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KC-Blätter · 1929-03-01 · Heft 2 (März 1929) · p. Seite 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1929
Issue
Heft 2 (März 1929)
Date
1929-03-01
Page
Seite 17 (sequence 11)
Language
German
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17 zeigen, zu kriseln. Im März dieses Jahres wurde im Haushaltsausschuß ein Antrag der Bayerischen Volkspartei angenommen, nach welchem die Zwangsbeiträge für die D. St. aufgehoben werden sollen, wenn die D. St. in Bayern sich weiterhin parteipolitisch derartig einseitig festlege wie bisher. Der Grund für dieses Vorgehen der Länderregierungen liegt nicht nur im preußischen Vorbild, sonvern in der zunehmenden Politisierung der D. St. Es ist selbstverständlich, daß eine Studentenschaft, die in Wahrheit nur die Interessen einer bestimmten Partei wahrnimmt, nicht den Anspruch darauf erheben darf, als Gesamtvertretung der deutschen Studierenden anerkannt zu werden. Man darf hierbei nicht ungerecht sein und nicht die D. St. als Gesamtorganisation für alles und jedes verantwortlich machen, was von einzelnen ihrer Mitglieder oder Mitgliedsorganisationen gesagt worden ist. Scharfmacher gibt es überall; und „keine Gemeinschaft wird repräsentiert durch ihre Narren" (Brunner). Immerhin sind solche Aeußerungen, wenn sie sich häufen, als Smptome zu werten. Es muß jedoch anerkannt werden, daß die bisherige Leitung der D. St. sich nach Kräften, wenn auch mit geringem Erfolg, bemüht hat, die einseitige Politisierung der D. St. zu verhindern. So hat Schmadel.erst auf dem letzten Studententag auf die Gefahr einer Aenderung der in die Studentenschaft gelegten Aufgaben durch das Aufkommen politischer Strömungen innerhalb der Studentenschaft hingewiesen. Auch Kersten, über dessen politische Einstellung ja gar kein Zweifel möglich ist, betonte diesmal, daß die Studentenschaft ihre Aufgaben nicht außerhalb der Hochschule suchen dürfe. „Er forderte" (wie es in dem uns vorliegenden Bericht vom letzten Studententag heißt) „die D. St. auf, sich auf ihren Grundcharakter zu besinnen und nicht Ziele zu verfolgen, die andere sehr achtbare (!) Bewegungen sich gesteckt hätten, die aber nicht zum ursprünglichen Aufgabenkreis der D. St. gehörten." Auch sonst war bei kleinen Zwischenfällen, z. B. als ein Redner eine Erklärung für die Nationalsozialistische Partei abgeben wollte, aber auf Veranlassung des Tagungsleiters Hilgenstock wieder abtreten mußte, weil er nicht für eine Studentenschaft sprechen konnte, oder als ein anderer Redner gezwungen wurde, eine antisemitische Bemerkung mit dem Ausdruck des Bedauerns zurückzunehmen, ein Wille zur Objektivität nicht zu verkennen. Freilich darf man sich nicht darüber täuschen, daß jener Wille zur Objektivität zwar bei den verantwortlichen Führern und einigen Einsichtigen vorhanden ist, daß aber in weiten Kreisen der Gefolgschaft extrem nationalistische und völkische Strömungen mit großer Schnelligkeit an Boden gewinnen. Eine ganze Reihe von Vorkommnissen der letzten Zeit lassen dies deutlich erkennen. Zunächst der Serie der >lumeru8 cIau8us-Beschlüsse: so hat die Berliner Mitgliedsorganisation der D.St., die sogenannte Allgemeine Studentenschaft, einen nationalsozialistischen Antrag auf Einführung des Kumeru8 cIau8U8 angenommen (welchem Antrag der Kreisleiter des Kreises X der D.St. ausdrücklich zugestimmt hat). Weiterhin hat die Studentenschaft der Universität Erlangen, die ja noch staatliche Anerkennung genießt, beschlossen, sich für die Einführung eines blumeru8 cIau8U8 für jüdische und ausländische Studenten einzusetzen, wobei jedoch nicht nur nach dem Religionsbekenntnis geftagt werden soll, sondern die „Fremdstämmigen" nach ihrer Rasse ausgesondert werden sollen. Auch hier zeigt sich fteilich wieder die bessere Einsicht der Führer der D.St., die zu jener Entschließung in einem Beschluß vom 22. 2. wie folgt Stellung nahmen: „Der Hauptausschuß hat sich mit den Beschlüssen der Erlanger Studentenschaft bezüglich der Einführung eines dlumeru8 c1aü8U8 an den deutschen Hochschulen beschäftigt. Er hält das Auftollen dieser Frage in den reichsdeutschen Studentenschaften für eine Verletzung der Würzburger Verfassung der D. St., die die Gefahr einer schweren Erschütterung des Bestandes der D.St. in sich birgt, und hat zur Klärung der verfassungsrechtlichen Seite dieser Frage eine Entscheidung des Spruchhofs der D.St. angefordert. Der Hauptausschuß fordert alle Studentenschaften dringend auf, eine Beschlußfassung in der >lumeru8 c1au8U8-Frage bis zur Veröffentlichung dieser Entscheidung zu unterlassen." Bereits wenige Tage später wurde auch an der Würzburger Universität im Allg. Studentenausschuß von den Nationalsozialisten ein Antrag auf Herbeiführung des I^umeru8 clau8U8 durchgebracht. Auch gegen diesen Beschluß erhob der Vorstand der D.St. Klage beim Spruchhof. Interessant ist die Argumentation, mit der die Würzburger Studentenschaft beim Spruchhof ihren Standpunkt verteidigt hat: ein Beschluß auf Einführung des dlumeru8 cwu8U8 berühre nicht Fragen der Parteipolitik oder des Glaubensbekenntnisses. Es handle sich bei dem Kampf um die Anerkennung des Volksbürgerprinzips um ein Problem von allgemein vaterländischer Bedeutung." Noch interessanter und geradezu unglaublich ist es aber, daß die inhaltlich bereits bekannt gegebene Entscheidung des Spruchhofs sich die Argumentation der Würzburger Studentenschaft zu eigen gemacht hat. Während nämlich der Vorstand der D. St. durchaus richtig die dlumeru8 c!au8U8-Anträge als

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