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KC-Blätter · 1929-03-01 · Heft 2 (März 1929) · p. Seite 11

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Journal
KC-Blätter
Volume
1929
Issue
Heft 2 (März 1929)
Date
1929-03-01
Page
Seite 11 (sequence 5)
Language
German
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verkörperte. Schon das Aeußere mußte für Max Ehrenfried sprechen. Man sah ihm die Energie, den Schneid, die unwandelbare Treue an. Abhold jeder Phrase, spürte man in ihm den Mann der Tat, die Kraft der Persönlichkeit, und wenn er einmal auf seinem Bande die Worte „nemo ne impune laeesset" getragen hat, so merkte man sofort, vor Dir steht ein Mann, der den Sinn dieser Worte in sich verkörpert. Die Ideale haben sich gewandelt. Die heutige Jugend gibt nicht so viel auf den äußeren Schneid, wie es die damalige Zeit erfordert hat. Es ist hier nicht angebracht, zu prüfen, welcher Standpunkt der richtige ist. Wir halten fest an dem Prinzip, daß man als Mann unter allen Umständen, — und mag die Persönlichkeit noch so gefährdet sein — für seine Ideale einzutreten habe. Hier lag die Erklärung für den Zauber, den Ehrenfried wie kaum ein anderer um sich verbreitete. Man war sofort — und wenn man nur eine Viertelstunde in seiner Gesellschaft gewesen war — davon überzeugt: In diesem Manne ist die Zuverlässigkeit bis zum Letzten verkörpert. In den letzten drei Jahrzehnten war es mir oft vergönnt, mit Ehrenfried zusammen zu sein. Viele Jahre haben wir auch politisch zusammengearbeitet. Immer wieder erneuerte sich das Bild der ersten Begegnung. Keine Phrase, nicht viel Worte, sondern Taten, Zuverlässigkeit und Schneidigkeit. Auch die Schneidigkeit braucht kein leerer Wahn zu sein. Bei Max Ehrenfried zeigte sich, was man unter innerem Schneid zu verstehen hat. Dem bis in die letzten Tage noch frischen Mann hat der Laie eine Lebensdauer von Jahrzehnten gegeben. Die kundigen Aerzte allerdings wußten, daß es um sein Herz nicht gut bestellt war. Die politischen Ereignisse haben sein Leben zweifellos verkürzt. Er konnte es schwer überwinden, daß Kattowitz aus dem Verbände des Deutschen Reiches losgelöst wurde. All das, was wir in den letzten anderthalb Jahrzehnten erlebt haben, und was uns besonders betroffen hat, hat sein Leben verkürzt. So wie wir ihn vor uns gesehen haben, so ist er von uns gegangen, ein Feuerkopf, ewig lebendig, ewig zuverlässig, ewig treu und groß. Unvergeßlich wird er uns bleiben, die wir ihn gekannt und geliebt haben, der Mann der Tat, der Mann der Ueberzeugungstreue, der keine Reden, sondern Handeln liebte. Ewig sei Dir, mein lieber Ehrenfried, gedankt, daß Du uns erzogen hast, daß Du uns den Wert der Persönlichkeit durch Dein Sein und Dein Wollen immer wieder vor Augen führtest. Dein Segen bleibe uns erhalten! Ludwig Holländer, Vorsitzender des Geschäflsführenden Ausschusses des K.C. Emile Zola» „Hrief a« die Jugend". Emgeleitet und übersetzt von Dr. Lanns Meißner. Vor etwa dreißig Jahren, am 14. Dezember 1897, erschien in Broschürenform Emile Zolas „Brief an die Jugend". Es war die Zeit, als der Dreyfus-Prozeß die Gemüter in Frankreich, und über Frankreich hinaus die ganze zivilisierte Welt erregte. — Ein französischer Hauptmann war des Landesverrats angeklagt und auf Grund zunächst für echt gehaltener Dokumente verurteilt, degradiert und auf die Teufelsinsel verbannt worden. In der Folge aber hatten sich einsichtige Männer zu der Ueberzeugung durchgerungen, daß hier ein Justizirrtum vorlag. Man hätte nunmehr also die Wiederaufnahme des Verfahrens, Kassation des ersten Urteils, Rehabilitierung des Unschuldigen und einen Prozeß gegen den erwartet, der in Wahrheit dem deutschen Militärattache in Paris die inkriminierten Urkunden verkauft hatte. Das Gegenteil schien jedoch zunächst eintreten zu wollen. Die für das Urteil Verantwortlichen, weit davon entfernt, ihren Irrtum zuzugeben, entfesselten vielmehr alle trüben Volksinstinkte, wühlten gegen das siegreiche, feindliche Deutschland, sprachen von einem Komplott der internationalen jüdischen Großfinanz und lenkten die Wut der Massen auf die Wenigen, die „zweifellos vom bösen Feinde' bestochen", ihre Stimme zugunsten des „mit vollem Rechte Verurteilten" zu erheben wagten. — So war aus einem bloßen Kampfe um die Wiederaufnahme eines Verfahrens ein Waffengang geworden, den unter atemloser Aufmerksamkeit aller zivilisierten Länder das Frankreich der „Menschenrechte" gegen die vornehmlich in Kirche und Heer beheimateten, vereinten reaktionären Gewalten der Vergangenheit zu bestehen hatte. Emile Zolas „Brief an die Jugend" wurde in dem Augenblick geschrieben, als ein Häufe unbesonnenen jungen Volkes sich soeben zu einer Demonstration gegen M. Scheurer-Kestner hatte hinreißen lassen, den Mann, dessen uneigennützig rechtschaffenes Denken überhaupt erst die Wiederaufiollung der ganzen Frage zu verdanken war. — Dieser Brief, meisterhaft im Erfassen der jugendlichen Psyche, ist zugleich ein charakteristisches Beispiel, für die Art von Zolas sozialer Empfindungsweise, seinen schriffftellerischen Stil und für das letzte menschliche Ziel, das er nach seinen Kräften mitverwirklichen helfen wollte.

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