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KC-Blätter · 1929-03-01 · Heft 2 (März 1929) · p. Seite 23

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Journal
KC-Blätter
Volume
1929
Issue
Heft 2 (März 1929)
Date
1929-03-01
Page
Seite 23 (sequence 17)
Language
German
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23 Kirche durch die Beschlüsse ihrer judenfeindlichen Konzilien das bis zum vierten Jahrhundert n. Chr. ruhige Zusammenleben beider Volksteile empfindlich zu stören begann. So wurde aus dem Juden bald der Fremdgläubige, der Heide, der aus purer Bosheit den lieben Herrn Jesus ans Kreuz geschlagen habe, den man verfolgen müsse, wo immer man ihn auch antreffe. Durch Aebertreibungen und Entstellungen, insbesondere durch falsche Auslegung des jüdischen Schrifttums wurde immer nur das Prinzip des Bösen im jüdischen Menschen herausgeschalt und dem ungebildeten, leichtgläubigen Volke vor Augen gehalten. Die furchtbaren Pogrome des Mittelalters sind Folgeerscheinungen dieser religiösen Verhetzung. Bereits im Mittelalter, zur Neuzeit hin sich verschärfend, begann der Judenhaß mehr auf das wirtschaftliche Gebiet überzugreisen. Der arme Ghettojude, dem man außer dem Geldhandel keine Beschäftigung gelassen, wurde in den Augen des Volkes zum Wucherer, der hohe Zinsen nahm, die armen Christen betrog und sich selbst ungeheure Reichtümer erwarb. Daneben war er der im Lande umherziehende Händler, der mit Lumpen und Trödel handelte, was in den Augen der Andersgläubigen als niedrig und entehrend galt. Zugleich mit dem Haß gegen das in der Neuzeit immer stärker in Erscheinung tretende Kapital, wuchs aber auch der Haß gegen die Juden. Sie waren nicht nur der Sündenbock für politische Mißerfolge, man warf ihnen vielmehr vor, daß sie ja keine Erzeuger von Waren seien, daß sie diese hin- und herbewegten, d. h. verschöben, und man führt als ein Argument ihrer unproduktiven Tätigkeit die Bank- und Börsenwirtschaft an. Träger dieses Wirtschastsantisemitismus waren vor allem die Landwirtschaft, die unter ausländischer Konkurrenz stark zu leiden hatte, der Mittelstand und das Handwerkertum. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts endlich glaubte man auf antisemitischer Seite den wahren Kern des Antisemitismus und damit auch die endgültige Lösung der Judenfrage gefunden zu haben. Man hatte nämlich den Gegensatz des Blutes entdeckt, und so fand und findet auch heute uralte germanische Fremdenscheu ihre Wiedergeburt im modernen Rassenantisemitismus. Eine neue „Wissenschaft", die Rassenlehre, wird verkündet. Man blättert die Geschichte des Judentums, die Geschichte des deutschen Volkes Seite für Seite nach, überall findet man die rassische Verschiedenheit der Menschen. Schädelform und Haarfarbe spielen eine entscheidende Rolle. Qualitativ gesehen dominiert natürlich die Rasse, der man selbst angehört, die germanischarische. Alle anderen Rassen sind minderwertig. Zum Glück ist diese Lehre nicht nur von Fachwissenschaftlern von Rang widerlegt, sondern auch von ernsten Antisemiten, die die Unhaltbarkeit ihrer Behauptungen einsehen, an den Pranger gestellt worden; behauptet doch selbst ein Hans Blüher in seiner Schrift: „86668810 iudaica“, der ganze Teutonismus stamme aus verdorbenem Blut, wer an ihn glaube, müsse in kurzer Zeit verblonden. Die Juden hätten sogar viele edle Menschen hervorgebracht, mehr als andere Völker. Das ist ein ungeahntes Zugeständnis, doch haben wir keinen Grund, uns dessen zu fieuen. Im Gegenteil, der religiöse, wirtschaftliche und rassenpolitische Antisemitismus wird nur zurückgenommen zugunsten einer neuen Variation von Judenfeindschaft, und diese neue Art droht in ihren Auswirkungen katastrophal zu werden, wenn man ihr nicht zur rechten Zeit entgegentritt. Es handelt sich um den sogenannten „Kulturantisemitismus", bei dem der Streit nun nicht mehr um Rassen geht, sondern um den Begriff des Volkstums. Der Hauptvertreter dieser Richtung ist Dr. W. Stapel, der in zwei Aussätzen (erschienen in der Monatsschrift „Deutsches Volkstum") seine Anschauung über Antisemitismus dargelegt hat. Den Rassengegensatz lehnt er ab. Vielmehr erklärt sich der Gegensatz aus dem verschiedenartigen Volkstum. Die Deutschen sind ein Volk, die Juden ein anderes. Die Juden leugnen das, weil sie einem anderen Volkstum als ihrem eigenen angehören wollen. Ein Wechsel des Volkstums ist aber nicht möglich; ist doch ein Volk niemals ein Werk des fielen menschlichen Willens, sondern Naturprodukt wie die Pflanze. Ohne sein Zutun wird der Mensch in ein Volk hineingeboren. Ist er das nicht, so kann er nie hineinkommen. So kann auch ein Jude nie Deutscher werden, weil er es nicht ist. Ein Jude mag sich wohl die deutsche Kultur erwerben, niemals wird er die deutsche Natur annehmen. Es kann demzufolge zwischen beiden Völkern nur reinliche Scheidung geben. Wie könnte Antisemitismus entstehen, wenn beide Völker ihr Volkstum gegenseitig achten würden. Der Grund hierfür liegt nämlich gerade darin, daß der Jude das deutsche Volkstum nicht achtet, daß er es mit Gewalt annehmen will, ein unmögliches Begehren. Was nützen, meint Stapel, die größten und anerkennenswertesten Leistungen jüdischer Männer in Kunst und Dichtung, in Staat und Politik, es sind nur jüdische Leistungen, jüdisches Empfinden, jüdisches Staatsdenken. Der Jude verkenne völlig, um was es sich handle, er sehe nicht, daß deutscher und jüdischer Geist im Wesen verschieden seien. Er erkenne ferner nicht, daß ein Volk keine Organisation, keine Summe von Individuen sei, die sich durch gleiche Lebensbedingungen und mit dem freien Willen, ein Volk zu bilden, zusammengefunden habe;

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