KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 1 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 ,, -7-- >J,jT f K. C.-Blätter Auch hier also die Bedeutung des Beamtentums. 46,2 Prozent aller Studenten stammen aus Familien, die im festen Dienst der öffentlichen Körperschaften stehen. Die Hochschulen sind also nicht nur Erziehungsanstalten für Beamte, sondern auch wesentlich vom Staat finanzierte Erziehungsanstalten für Beamtensöhne. Interessant ist übrigens, daß die Zahl der Beamtensöhne in der Studentenschaft ständig gestiegen ist. ) Im Winter 1924/1923 betrug der Anteil der Beamtensöhne nur 40,4 Proz., während z. B. die Zahl der Studenten aus Landwirtskreisen damals ( 8,2 Proz. ausmachte, die aus Kreisen von Handel und Gewerbe einschl. f der Angestellten 40,1 Proz. Die Zahl der Studenten aus Arbeiter- S kreisen ist in ständiger langsamer Folge von 1 auf 2 Proz. gestiegen. Bei der Bedeutung des Staates als künftigem Brotgeber, wie sie / diese Zahlen aufzeigen, ist es unmöglich, die Probleme der Stellung der Studenten zum Staat nur mit prinzipiellen Gefühlserwägungen zu^ behandeln. Und derartiger Gefühlserwägungen bedarf es — auch dasM lehren diese Zahlen — nicht, wenn annähernd die Hälfte der Studentenschaft aus den Kreisen von Beamten, also Staatsangestellten, kommt. Von Beamtensöhnen kann eine weitgehende positive Stellung zum Staat verlangt werden. Doppelt wichtig wird dieses Problem aber für die künftige Entwicklung des Staates, wenn man berücksichtigt, daß den wesentlichsten Faktor unter den künftigen Beamten die Lehrer ausmachen, die unabhängig von den künftigen Dozenten 29,9 Proz. sämtlicher Studenten stellen, und daneben die Verwaltungsbeamten 9,1 Proz., die Richter , 5,5 Proz. der Gesamtstudentenschast ausmachen. Möglichkeiten für ein! Einschreiten sind gegeben, sei es durch genauere Nachprüfung bei der i Gewährung von Studienbeihilfen, sei es durch schärfere Anforderungen bei der Einstellung der Beamten. Der Charakter der Hochschule als Staatsanstalt steht so fest, daß die Hochschule wie der Staat dem ■ Rechnung tragen müssen.! II. Arbeiter-Studenten. In der letzten Zeit ist vielfach empfohlen worden, einen grundsätzlichen Wandel bei den Universitäten dadurch zu erreichen, daß der tz Staat durch systematische Förderung von Arbeiter-Studenten versucht, j eine völlige Wandlung der Struktur der Studentenschaft herbeizuführen. ' Es würde zu weit führen, hier zu prüfen, ob aus politischen und päda- Ms? gogischen Erwägungen die systematische Durchsetzung der Universität mit derartigen Arbeiterstudenten zweckmäßig ist oder ob die ebenfalls in der Presse schon von verschiedenen Seiten erörterte notwendig eini tretende „Verbürgerlichung" unter Umständen gerade gegenteilige Wirf lungert auslöst. Dagegen ist zu prüfen, ob denn wirklich das immer | wieder als selbstverständlich unterstellte Bildungsprivileg der Besitzenden j und des Bürgertums an den Universitäten besteht. Die wiedergegebenen y Zahlen widersprechen dem. Es wäre naturgemäß falsch, hier lediglich die Zahlen der Arbeitersöhne zugrunde zu legen. Ganz unabhängig? davon, daß auch unter den Handel- und Gewerbetreibenden sich zahl- " reiche kleine Gewerbetreibende befinden, die in ihrer Lebenshaltung als Repräsentanten der „Besitzenden" kaum angesprochen werden -können