KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 2 (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 21 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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folg haben, der sich wieder zu sachlicher Arbeit zurückfindet. Politische Konstellationen können wechseln und mit ihnen Machtverhältnisse, die nur durch eine augenblickliche politische Situation bedingt sind; dann kommt es darauf an, wer Menschen hinter sich hat, und Menschen kann nur eine Bewegung gewinnen, die positive Aufgaben zu erfüllen hat. Der K. C. als solcher gehört keiner politischen Richtung an; er kann daher auch nur einer Organisation angehören, die nicht parteipolitische Ziele verfolgt, sondern bestrebt ist, eine deutsche Studentenschaft im Sinne einer Vertretung der Gesamtheit der deutschen Studierenden zu bilden. Diese Erkenntnisse sind es, die wir, wenn wir sie als richtig erkannt haben, festhalten und — mögen sie auch nicht von allen Seiten unbedingte Zustimmung finden — mit innerer Festigkeit und unbeirrbar durchzuführen suchen müssen, sei es auch vielleicht auf anderen als den bisher beschrittenen Wegen. Nachwort der Schriftleitung. Kennzeichnend für die heutige Situation in der Studentenschaft ist, welche merkwürdige Auslegung namentlich die Begriffe national und p o l i t s ch erfahren. Man verfährt so ähnlich, wie der Bierbankpolitiker bei der Definition der Steuergerechtigkeit: „Gerecht sind die Steuern, die der andere bezahlt" und definiert: „Politisch ist die Betätigung der anderen, unpolitisch die unsere", „National ist alles, was wir erstreben, vaterlandlose Gesellen sind die anderen". Zwei Beispiele aus der studentischen Presse der letzten Tage erhellen schlaglichtartig die Lage: Besser als lange Darlegungen verkörpert den angeblich reinen, unpolitischen nur auf Lehr- und Lernfreiheit gerichteten Kampf gegen Becker ein Trutzlied, das in der neuesten Nummer der V. C.- Rundschau abgedruckt ist, und das darum hier wiedergegeben sei. Einmal ist es der Kampf gegen die Schuldlüge, ein anderes Mal der Kamps gegen den Poungplan, ein drittes Mal der blumeru8 clausus, ein viertes Mal die Verfassungsfeiern, allemal aber: „Unpolitisch ist alles, was wir wollen." Nicht gegen das einzelne, gegen diesen Geist der inneren Unwahrheit wenden wir uns. Studenten-Trutzlied von 1929. (Singbar, nach der Weise: „Das Jahr ist gut, braun Bier ist geraten...") Der Kultusminister im preußischen Staate geht ernsthaft mit seinen Genossen zu Rate. Die Herren Studenten bereiten ihm Not; die rufen nach Freiheit trotz strengem Verbot! Und Freiheit, das hieße: Ein Mann macht Karriere, auch wenn sein Parteibuch nicht einwandfrei wäre. Und Freiheit bedeutet: Minister zu sein ist Sache des Könnens und nicht der Partei'n! Und Freiheit bedingt: Ein Professor darf sagen, was wahr ist, und braucht nicht nach oben zu fragen. Und Freiheit, das wäre: Man bleibt Intendant, auch wenn man sich offen zum Deutschtum bekannt! Und Freiheit will ewig: Trotz Frankreich und Polen verlorene Brüder ins Vaterhaus holen. Und Freiheit, die grollt: Bis zum rächenden Tag verdammen wir "Lüge und Friedensvertrag! So schärst für die Freiheit der Bursch seine Wehre, so schreibt er die Freiheit aufs Band seiner Ehre; er reckt ihr Panier über Heimat und Welt und fragt nicht danach, ob's Ministern gefällt! Drum magst du, Herr Becker, den Mund uns vernageln, die Klinge uns binden, den Garten zerhageln: Der Wille zur Freiheit wird nimmer zerschell'n; denn wir sind Studenten, — nicht Becker-Gesell'n! An einer Stelle allerdings finden wir ein offenes Eingeständnis der Unhaltbarkeit des „unpolitischen Gehabens: im Bericht der „Burschenschaftlichen Blätter" über den 12. Studententag (Aug.-Sept. 1929). Der Studententag wurde erst lebendig bei den Anträgen über den nnmcrus clausus, deren Verhandlung aus formellen Gründen abgelehnt wurde, und zu deren Begründung nicht mehr als das Uebliche gesagt wurde. Die akademische Berufslage in Deutschland ist aber so, daß man nächstens den numsrus clausus sehr viel weitgehender als gegen Juden wird in Anwendung bringen müssen, sofern dieser uumcrus clausus einen Sinn haben soll. Es war sachlich und taktisch falsch, selbst wenn es formell richtig war, der Behandlung dieser Frage ängstlich auszuweichen, über die der nächste Studententag doch nicht hinwegkommen wird und die der agitatorischen Atmosphäre entzogen werden sollte. Daneben wurde die Frage: Politisierung oder Selbstverwaltung? ziemlich schlagwortartig hie und da aufgegriffen und verschieden beantwortet. Aber es sagte niemand, daß der Gedanke der studentischen Selbstverwaltung in der bisherigen Form seit dem Konflikt mit dem Kultusministerium am Ende ist. Es erscheint nicht mehr möglich, auf dem Boden einer noch so ideal gedachten Interessenvertretung, die wertvollen und aktiven Kräfte der heutigen Studentenschaft zu sammeln. Das Gefühl, daß der Angriff des Staates zugleich ein Angriff gegen ihre geistige Grundeinstellung, gegen ihre Lebens- und Ehrauffassung war, hat sich der Studentenschaft so stark bemächtigt, daß sie mehr verlangt als die Verwaltung ihrer allgemeinen Studienangelegenheiten zum Inhalt ihres Zusammenschlusses zu machen. Den jungen Studenten befriedigt es nicht mehr, den Bereich der studentischen Arbeit durch Facharbeit, Leibesübungen, Wirtschaftshilfe usw. zu kennzeichnen. Er möchte Anteil nehmen an dem geistigen Ringen um die Erneuerung unseres Staats- und Volkslebens und damit die Studentenschaft als Glied einer Bewegung auffassen, die auf die äußere und innere Umgestaltung unseres Staates hinführt. Die in der Sache ausgezeichnete, aber in der Wortgebung nicht glückliche Entschließung gegen den Poung-Plan, das Bekenntnis zum 'Wehrgedanken und die Forderung der Neuaufnahme eines Prüfungsfaches über das Gebiet der Geopolitik, des Auslanddeutschtums und der Geschichte des Weltkrieges waren eine selbstverständliche Folgerung dieser Einstellung. Vom Standpunkt der rein akademischen Selbstverwaltung waren es aber Uebergriffe in ein Gebiet, das die Studentenschaft „nichts angeht".