KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 1 (Februar 1929)
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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uttfeteg Vaterlandes migge&reitet hat, auch das' Schicksal aller Deutschen umdüstert, ohne Unterschied des Glauberis, der Partei und der Abstammung, und wenn irgend etwas in der Welt, so müßte dieser größte aller Unglücksschläge, der verlorene Weltkrieg, imstande sein, das deutsche Voll von seinem Erbübel, der Uneinigkeit, zu befreien. Hat doch, diese deutsche Art der Zwietracht, ganz gleich, ob sie sich in Glaubenssachen oder politisch oder völkisch betätigt, in wichtigen Zeiten der deutschen Geschichte sich äks verderblichste deutsche Unart erwiesen. Wir alle blicken mit größter Verehrung zu unserm Reichspräsidenten, General-Feldmarschall von Hindenburg, empor. Dieser echte deutsche Mann hat bei wiederholten Anlässen auf die deutsche Zwietracht als auf unfern gefährlichsten Fehler und Feind des deutschen Wiederaufbaues hingewiesen. Ich halte es für überflüssig hier zu betonen, daß in dem Kampfe gegen die Quelle unseres vaterländischen Unglücks und für die Abwehr der größten Unbill, welche dem deutschen Volke jemals in der Weltgeschichte angetan worden ist, das ist gegen Versailles, gerade die akademischen Berufe und die Angehörigen der Hochschulen in ganz besonderem Maße verpflichtet sind, in die vorderste Reihe zu treten. Als geistige Führer des Volles bzw. als solche, die es werden wollen, sind sie dazu berufen, alle ihre Kräfte für die höchsten Werte des Menschenlebens einzusetzen, für Freiheit, Ehre, Vaterland. Ist es noch nötig darauf hinzuweisen, daß hier in Königsberg der Philosoph Kant lebte und an der Albertina lehrte, von dem der Begriff des kategorischen Imperativs geprägt worden ist? Die Verstümmelung der deuffchen Nordostmark durch die Losreißung des Memellandes, des Soldauer Gebietes, Westpreußens und Danzigs gehört zu den nie vernarbenden Wunden, welche durch den Vertrag von Versailles unserer Mutter Germania geschlagen worden sind. Ebensg schmerzlich empfinden wir die Zerreißung Oberschlesiens, der deutschen Südostmark, durch den unglückseligen Genfer Spruch vom 20. Oktober 1921? 21 westpreußische Kreise und die Südosffttecke um Soldau mit über einer Million zur Hälfte deuffcher Einwohner sind durch den Korridor genannten Landstreifen vom Reiche abgeschnürt, ohne Abstimmung an Polen überantwortet. Ohne Befragen Danzigs ist hier über Menschen und Gebiete verfügt, die nie den Wunsch geäußert färben, zu einem anderen Staate zu gehören. Sein Verkehrswesen und die Vertretung seiner Rechte nach außen wurden an Polen ausgeliefert. Die wirtschaftlichen Maßnahmen sind so gettoffen, daß für Deutschland jeder Verkehr mit Danzig aufs äußerste erschwert wird. Als Ihr, werte Kartell- und Bundesbrüder, aus dem Reiche unserer Einladung hierher folgtet, trotzdem die Unkosten der Reise auf Euch be- . sonders schwer lasten, weil Ihr Bevölkerungsschichten entstammt, welche, wie zahlenmäßig nachgewiesen werden kann, von der wirtschaftlichen deutschen Not besonders stark gettoffen sind, mußtet Ihr Euren Weg durch ein Gebiet nehmen, das nach - Geschichte und Kultur, Sitte und Sprache deutsch, jetzt in den Händen Polens, unser Ostpreußen wie ein Riegel vom Mutterlande abschließt. Auf diese Weise ist unsere Provinz, allseittg von nichtdeutschem Lande umgeben, eine Deuffchtumsinsel inmitten der flavischen Brandung, der nordöstliche Pfeiler des deuffchen Kulturbaues. Was sie für die deutsche Wirtschaft bedeutet, ist ja bekannt. Sie versorgt nicht nur ihre eigene Bevölkerung, sondern außerdem noch 3 Millionen Menschen mit den Erzeugnissen ihrer Landwirtschaft und Viehzucht. Sie hat unter allen deutschen Gebieten den größten Anteil an der Fleischversorgung Deuffchlands. Alle Werte, welche Ostpreußen in sich birgt, in landwirtschaftlicher und industrieller Beziehung, auf dem Gebiete des Handels und der Technik, der Kunst und Wissenschaft, sie sind alle das Werk deuffchen Fleißes» deuffcher Kraft und deuffchen Geistes. Auch nach dem Osten hin ist durch die Schaffung der kleinen selbständigen Staatengebilde der vor dem Kriege so blühende Handel und Verkehr aufs ärgste geschädigt. Die Grenzziehung im Osten hat 13 Eisenbahnen, 29 Heerstraßen und 214sonstige Verkehrswege in den Zustand der Verödung gebracht. Nach der ganz offen ausgesprochenen Anschauung der Polen ist die Ostpreußenfrage noch ungelöst, sie reden von den unerlösten Brüdern in Ostpreußen, geschichtlich gehöre das Land zu ihnen, und wirtschaftlich stehe es im Zusammenhänge mit ihrem Lande. Mit bedeutenden Geldmitteln betreiben sie eine rege Werbearbeit für die polnische Sache. In der Einleitung zum Versailler Vertrage heißt es, daß die 7 verbündeten Feinde sich zusammengetan haben, um an Stelle des Krieges einen festen, gerechten und dauerhaften Frieden tteten zu lassen. Aber längst hat die vorurteilslose Welt eingesehen, daß dieser „Friedens"-Vertrag keine der drei EiLenschaften bewährt hat. . Wer