KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 1 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 K.C.-Blätter deutschen Hochschulen liegt ja gerade darin, daß sie sowohl Lehranstalten als auch Forschungsstätten sind; dies ist beste Tradition, an der man nicht rütteln sollte. Die Hochschulreform kann also nur soweit erfolgen, als sie im Rahmen des Wesens der Hochschulen möglich ist. Dieser Rahmen ist weit genug, um darin Ersprießliches zu vollbringen. Wollte man die Forschung aus den Hochschulen verbannen, so würden sie zu Fachschulen werden, in denen den Studierenden — ähnlich wie beim Repetitor — die Ergebnisse fix und fertig mitgeteilt und eingeflößt werden. Der Student darf sich aber Mt dieser „Rezeptmethode" nicht begnügen, denn in seinem späteren Beruf treten Fragen an ihn heran, die er nicht auf der Hochschule bereits beantwortet erhalten hat, so daß er sie nur bei wissenschaftlicher Durchdringung seiner Vorbildung wird lösen können. Es ist natürlich nicht erforderlich, daß jeder Student quasi zum Forscher im kleinen herangezogen wird, er muß aber den Geist der Forschung gespürt haben, muß selbständig und systematisch denken gelernt haben. Dies kann aber nicht geschehen, wenn de^ Hochschullehrer selbst nicht forscht, also nicht selbst neue Gebiete erschließt und vertieft. Der Zweck der Hochschule ist n i ch t allein die Aebermittlung eines bestimmten Wissensstoffes, sondern die Erziehung zum wissenschaftlichen Erkennen. Jedoch ist nicht zu leugnen, daß die Forderungen nach Reform des Hochschulstudiums ihre Berechtigung haben, daß sich Mißstände eingestellt haben, die beseitigt werden müssen. Die Mißstände haben mehrere Ursachen. Die Vorbildung der Studierenden hat nachgelassen, der Andrang zum Hochschulstudium ist zu groß, die wirtschaftliche Lage drängt die meisten Studenten zum „Brotstudium" und hetzt sie oft zwischen einem Nebenerwerb und dem Studium hin und her. Die Berührung der Dozenten mit den Studenten beschränkt sich immer mehr auf das Kolleg und das Seminar, die beide meist so überfüllt sind, daß es keinem Dozenten möglich ist, sich näher mit seinen Hörern zu befasseü. Daneben ist auch nicht jeder große Forscher ein guter Lehrer, und umgekehrt. Dieser Gesichtspunkt ist jedoch nicht sehr schwerwiegend, weil die größte Zahl der Forscher auch gute Lehrer sind, wie jeder, der in seiner Arbeit lebt, sie auch meist gut lehren kann. Für bedeutende Forscher, die keine Neigung zum Lehren haben, besteht ja auch das Kaiser-Wilhelm-Institut in Dahlem, das Forschung ohne Lehrtätigkeit^ ermöglicht " Eine große Anzahl Studierender trachtet auch nur danach, so schnell wie möglich zu promovieren, ohne später einen akademischen Berus zu ergreifen. Promovieren sollte nur derjenige, der „Meister" ist, d. h. derjenige, der seine „Gesellenprüfung" bestanden, also das Staatsexamen abgelegt hat. Bei uns Ingenieuren z. B. kann man nur nach bestandenem Staatsexamen (Diplom-Ingenieur) promovieren, die Juristen und Philologen können auch ohne Staatsexamen promovieren. Man beseitige diese leichteren Bedingungen, dann werden sich auch die Vorlesungen der niederen Semester leeren. Ein weiterer Weg, die Ueberfüllung der Hochschulen zu vermeiden, wäre die Einführung eines Aufnahmeexamens gegebenenfalls unter Beseitigung des Abituriums. Zwar sind