KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 1 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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K. C.-Blätter 9 Das ganze Volk ist heu-te frei geworden, und darum verbietet sich die Sonderfreiheit eines Volksteils, damit zugleich ist aber auch vollbracht, was von jeher Sinn und Ziel der akademischen Freiheit war. Die politische Freiheit des Akademikers als solchen ist verblichen, nachdem sie ihre historische Aufgabe erfüllt hat. Und doch bedeutet uns jener Begriff mehr als ein bloßes Schlagwort, zu dem ihn freilich gedankenloser Mißbrauch oftmals degradiert hat. Er birgt neben dem entschwundenen politischen Inhalt noch einen weiteren, einen moralischen, philosophischen. Frei sein, heißt nicht nur, einen unabhängigen Stand zu haben, sondern die Unabhängigkeit aus eigener Kraft zu schaffen und zu halten. Wenn mir ein anderer meine „Freiheit'' garantiert, bin ich an ihn gebunden und nicht in Wahrheit frei. Wirkliche Freiheit appelliert an das eigene Selbst. Ich allein muß Zürich beherrschen und mein ganzes Tun. (Wie weit ich das restlos können HWverde, hängt von dem Ausgang des Streites zwischen Determinismus und Indeterminismus ab.) Freiheit und Verantwortlichkeit sind zwillinghaft einander verbunden. Darum definiert auch der Rechtsphilosoph tzegler als Grundlage jeder Verantwortlichkeit die Freiheit des Handelns, die „Tatherrschaft". Umgekehrt wieder ist es das Verantwortlichsein, das Schöpfen aus der eigenen Sphäre, das die wahre Freiheit heraufführt. So deutet sich schon der Weg des Akademikers an, wie er im hohen Grade der Freiheit zugedacht ist. Das Ziel der akademischen Ausbildung kann es nicht nur sein, das Rüstzeug des Alltags zu schmieden. Der Akademiker im wahren guten Sinne soll nach dem letzten Wissen graben, soll das Geheimnis in und um sich zu enträtseln trachten, soweit ihm dies immer gelingen kann. Er soll es vor allem, damit er sieht, wie er selbst beschaffen ist, er, der Mensch, das Maß aller Dinge, er soll in allem Forschen immer nur sich selber finden und erkennen. Die Persönlichkeitsarbeit ist das Hochziel der studentischen Bildung. Persönlichkeit und Freiheit erkannten wir als geschwisterliche Begriffe. Diese Freiheit ist es, die dem Akademiker ziemt und die er als Besitztum hüten muß, als sein eigentliches Element: Die Freiheit der Persönlichkeit, die Sicherheit des Wissenden, der seine Kraft und ihre Grenzen erkannt hat. „Wissen ist Macht", der alte Wahlspruch des zur Freiheit strebenden Inerten Standes lehrt, wie das Wissen zur Befreiung führt, weil es dem Menschen seine originären Wünsche deutet, seine Rechte und seine Mittel zeigt. Die Macht der Entschließung ist es, die das Wissen, fördert, die Freiheit seines Wollens und Denkens. Sie zu gewinnen ist das letzte Ziel des Wissenshungrigen. Sagt ja schon Faust: „... .erkennest dann der Sterne Lauf, und wenn Natur Dich unterweist, dann geht die See len kraft Dir auf." Die Seelenkraft, die uns stark macht, frei durch das kosmische Getriebe zu steuern. So versteht sich in einem geläuterten Sinne die akademische Freiheit. Noch in einem ferneren Sinne aber. Den Dingen des Lebens an die Wurzel dringen, heißt ihr wahres Sein zu finden, es heißt die Wahrheit selber zu suchen. Es heißt das Absolute suchen, das aus sich selbst gegründet ist und in sich selber ruht, das, weil es in sich selbst