KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 1 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 K. C.-Blätter Genüge hat, um keine künftige Entwicklung Sorge trägt, und das darum gekannt und genannt sein will, ohne scheuen Seitenblick aus das, was nach ihm kommt. Wer die Wahrheit sucht, muß fies nach innen und nach außen sein. Er muß ausschalten jede Bindung an den törichten Wunsch im eigenen Herzen, der vielleicht ganz anderes finden will, als der Verstand erkennt. „Mit Gefühlen", meint Haeckel, „kann man Wahrheiten nicht erkennen". Er muß den Mut haben, die Wahrheit zu erkennen gegen sich selber, und sie zu nennen gegen andere. Die Wahrheit muß den Weg sich selber bahnen, und ohne solche Freiheit gedeiht sie nicht. Auch so will akademische Freiheit verstanden sein. Es ist nichts als eine Anwendung dieser Prinzipien, wenn der innere Lehr- und Lernbetrieb der Universitäten Verhältnisse zeigt, die gewisse äußere Freiheiten gestatten. Die Freizügigkeit des Studenten, zu hören, wen und wo er will, die Unabhängigkeit des Dozenten in der Art des Lehrergebnisses^ müssen gewährleistet sein um der Wahrheit willen, die jeder finden soll, wo und wie er es für das Beste hält. Wenn jeder Zwang zum Lernen gegen den Hochschüler vermieden wird, Zwischenprüfungen und Versetzungen in höhere Lernabschnitte bis dato unbekannt sind, so liegt hier ein Appell an die geschilderte Freiheit des Verantwortungsbewußtseins. Diese Ueberlegungen könnten nun leicht überleiten in einen anderen Fragenkomplex, nämlich: Freie Hochschule oder Staatsanstalt? Muß die Freiheit der Lehre und des Lernens nicht jeglicher Kontrolle von außen her ledig sein? Es soll zu diesem sehr ergiebigen Fragengebiet nur bemerkt sein, daß auch die größte Freiheit ihr Regulativ braucht, vor allem da, wo es um Angelegenheiten der Gemeinschaft geht. Da gerade der Staat als Wächter des Gemeinschastsideals gelten muß, so mag die Beantwortung der Frage: „Freie Hochschule oder Staatsanstalt" andeutungsweise aus dieser Bemerkung erkannt werden. (Es wird in diesen Blättern noch Gelegenheit gegeben sein, ausführlicher hierüber zu handeln.) Akademische Freiheit erscheint somit nicht mehr als ein verstaubtes Requisit aus Urahns Tagen, sie ist im tiefften Sinne ein Mahnruf und ein Weg zur Selbstbesinnung, wurzelnd in der Strenge gegen das eigene Ich. Auch für sie gilt Goethes Wort: „Von der Gewalt, die alle Wesen bindet, A Befreit der Mensch sich, der sich überwindet!" d Schichtungen im deutschen Stndententum. Von Dr. Hermann Berlak (Spr., Fr.-Gh.). Es ist völlig unmöglich, zu den wesentlichen Fragen der Hochschule Stellung zu nehmen, ohne sich, wie dies meist geschieht, die Grundlage: die tatsächliche zahlenmäßige Zusammensetzung der Studentenschaft vor Augen zu halten. Gerade für uns ist es eine große Reihe von Problemen, deren Beantwortung hiervon entscheidend abhängeg. Das Problem des Arbeiter- und des Werkstudenten, die soziale Gliederung der Studentenschaft überhaupt, die Fragen des numeru8 c1au8U8, die Einstellung des Staates zur Hochschule, sie alle können kritisch behandelt