KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 1 (Februar 1929)
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 6 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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dir 440 Artikel des uns aufgezwungenen Friedens eingehend, ruhig und sachlich betrachtet, muß mit zwingender Deutlichkeit erkennen, daß er auf falschen Grundsätzen aufgebaut, von unbilligen Beweggründen geleitet, keine von den hohen Aufgaben gelöst hat, welche damals die weißgeblutete WE den vier mächtigsten Männern, welche die Geschichte der Völker kennt, in dem Spiegelsaale zu Versailles zu treuen Händen anvertraut hat. Gegenüber diesem klar zu Tage liegenden Frevel am deutschen Vaterlande, gegenüber den offenen und heimlichen Bestrebungen der anderen Seite, Ostpreußen zu entdeutschen und zu verslawen, rufen wir nicht den Totengräber der menschlichen Kultur, den Krieg, zu Hilfe herbei, wollen wir nicht Haß oder Rachegefühle, nicht Ruhmsucht oder Ländergier heraufbeschwören, sondern wir pochen nur auf. die Anerkennung der Grundlagen jeglicher menschlicher Gemeinschaft und der Völkerwohlfahrt, indem wir alle hier in feierlicher Stunde öffentlich und aus voller UeberzeUgung bekunden: Wir halten die Veränderungen, die durch die Gewaltverhandlungen in Versailles an unserm Ostpreußen vorgenommen worden sind, für einen klaren Bruch feierlich gegebener Versprechungen, für ein Vergehen gegen die Gebote der Menschlichkeit und Sittlichkeit, für eine Außerachtlassung der Grundsätze des Menschen- und Völkerrechts. So sest wir als Juden an den uns von unseren Ahnen überlieferten sittlichen Werten hängen, so fest ist mit unserem ganzen Denken und Fühlen die Liebe und Treue zu unserer Heimat und zu unserem deutschen Vaterlande verankert. Wie wir durch keine Zurücksetzung und Beschimpfung veranlaßt werden können, unserm Glauben untreu zu werden, so hat uns das furchtbare Unglück des Vaterlandes erst recht auf Gedeih und Verderb mit ihm verknüpft. So zuversichtlich man an eine Aufwärtsentwicklung der Menschheit glauben muß, was ja in unserm messianischen Glaubenssätze seinen klaren Ausdruck findet, so unauslöschlich brennt in unserm Innern die Flamme der Hoffnung auf einen - Wiederaufstieg unseres Vaterlandes. Wir alle hier, hochgeehrte Festversamntlung, die wir an das Walten von ewigen, ehernen, göttlichen Gesetzen im Weltall glauben, dürfen mit Sicherheit auf das Hereinbrechen des Tages hoffen, an welchem das auf Unvernunft und Unwissenheit, Rachsucht .und Unmenschlichkeit errichtete Gebäude von Versailles in sich Zusammenstürzen wird. So wollen wir denn alle, von der gleichen Ueberzeugung getragen, in dieser Stunde feierlich geloben: Wir geben nie zu, daß das Deutschtum in unseres Vaterlandes Nordostmark Ostpreußen angetastet wird, und werden uns jedem dahingehenden Versuche mit dem vollen Einsätze unserer ganzen Persönlichkeit entgegenstellen, wir und alle andern deutschen Brüder, die einen durch Geschichte, Kultur und Rechtsgemeinschast mit dem Deutschen Volke unauflöslich verbundenen Volksbestandteil bilden. Kede gehalten von Dr. Ludwig Holländer auf dem Festkommers anläßlich des 26. K.C.-Tages in Königsberg i. Pr. Vor kurzen Wochen sind zehn Jahre vergangen gewesen, als die Staatsumwälzung einsetzte und eine neue Zeit sich auszubreiten begann. Nachdenkliche Menschen prüften und erörterten die Veränderungen, die die neue Zeit gebracht und hielten einen Tag des Gerichts mit all den Erscheinungen des Lebens, die ihnen teuer waren und an denen ihre Seele gehangen. Auch wir prüften uns und gingen den Grundlagen unserer Vereinigung des K.C. nach. Wir fragten: Was haben wir versprochen und was mußten wir halten? Der Grundsatz, auf dem unsere Verbindungen sich aufbauten, ist gewiß unverändert geblieben. Er ist niedergelegt in dem Verse: „Was als sein Recht erkennt der Mann, verlang' er dreist. Wer bittet, wo er fordern kann, wird abgespeist." Wir sehen: Lediglich aus dem Gefühl des verletzten Rechtes ist unsere Bewegung erwachsen. Wir wollten den Rechtszustand wieder Herstellen, der auch in der eivitL8 academica wieder hergestellt werden mußte, wenn anders sie eine sittliche Gemeinschaft bleiben wollte, nämlich den Zustand, daß wir als gleichberechtigte Bürger der alma mater unbedingt angesehen werden müssen. Davon gingen wir aus und haben bis zum Kriege mit gutem Erfolg durch Selbstzucht und Selbsterziehung an uns gearbeitet, so daß die Anderen in uns mehr und mehr gleichberechtigte Persönlichkeiten sahen und vieles von dem Gestrüpp, in dem wir uns noch am Ende des vorigen Jahrhunderts bewegt hatten, zu schwinden begonnen hatte. Es waren dort Vorfälle, wie ich sie noch in der Mitte des letzten Jahrzehntes des vorigen