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KC-Blätter · 1929-03-01 · Heft 2 (März 1929) · p. Seite 20

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Journal
KC-Blätter
Volume
1929
Issue
Heft 2 (März 1929)
Date
1929-03-01
Page
Seite 20 (sequence 14)
Language
German
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20 um jene Ziele besser und frei von allen Bindungen verfolgen zu können, notfalls sogar auf jede staatliche Anerkennung verzichten wollen. Das Eigentümliche dieser Richtung ist neben der schon früher einmal von dem ehemaligen Münchener Rektor Boßler gekennzeichneten Eigenart, sich in nationalen Phrasen zu betrinken, eine aus dem Willen zu politischer Einflußnahme geborene ungeheure Ueberschätzung ihrer eigenen Bedeutung, wie sie sich in der Annahme der Entschließung zum Poung-Plan auf dem letzten Studententag zeigt. Man denkt an den Mahnruf Okens aus dem Wartburgfest 1817, der wie für die augenblickliche Lage gesprochen erscheint, und den sich die Studenten aller Richtungen ins Stammbuch schreiben sollten: „Ihr habt nicht zu bereden, was im Staate geschehen soll, nur das ziemt Euch zu überlegen, wie Ihr einst im Staate handeln sollt und wie Ihr Euch dazu würdig vorbereitet. Kurz, alles, was Ihr tut, müßt Ihr bloß im Bezug auf Euch, auf das Studentenwesen tun, und alles andere als Eurer Beschäftigung, als Eurem Wesen fremd, ausschließen, auf daß Euer Beginnen nicht lächerlich werde." Oder wie der preußische Finanzminister Höpker-Aschoff (selbst übrigens ehemaliger Burschenschafter) in den schönen und ernsten Worten, die er in einer Verfassungsfeier an die D. St. richtete, sehr zurückhaltend sagte: „Ein wenig mehr Bescheidenheit wäre wohl am Platze gewesen." Ist der Kampf der beiden Richtungen schon entschieden? Es scheint fast so; auf dem letzten Studententag hat jedenfalls die extreme Richtung die Oberhand bekommen; dafür spricht z. B. die Annahme der ominösen Entschließung zum Verfassungstag, die einer Organisation, die sich selbst ernst nimmt und ernst genommen zu werden wünscht, unwürdig ist. Das zeigt sich weiter in der Wahl des neuen Vorsitzers Hoffmann (Halle), der schon vom alten Vorstand empfohlen wurde, weil er Gewähr biete, die Erwartungen der radikalen Elemente zu erfüllen, und doch noch von einzelnen als „national unzuverlässig" hingestellt wurde. Hoffmann selbst erklärte nach dem uns vorliegenden Bericht, „er werde alles tun, um die Zweifel, die die Opposition in seine nationale Zuverlässigkeit gesetzt habe, zu zerstreuen" und kündigte also einen Kurswechsel an. Geht die D. St. diesen Weg, so sind damit die Würfel über ihr Schicksal gefallen; für die D. St. als Parteiorganisation ist jede Möglichkeit, die staatliche Anerkennung einmal wiederzuerlangen, ausgeschlossen. Die deutschen Studenten, ohnedies in geringer Berührung mit den geistig-politischen Strömungen der Zeit, sind damit ausgeschaltet aus dem öffentlichen Leben der Ration; fähig — wenn sie wollten —, eine einflußreiche öffentliche Körperschaft zu bilden, werden sie sein, was sie früher einmal gewesen sind: gebührenzahlende Objekte staatlicher Erziehung und Verwaltung. II. Und wir? Die gegenwärtige Lage ist oben geschildert worden; es taucht die Frage auf, welche Folgerungen wir als K. C.er aus dieser Situation ziehen sollen. Es kann nicht wunderniehmen, daß dieser für uns wichtigste Teil einer hochschulpolitischen Betrachtung nicht mit derselben Ausführlichkeit behandelt werden kann wie die Schilderung der augenblicklichen Lage; einmal, weil Schlüsse immer kürzer sind als Praemissen, zum zweiten, weil eine endgültige Antwort angesichts der noch in Fluß befindlichen Entwicklung noch gar nicht möglich ist. Doch soll die im folgenden kurz angedeutete Stellungnahme dazu dienen, auf unserer Seite die Diskussion anzuregen. Zur Beantwortung der gestellten Frage ist es erforderlich, noch einmal die Gesichtspunkte zu klären, unter denen wir die Entscheidung zu treffen haben — eine Notwendigkeit, die vielleicht auch unsererseits nicht immer gebührend beobachtet worden ist. Es scheidet von vornherein aus eine politische Betrachtungsweise. Denn ganz abgesehen davon, daß unsere Ziele (als eines Korporationsverbandes jüdischer Studenten) sich keineswegs mit denen bestimmter politischer Parteien decken, dürfen wir nicht in denselben Fehler verfallen, den wir an der anderen Seite zu tadeln haben, nämlich der Vermengung unserer persönlichen politischen lieberzeugungen und dessen, was für unsere Korporationen, für uns als Gesamtheit erstrebenswert ist. Wir dürfen uns ferner nicht beirren lassen durch Zielsetzungen anderer Vereinigungen, die vielleicht heute in demselben Lager stehen wie wir, die aber gänzlich andere Ziele verfolgen und entsprechend andere Aufgaben zu erfüllen haben. Unser Ziel ist, wie es der Tendenzparagraph sagt, der Kampf gegen den Antisemitismus an den deutschen Hochschulen; die Mittel zur Erfüllung dieser Aufgabe können sehr verschiedener Art sein, wobei ohne weiteres klarliegt, daß sie in hohem Maße durch Zeitverhältnisse bedingt sind. Es ist nicht gesagt, daß ein möglichst scharfes Drausgehen mit allen zu Gebote stehenden Mitteln unter allen Umständen die beste Art und Weise ist, eine Bewegung zu bekämpfen. Augenblicklich scheint uns im Interesse der studentischen Gesamtheit am wünschenswertesten eine Beruhigung der akademischen Verhältnisse, durchdie die Möglichkeit einer sachlichen Zusammenarbeit mit allen verständigungsbereiten Kreisen offengehalten wird. Von den widerstreitenden studentischen Richtungen und Verbänden wird nur der auf die Dauer Er-

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