KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 2 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 22 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Das Unbefriedigende dieser Selbstverwaltungsideologie war wohl auch. der Grund, weshalb sich Schmadel gegenüber der — wie Mahrholz sich in der „Vossischen Zeitung" auszudrucken beliebte — „zielklaren Demagogie Hilgenstocks nicht durchzusehen vermochte. Hilgen stock war sehr zielklar in seinem Willen, die nationalpolitischen Aufgaben der Studentenschaft festzuhalten. Auch die Lösung der Studentenschaftsfrage ist letzten Endes ohne Lösung der Staatskrise nicht denkbar. Man sollte meinen, daß es wirklich aktuell gewesen wäre, über die allgemeine Stellung der Hochschule im Staate nachzudenken. Der Studententag schloß sich wohl den Verwahrungen der Dozentenschaft gegen die ministeriellen Angriffe auf die akademische Freiheit voll an und faßte in Entgegnung auf das Verbot am 28. Juni mit gutem politischen Witz den Beschluß, an den Verfassungsfeiern nicht teilzunehmen, um nicht „die einheitliche Wirkung der Kundgebung der Reichsregierung zu beeinträchtigen." Aber es genügt nicht, gegen eine Politisch gemeinte Maßnahme Rechtsverwahrung einzulegen, sondern es kommt darauf an, dieser Politik auf anderer Ebene zu begegnen, d. h. in diesem Falle über das Verhältnis zum Staat grundsätzliche Forderungen aufzustellen. Gedanken über die Autonomie der Hochschule, wie sie von der Deutschen Burschenschaft herausgearbeitet worden sind, wurden von Schmadel als „utopisch" und „mittelalterlich" mit einer Oberflächlichkeit abgelehnt, die man sonst nicht an ihm gewöhnt ist. Wer ein inneres Verhältnis zu diesen Forderungen hat, weiß, daß es sich hier nicht bloß um Anknüpfung an eine alte Ueberlieferung handelt, auf bjtc unsere Hochschulen mit Stolz Hinweisen können, sondern um den Versuch einer modernen Fortentwicklung des Hochschulrechts, der in Zusammenhang mit den geistigen und politischen Strömungen auf eine Umformung.unserer staatlichen Struktur abzielt. Es wird eine Aufgabe künftiger Studententage sein, in Verbindung mit der Dozentenschaft Reichsreformvorstellungen aus solcher akademisch-politischen Schau heraus zu entwickeln. Es entspricht gerade einem korporativen Denken, den Staat nicht in Individuen, sondern in vielgestaltige Gemeinschaftsformen zu zergliedern. Vielleicht würde es auch für die Studentenschaft bei dem Verfolgen solcher Vorstellungen notwendig sein, einen neuen Aufbau auf der Grundlage der in ihr vorhandenen Stellen,., der Korporationen zu vollziehen. Auf diese Weise würde man einer „organisch" zusammengefügten Studentenschaft näher kommen, die durch die Grundsätze der Ehre und der Erziehung innerlich verbunden wäre und dadurch erst ein Gegengewicht gegen den rein fachlichen und materialistischen Geist darstellen würde, den der neue studentische Typ vertritt, der namentlich auf dem Wege über die Wirtschaftshilfe unter staatlicher Förderung geschaffen wird. Daß der Studententag sich weiter zu einer bedingungslosen Unterstützung der Wirtschaftshilfe entschloß, sich mit ihren Arbeitsmethoden nicht auseinandersetzte, bleibt ein schwerer Fehler. Die Studentenschaft muß endlich aus ihrem korporativen sozialen Geiste heraus den Mut firüren, gegen die zersetzenden Einflüsse, die von der Wirtschaftshilfe ausgehen. aufzutreten. Der Staat wird rn Zukunft versuchen, den ihm geistig entsprechenden Nachwuchs aus den Bewohnern der Studentenhäuser und anderen Einrichtungen der Wirtschaftshilfe herauszuholen. Daran soll man beizeiten denken. Hannover hat gezeigt, daß die Deutsche Studentenschaft eine Macht ist, deren tatsächliche Geltung auch staatlicher Zwang an den Hochschulen nicht zu beseitigen vermag. Sie wird aber diese Macht nur dann erhalten und erweitern können, wenn sie eine geistige Front entwickelt, die sich zukunftsgestaltend auswirkt. Dem Gerede von der zwangsläufigen „Verengung des Mitgliederkreises" bei dem Aufstellen von politischen Zielen, ist die Frage entgegenzusetzen, was denn auf junge Leute Anziehungskraft ausübt, eine blasse Neutralisierung seines Standpunktes oder das Herausstellen von Ideen, für die der Student sich einsetzen soll?" Hier wird versucht, eine neue Idee zu entwickeln, fteilich eine Idee (Neuaufbau der Studentenschaft auf den Korporationen), deren Ueberwindung man 1919 als einen Fortschritt feierte, aber hier ist man ehrlich und konsequent: Ablehnung der D. St. als Organ der Studentischen Selbstverwaltung, als Organ der Hochschule, deren Freiwerden von jeder staatlichen Bindung, jeder Mitwirkung an der Wirtschaftshilfe und in der neuen Form natürlich unbeschränkte Freiheit der Kompetenz. Was aber scheidet diese Studentenschaft dann vom Hochschulring deutscher Art? Folgt die Deutsche Studentenschaft diesem Wege, dann ist die Arbeit der ersten Nachkriegsgeneration umsonst gewesen, die wirkliche „allgemeine Studentenschaft" großdeutsch im besten Sinne, gehört dann der Vergangenheit an. Geht der Weg wirklich dahin? — Die Aera Hofmann wird es zeigen, aber die fteiheitliche Studentenschaft muß neben der Kleinarbeit diese grundsätzlichen Fragen erkennen und zur Klärung bringen, die die Art der Fragestellung bei der Abstimmung 1927 leider verzerrt hat. Für uns im K. C. bleibt die Fragestellung damit, wie Borchardt festgestellt, nicht erschöpft. Vieles wird uns noch beschäftigen müssen. Der dlumerug c1au8U8 wird dabei wesentlich, aber auch nicht das einzige sein. — Die Diskussion ist eröffnet. H. B. Kullurantisenritismus. Von stud. med. Gerhard Iacobsohn (Spr.) In der großen Bewegung des Antisemitismus, weils ein anderes Antriebsmotiv in den Vorderdie gerade in unseren Tagen an Haß und Ergrund tritt. So gründete sich im frühen Mittelbitterung nichts zu wünschen übrig läßt, kann . alter die judenfeindliche Bewegung auf den man deutlich verschiedene Phasen erkennen, die religiösen Gegensatz zwischen Christen und Juden, sich dadurch voneinander unterscheiden, daß jeder erst dadurch deutlich fühlbar wurde, daß die