KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 2 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 24 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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sondern daß ein Volk ein Organismus sei, ein einheitliches selbständiges Wesen, ein Naturerzeugnis. Diese tiefe Kluft zwischen den Anschauungen ist nach Stapels Ansicht unüberbrückbar. Es hilft nicht die Einfühlungskunst des Juden in deutsches Wesen, nicht die Sprache und die zum Teil gemeinsame Geschichte. Es fehlt die Liebe zu den Juden, und die kann auch nicht durch den Opfertod für Deutschland verdient werden. Ehrliche Anerkennung der völkischen Verschiedenheit und Abwehr der Zersetzung des deutschen Volkstums durch das jüdische, sind Stapels Kampfparolen. Weit schärfer als Stapel geht Hans Blüher in seiner Schrift: „aeeesaio iudaica" vor. Er leitet den Antisemitismus nicht aus der induktiven Erfahrung ab, auch nicht aus dem Haß, sondern vom Schicksal. Blüher verlegt ihn in die Substanz, ein Wort, von dem Prof. Nölting in: „Das zersetzende Judentum" sagt, es sei sehr bequem,- denn nun komme es nicht mehr auf die Wahrheit an, sondern auf die Substanz. Auch habe dieses metaphysische Kribbelwort den Vorzug, daß es a 1a Tintenfisch, einen so herrlichen metaphysischen Dunst produziere, daß man sich jederzeit dahinter verstecken könne. Diese jüdische Substanz, behauptet Blüher, sei krank. Er führt auch den Grund an. Die Juden haben ihre Aufgabe erfüllt. Sie waren einzig zu dem Zwecke auserwählt, Christus zu gebären und dessen Geburt haben sie für immer mit ihrer Gesundheit bezahlt. Die nunmehr zerstörte, in ihren Grundfesten erschütterte jüdische Substanz hat die Wirkung, alles andere zu zerstören. Sie ist, wie Blüher so schön sagt, von destruktiver Geschichtswirkung. Kein 3ude kann sich dem entziehen, und deshalb gibt es auch keine Assimilation. Die jüdische Substanz habe nur korruptive Gedankengänge, und wenn einmal die Juden einen großen Menschen Hervorbringen, dessen Taten zunächst Allgemeingültigkeit zu haben scheinen, so stellt sich später heraus, daß es sich um eine rein jüdische Privataffäre handelte, mit der die Juden die Welt von der nicht mehr zu leugnenden secessio iudaica ablenken wollten. Es gibt überhaupt nur eine geistige Bewegung in Deutschland, das sei die deutsche und ihre negative Richtung, den Antisemitismus. Er läßt sich heute nicht mehr ableugnen, alle Gegenbeweise könnten ihn nicht eindämmen, und es gibt für Juda nur eine Rettung: seeeasio, Ablösen vom deutschen Volke und hinein in den Zionismus. So haben wir auch hier wieder das alte Lied. Der Kulturantisemitismus gibt zwar an, die Judenftage von einer höheren Warte aus zu betrachten. Er legt Wert darauf, sich von dem alten Radauantisemitismus zu unterscheiden, und wenn man die beiden, oben angeführten Schriften liest, ist man nur allzu leicht geneigt, von einem hohen Niveau der Verfasser zu sprechen. Aber man darf sich keiner Täuschung hingeben. Etwas genauer und schärfer hingesehen, und unter der Hülle von angeblicher Wissenschaft erblickt man den recht unwissenschaftlichen, altbekannten Ruf: „Juden rausl" Eine Ausnahme macht Oswald Spengler. Bei ihm sieht man wenigstens den guten Willen, das Problem der westeuropäischen Judenheit zu lösen. Er deutet es so, daß die Juden aus ihrem alten, orientalischen Kulturkreis durch Schicksalsfügung in die jüngere, abendländische Kulturzone verschlagen wurden. Dadurch haben sich Spannungen eingestellt, die sich aber aus dem Mangel an kultureller Gleichzeitigkeit erklären lassen. Alle Probleme, mit denen der Deutsche sich abmüht, sind vom Juden längst gelöst. Auf das Ueberlegensein und die zynische Intelligenz der Juden antwortet der . Deutsche mit rasendem Haß. Der Zivilisationsprozeß aber, angefangen mit Rousseau und der großen ftanzösischen Revolution wird weiter fortschreiten. Diese „Verjudung" wird das abendländische Kulturland schließlich ganz erfüllen. Dann werden auch die jetzt noch feindlichen Parteien Zusammentreffen, und die Juden werden dann restlos von der westeuropäischen Kulturmasse aufgesogen werden. Soweit Kulturantisemitismus auf mehr oder minder wissenschaftlicher Grundlage. Was aber sagen wir zu den Schlagworten, die man uns täglich entgegenhält. Nur die wichtigsten sollen hier besprochen werden. Kampf dem zersetzenden jüdischen Geist l Was wirft man ihm nicht alles vor. Er sei unschöpferisch, zeige keine Begabung. Der Jude sei Händler, auch auf kulturellem Gebiet. Und wie beweist man die zersetzende Wirkung des jüdischen Geistes. Man führt an, er habe bereits das Römertum vergiftet, deutsches Rittertum zum Raubrittertum verführt. Auch die Einführung des römischen Rechts sei den Juden zuzuschreiben. Die neuzeitliche Zersetzungsperiode beginnt mit Heine und Börne, behauptet man im völkischen Lager, der jüdische Einfluß hat das politische Leben vergiftet, Liberalismus und Parlamentarismus sind jüdische Erfindungen. Das deutsche Volk und seine Kultur ist von Juden durchsetzt. Um dieses alles glaubhafter zu machen, wird auf Chamberlains und Dinters Schriften hingewiesen, in den genügend „Beweismaterial" vorhanden ist. Damit sind aber die Vorwürfe gegen die Juden noch lange nicht erschöpft. Am häufigsten hört man immer wieder das Schlagwort vom jüdischen Materialismus. Dieser sei auf die geschäftliche Tätigkeit der Juden zurückzuführen, die wiederum aus ihrer Naturanlage entspringt. Der Jude