länder, und zwar u. a.: Bayern .... 157,3 Bremen .... 103,8 Sachsen .... 149,3 Schaumburg-Lippe . . 108,4 Thüringen . . .134,1 Man wird wohl ohne weiteres anerkennen müssen, daß je stärker ein Bezirk agrarisch ist, desto geringer ist die Zahl der Studenten, wobei die geringe Zahl in Sachsen sicherlich auf die weitgehende Verarmung im dortigen Industriebezirk zurückzuführen ist. Es zeigt sich weiter, daß gerade diejenigen Länder besonders stark vertreten sind, in denen Juden einen erheblichen Teil der Bevölkerung ausmachen, während die Länder unterdurchschnittlich in der Studentenschaft vertreten sind, in denen auch die jüdische Bevölkerung besonders schwach ist. Es muß also auch schon aus dieser Tatsache heraus die Durchschnittszahl der jüdischen Studenten notwendig größer sein als die Durchschnittszahl der jüdischen Bevölkerung im allgemeinen Reichsdurchschnitt. Bei der Erörterung der zahlenmäßigen Grundlage darf schließlich nicht außer acht gelassen werden, daß auch noch eine andere Tatsache vorliegt, die diesem Problem seine aktuelle Bedeutung in immer steigendem Maße nimmt. Die große Zahl der jüdischen Studenten an den deutschen Hochschulen in den letzten Jahrzehnten war die Folge der geistigen Einstellung des deutschen Judentums, die Folge seiner sozialen Entwicklung. Der Wirtschaftsaufstieg der Schichten, in denen das Judentum stark vertreten war, bewirkte im ganzen deutschen Volk das Bestreben, mindestens einen der Söhne in die Akademikerschaft zu überführen. Man sah im Akademiker den Angehörigen einer höheren sozialen Klasse, „etwas Besseres", man wollte den Sohn dort anfangen lassen, wo der Vater aufgehört hat. So war die Einstellung des gesamten deutschen Mittelstandes. Krieg und Inflation haben mehr als die politische Umwälzung diese Entwicklung unterbrochen und sogar zurückverwandelt. Der freie Beruf ist nicht mehr das Ideal und für das Studium des Sohnes mangeln auch in weitem Umfang die materiellen Voraussetzungen. Wenn wir z. B. betrachten, daß die Zahl der Studenten, die den Kreisen von Handel und Gewerbe entstammen, selbst unter Zurechnung der Angestellten von 1924 bis 1928 von 40,1 auf 36.3 Proz. zurückgegangen ist und wenn wir einmal unterstellen, daß die Zahl der Angestellten hierbei in beiden Fällen die gleiche geblieben ist, so wäre dies ein Rückgang um 15 Proz. Wenn keine grundsätzliche