Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1929-03-01 · Heft 2 (März 1929) · p. Seite 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1929
Issue
Heft 2 (März 1929)
Date
1929-03-01
Page
Seite 19 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2268830-2268968-2268970--3448-2272558
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

dem letzten Studententag festgehalten haben) und ihre Drohung mit einem ev. Austritt aus der D. St. (wobei sich nur fragt, ob nicht das zeitweilige Ausscheiden einiger radikalisierter Mitgliedsgruppen, die sich wahrscheinlich doch noch eines besseren besinnen würden, dem Zerfall der gesamten D. St. vorzuziehen ist). Nicht, als ob es im am anderen Lager an Einsichtigen gefehlt hätte — zu der oben erwähnten Verbändeerklärung vom November 1928 gab z. B. die D. B. eine sehr bedeutsame Erklärung ab, die davon ausging, daß die Selbstverwaltungsausgaben der D. St. für ihre Durchführung staatliche Anerkennung der Einzelstudentenschasten erfordern. Der 3. Punkt dieser Erklärung lautete: „Es wird von den deutsch-österreichischen Studentenschaften erwartet, daß sie an der Erreichung dieses Zieles Mitarbeiten, notfalls unter Aenderung ihres Aufbaus." „Damit war", wie einer der wenigen Einsichtigen feststellt, „ein Wort von größter Bedeutung gesprochen. Zum ersten Male besaß ein Verband den Mut, offen zuzugeben, daß die österreichischen Studentenschaften im Interesse des Gesamtverbandes der D. St. gegebenenfalls einen Umbau ihrer Organisation vornehmen müßten." Dieser Stellungnahme der D. B. stimmten inhaltlich zu der A. D. B. und Schwarzburgbund, die Akademische Gildenschaft und der Wingolf. Aehnliche Forderungen hat übrigens vor einiger Zeit die Heidelberger Studentenschaft erhoben, die in einer Entschließung jede parteipolitische, rassenpolitische und religiöse Betätigung der Studentenschaft ablehnt und bei grundsätzlicher Anerkennung des großdeutschen Aufbaus die staatliche Anerkennung und den reichsdeutschen Zusammenschluß voranstellt. Aber — was nützen Einsichten, wenn sie sich nicht durchzusetzen vermögen! Die Erklärung der D. B. wurde durch die Eisenacher Beschlüsse, die Entschließung des Heidelberger Astas durch eine Erklärung der Corps und Burschenschaften wieder desavouiert. Deutlich zeichnen sich hier die beiden entgegengesetzten Strömungen innerhalb der D. St. ab, die bereits seit dem bekannten Referat Schmadels auf dem 11. (Danziger) Studententag klar nach außen in die Erscheinung getreten sind. Die eine Richtung, an ihrer Spitze Schmadel, der bisherige Vorsitzer der D. St., will die D. St. als „Zusammenfassung aller Studierenden, geeint durch das gemeinsame Band des Studiums"; sie setzt sich die baldige Zusammenfassung aller Studierenden unter staatlicher Anerkennung zum Ziel. Hier sind die Realpolitiker der D. St., diejenigen, die erkannt haben, daß ohne staatliche Anerkennung ein gedeihliches sachliches Arbeiten gar nicht möglich ist, und die auch bereit sind, für diese staatliche Anerkennung Opfer zu bringen. „Die mit dem Studentenrecht geschaffene Einigung zwischen Unterrichtsverwaltung und Studentenschaft macht eine loyale Mitarbeit an den Aufgaben der Hochschule als Institution des Staates auch in seiner heutigen Prägung zur Grundlage der studentischen Tätigkeit" (Schmadel auf dem 6. Deutschen Hochschultag München). Diese Richtung ist sich auch über die Gefahren im klaren, die im Eindringen der Parteipolitik in die Hochschule liegen. „Nichts verträgt sich mit dem Charakter der Hochschule und mit dem Wesen der studentischen Gemeinschaftsarbeit weniger als die Durchsetzung der Studentenschaft mit Parteipolitik. Wenn in den Parteien noch einige Verantwortung steckt, so sollten sie die Hände von dem Versuch lassen, junge Menschen zu einem Zeitpunkt in den Bann ihrer politischen Anschauung zu zwingen, in dem diese größtenteils sich erst ihre staatsbürgerlichen Erfahrungen und ihre politische Meinung bilden müssen." An anderer Stelle sagt Schmadel, wenn der Gedanke, die Allgemeinstudentenschaft nicht der Unsicherheit ausschließlich politischer Betätigung zu opfern, nicht durchdringe, so sei die D. St. aufgelöst, auch wenn sie organisatorisch fortbestehe. Ihren Namen... würde sie inhaltlich zu Unrecht tragen und ihre Entwicklung würde dieses Unrecht offenbaren. „Die von uns mit sehr viel Bedenken beobachtete Entwicklung dieser Freien Studentenschaften", sagt ein anderer aus diesem Lager, „zeigt die Gefahr, in den „völkischen Kreisen" zu münden. Diese Organisationsform lassen wir durchaus für den Deutschen Hochschulring, nie aber für die D. St. gelten. Wir wollen nicht alle Kraft unserer jungen Kommilitonen in dauernden Auseinandersetzungen mit politischen Faktoren vergeuden, denen sie letztlich doch nicht gewachsen sein können." „.. .Man möge nicht vergessen, daß kein Minister, ganz gleichgültig, welcher politischen Richtung er auch angehört, den alten Zustand des preußischen Studentenrechts wiederherstellen könnte...." Das sin.d klare Erkenntnisse — so klar, daß man nur wünschen kann, daß die gegenwärtige Situation aus unserer Seite mit derselben Aufrichtigkeit betrachtet werde. Die andere, der erstgeschilderten entgegenarbeitende Richtung der D. St. stellt in den Vordergrund nicht die studentische Zusammengehörigkeit, sondern die (einseitige) politische Aktivierung. Sie sieht nicht in erster Linie die sachliche Arbeit in einer Studentenschaft als erstrebenswertes Ziel an, sondern die Einbeziehung der Studentenschaft in den politischen Machtkampf. Diese Kreise sind es, die die D. St. zum Kampf gegen den jetzigen Staat treiben und die,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.