KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 2 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 31 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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feit darf Ausdruck der politischen Erkenntnis sein, sondern Lauterkeit, Sachlichkeit, Menschlichkeit und unbefangenes Arteil. Die Brüderlichkeit republikanischer Gesinnung ist täglich zu üben: Concordia, der Name, den Schiller seiner Glocke gab, bedeutet nicht träge Eintracht, sondern Einigung der Lerzen. Die Lerausgeber der Broschüre sind sich bewußt, daß die Erziehung zu Volksgemeinschaft und Lumanität, zu Eintracht und Achtung fremder Aeberzeugung nicht auf die Schule beschränkt sein kann. Alle Kreise des Volkes müssen sich an ihr beteiligen. Die deutschen Juden haben die Bedeutsamkeit dieser nationalen Aufgabe stets erkannt und sich für sie eingesetzt. Lierfür zu werben, ist heute wichtiger denn je. Vor allem ist diese Erziehung Sache des Elternhauses. Lierüber schreibt Dr. S ch w ast e. In die geistige, moralische und wirtschaftliche Krisis unserer Zeit ist auch die Familie geraten. Trotzdem dürfen wir nicht auf die ihr immer noch innewohnenden guten Kräfte verzichten. Wenn vielfach eine Erschlaffung des Erziehungswillens eingetreten ist, so sollen die Eltern aufgerufen werden, nicht nur die republikanischen, sondern alle, die ihre Kinder nicht zu Lassern, sondern zu gerechtdenkenden, verantwortungsbewußten Staatsbürgern erziehen wollen. Achtung und Ehrfurcht vor der sittlichen Bedeutung und historischen Würde der staatlichen Gemeinschaft soll die Familie wieder einpflanzen. Gegenüber Besserwissen und Verketzerung der gegensätzlichen politischen und religiösen Meinungen sorge das Elternhaus für die Einsicht, daß Duldsamkeit die höchste Tugend des deutschen Volkes sein muß. In Einzelheiten der prattischen Pädagogik zeigt dieser wie die vorangegangenen Aufsätze, wie das vorgezeichnete Ziel zu erreichen ist. Manche Enttäuschung wird auch dem geistig regsten Elternhaus bei der Erziehung im Sinne des neuen Deutschland nicht erspart bleiben. Einflüsse von außen, Neigung der Jugend zu Atopien, ihre Begeisterungsfähigkeit für Schlagworte, der Gegensatz der Generationen können in manchen Fällen der vorbildlichsten Erziehung den Erfolg versagen. Das aber darf kein Anlaß zu müder Resignation sein. Das gute Beispiel, das Eltern ihren Kindern Vorleben, ist die beste Erziehung zu SLaatsgesinnung und Volksgemeinschaft. So sind sämtliche Aufsätze harmonisch abgestimmt auf das Ziel, das Julius Goldstein in seiner'Schrift „Die Schule im Dienste der Volksversöhnung und der Völkerversöhnung" formulierte: „Die Menschen einer demokratisierten Gesellschaft zu einem sittlichen Verhalten zu erziehen, das über alles Trennende und Gegensätzliche hinweg, nicht nur die Volksgemeinschaft vor Zerstörung bewahrt, sondern ihr neue aufbauende Kräfte zuführt." vr. Baer. Spaziergang -rrrch den Blätterwald. Ein Stteifzug durch die verschiedenartigsten Zeitschriften belehrt sehr oft, welcher Art die Fragen und Problemstellungen sind, die jeweils in der geistespolitischen Gegenwart vorherrschen. Schon seit geraumer Zeit erwecken die Fragen, die sich mit der Stellung des Akademikers zum Staat, insbesondere mit seinem Führerberuf, befassen, vielfaches Interesse. In diesem Zusammenhänge wird immer wieder die Lehre verfochten, des Akademikers vornehmste Staatsaufgabe sei es, die sogen, „geistige-Oberschicht" zu vertreten und zu fördern. Nun gibt es freilich den Begriff der „geistigen Oberschicht — es gibt eine Schicht im Volke, deren intellektuelle Potenz sie zur Prominenz erhebt, aber ihre oft behauptete Verbindung mit der politischen Führerschicht trifft keineswegs immer zu. Sind es doch oft gerade die intellektuell Vermögenden, die jede Berührung mit der Tagespolitik ängstlich meiden. Was wir, speziell in akademischen Zeitschriften, als Prototyp der geistigen Oberschicht bezeichnet finden, das ist gewöhnlich nichts anderes, als der Akademiker schlechthin, dessen Führerqualität man gerade dadurch konstruieren will, daß man ihn der bewußten „geistigen Oberschicht" gleichsetzt. Lier scheint es am Platze, einmal die Begriffe auseinanderzuhalten. Einen derartigen Versuch unternimmt. vr. Lering in der „V. C.-Rundschau". Er erinnert zutreffend daran, daß erstens einmal die Schichtbildung als solche, als Spaltpilz im Volke? verschwinden müsse. Die eigentliche Führerrolle stehe allen zu, die die Berufung dazu in sich tragen, einerlei, ob sie mit akademischer Bildung ausgestattet sind oder nicht. Der Verfasser entgleist zwar arg, wenn er in Paranthese behauptet, das deutscheVolk sei von „artfremden Führern, die eine materialistisch-kapitalistische Oberschicht" gebildet haben, verführt worden,— hier sieht er die gleichen Gespenster wie leider viele andere Akademiker auch. Wo er aber wieder in den Gang der sachlichen Antersuchung zurückfindet, hat er zweifellos damit recht, daß die Tatsache des Akademikertums noch kein Patent zum Volksführer bedeutet. Wir müssen uns von einer Mentalität freimachen, die in jedem, der die Aniversität bezieht, so etwas wie einen politischen Messias sieht. Die Talente und Befähigungen sind im ganzen Volk verstreut; sie nutzbar zu machen, heißt das staatserhaltende Gebot. And ganz entsprechend befinden sich unter den Studenten recht viele, die das Zeug zum Führer eben nicht besitzen, und die ihre Individualität weitaus besser zum eigenen wie zum allgemeinen Wohle entfalten würden, wenn sie keinen derartigen Phantomen nachjagten. Bestimmt kranken nämlich viele Volksgenossen an der falschen Auffassung, man könne nur dann dem Staate nützen, wenn man ihm ganz Besonderes leiste. Das trifft nicht zu. Es soll niemand über seinen Schatten springen; wenn jeder nur seinem eigenen Ich getreu sich hält, hat er die ethische Forderung schon erfüllt. In der gleichen Nummer der „V.C.-Rundschau" spricht ein weiterer Aufsatz über ähnliche Probleme. Der Verfasser, namens Steuer, stellt fest, daß die Revolution im gewissen Sinne eine Auflehnung gegen die bis dahin befestigte Vormachtstellurg des Akademikers war. Aus seiner weiteren Erkenntnis, daß Industrie und Technik einen erheblichen Platz im politischen Dasein belegt haben, zieht er aber nicht die Folgerung, daß die auch dort vorhandenen geistigen Kräfte mit Recht eine stärkere Leranznhung beanspruchen können; er spielt vielmehr den Akademiker als alleinigen Siegelbewahrer der Volksintelligenz gegen alle anderen Volksteile aus. Wenn er die deutsche Lochschule als „geschichtliche Pflanzstätte einer einheitlichen Bildungs- und Führerschicht" bezeichnet, so scheint er sich der oben gerügten Ausweitung der Begriffe ebenfalls schuldig zu machen. Er weist übrigens selbst darauf hin, dak der Jungakademiker seine Anstrengungen vervielfachen muß, um die geistige Führerstellung wiederzuerringen. Konsequenterweise hätte er betonen sollen, daß der wahre Beruf des Studenten darin gipfelt, den Wettkampf mit dem nichtstudentischen Intellektualismus aufzunehmen. Student sein heißt nicht, auf dem Gipfel stehen, sondern die Pflicht haben, die besten Kräfte an seine Erklimmung zu setzen. Im „Student" betont cand. rer. pol. Lösch die „aristokratische Natur" jeder Führung. Er weist der studentischen Jugend die Aufgabe zu, voranzugehen bei der Bildung einer politisch interessierten Schicht, welche die „Politik kontrollieren" solle. Auch aus seinen Ausführungen spricht die Aebersteigerung der Schätzung, die der akademischen Exklusivität gebührt.