Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1930-05-01 · Heft 1 (Mai 1930) · p. Seite 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 1 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2268830-2268973-2268974--3527-2272617
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

14 K. C.-Blätter Es ist hierbei die Statistik der Reichsangehörigen zugrunde gelegt. Die Ausländer, bei denen naturgemäß die Juden im Hinblick aus den numerus clausus in anderen Ländern stärker ins Gewicht fallen, sind, wie auch bei den früher genannten Zahlen, ausgeschaltet; sie würden jedoch das Bild nicht wesentlich verschieben. Es scheint also bei flüchtiger Betrachtung, daß diese Zahlen tatsächlich besagen, daß das Judentum einen größeren Prozentsatz unter der Studentenschaft stellt, als ihm nach seiner Bedeutung für die Gesamtbevölkerung zukommt. Es grenzt aber schon ans Lächerliche, wenn man sieht, was hieraus gefolgert wird. 3m Hinblick darauf aber, daß auch ernste katholische Kreise die Auffassung vertreten, daß der Katholizismus zu stark in der Studentenschaft zurückgedrängt wird, erscheint es notwendig, diese Dinge genauer zu untersuchen. Was besagt denn tatsächlich diese Statistik? Ein Gegenbeispiel aus den früheren Zahlen möge hier herangezogen werden. Nach der Väterlichen Berufsstatistik haben wir beispielsweise festgestellt, daß aus der Landwirtschaft insgesamt 6 Proz. sämtlicher Studenten stammen. Nach der Volkszählung entfallen aber aus die Landwirte an Erwerbstätigen und Angehörigen 14,4 Millionen der deutschen Bevölkerung, d. h. etwa 23 Proz. der Gesamtbevölkerung. Berücksichtigen wir nun, daß das Judentum in der Landwirtschaft zweifellos weniger, als es seiner Gesamtbevölkerung entspricht, vertreten ist, so ergibt sich schon hieraus notwendig eine gewisse stärkere Vertretung der Juden innerhalb der Gesamtstudentenschaft. Mit dem gleichen Recht, mit dem man z. B. einen numerus clausus gegen die Juden fordert, könnte man auch einen numerus clausus gegen die Stadtbevölkerung oder gegen die Beamtensöhne oder irgend eine bestimmte Klasse der Bevölkerung verlangen. Man könnte z. B. auch mit gleichem Recht einen numerus clausus nach Ländern für richtig und gerecht ansehen; denn während z. B. in Hessen auf 100 000 der Bevölkerung 200 Studenten kommen, entfallen in Thüringen nur 136 Studenten auf je 100 000 der Bevölkerung und in Schaumburg-Lippe nur 103,4. Die Paradoxie der Feststellung des Prozentsatzes irgendeiner Schicht der Bevölkerung an der Studentenschaft zeigt sich hierin deutlich. Es zeigt sich hier der bekannte statistische Grundsatz, daß man nicht unbedingt aus zwei Zahlen, die nach der gleichen Richtung weisen, folgern kann, daß sie in ursächlichem Zusammenhang mit- M einander stehen. Ebenso wie z. B. die geringere Geburtenziffer der Protestanten und der Juden gegenüber der höheren Geburtenziffer bei den Katholiken nichts mit Protestantismus oder Judentum zu tun hat, sondern einfach mit der Tatsache, daß die katholische Bevölkerung stärker agrarisch ist und darum die größere Geburtenhäufigkeit der Landwirtschaft sich in einem stärkeren Geburtenzuwachs bei den Katholiken auswirkt, ebenso führt die gleiche Ursache dazu, daß das am schwächsten vertretene Element aus den Universitäten der Katholizismus und das am stärksten vertretene das Judentum ist. Es ist nun einmal nicht auszuschalten, daß die Universitäten im wesentlichen Nachwuchs aus städtischen Kreisen haben, schon weil ja die Akademiker im wesentlichen in der Stadt ansässig sind und-Wert darauf legen werden, ihre Söhne

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.