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KC-Blätter · 1929-02-01 · Heft 1 (Februar 1929) · p. Seite 4

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Journal
KC-Blätter
Volume
1929
Issue
Heft 1 (Februar 1929)
Date
1929-02-01
Page
Seite 4 (sequence 6)
Language
German
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ließ. Sie war gerettet, sobald sie den zwiefachen Wahlspruch der Selbsterkenntnis und Selbstbehauptung sich zueigen machte. Ihre Antwort blieb nicht aus, die wachsam, trutzig und ehrenhaft, dem äußeren Angriff, wie dem inneren Abfall begegnend, die Fragestellung erledigte: Sorgst du dich nicht, daß unsere Gemeinschaft niedergeht? Eine Erinnerung verpflichtet, meine Andächtigen. Zumal mit einer Andachtsstunde verwoben, also hingetragen vor Gott, zu dessen Ehren jene aus dem Gedächtnis geholte Leistung unserer Vorgänger geschah, verlangt sie eine Beziehungnahme auf uns. Sie zwingt uns die Besinnung auf, ob in unserer Hand, in unserem Herzen Fähigkeit und Entschluß zu einer Wiederholung sich erhielten. Ist dieser Bund, der zu frohem und ernstem Tun sich bei uns zusammensand, zu solcher Rechenschaft vor sich selber bereit? Schob er diese Andachtsstunde in seine Zusammenkünfte ein, nur um rührsam und begeistert in Lobsprüchen zu schwelgen, die ihm für seine Vergangenheit gespendet werden? Oder arbeitet er nach wie vor an einer Gegenwart, die ihn befähigt, für die jüdische Gesamtheit Wecker des Gewissens und Rufer im-Streit, Mitträger der Verantwortung zu bleiben? Als er entstand und sich durchsetzte, forderte ihn die Sorge um die Gesamtheit heraus, um ihre Ehre und ihre Zukunft, nicht zuletzt um ihren gesicherten Anteil am deutschen Boden und deutschem Geist, mit denen sich Israels Glaube in allen seinen Verflechtungen durchaus vertrage.' Sorge um dies alles rief in die Schranken, um gemäß dem Satz aus den Sprüchen der Väter da, wo es an Männern fehlte, Männer zu stellen. Kampfrichtung- und.Siegespreis veränderten sich nicht in unserer Zeit, die zwar die Menge der Mitkämpfer, aber mindestens im selben Verhältnis die der Gegner und der Gefahren vermehrte. Lücken zu schließen und Reihen zu füllen, wo immer der jüdischen Gesamtheit Schwächung, .Unbill und Zersetzung widerfahren, sei es als Jüngling auf dem umstrittenen Boden der Hochschule, sei es später als Mann in der Bewährung des Alltags, liegt mit ungeschwächter Notwendigkeit allen Gliedern dieses Bundes ob. Keinem von ihnen darf ihr Zusammenschluß zum gefälligen Schmuck oder zum willkürlichen Selbstzweck werden. Band und Mütze sollen auf den, der sie anlegte, wenn der Vergleich verstattet ist, wie auf den gläubigen Juden die Denkzeichen wirken, mit denen er des Morgens sich beim Gebete schmückt: Auge und Hirn, Hand und Herz sollen sich gleichsam helligen, um jederzeit eine bewußte, tätige Antwort der Fragestellung entgegenzuwerfen: Sorgst du dich nicht, daß unserem Judentum Gefahr droht? Laß es dir gefallen, v Herr, unser Gott, daß jeweils von uns allen die Frage gehört, erwogen und beherzigt werdet Laß uns in dieser Andachtsstunde die Bereitschaft erneuern, die sich warnen und entflammen laßt! Gib deinen Segen diesem großen Bunde, der mit seinen Alten und seinen Jungen vor dir gelobt, in mannhaftem Stteben auf der Scholle, die du uns bestimmtest, für Glauben und Recht nicht nachzulassen! Amen. Ansprache gehalten bei der öffentlichen Kundgebung für die deutsche Ostmark, veranstaltet von den im Cartetl- Convent deutscher Studenten jüdischen Glaubens vereinigten Korporationen gelegentlich des 26. K. C.-Tages zu Königsberg i. Pr. am 12. Januar 1929, von Prof. Dr. Theodor Cohn (Frib.) Der heuttge Abend soll im Verlaufe der 26. Tagung der im Kartell-Convent deutscher Studenten jüdischen Glaubens vereinigten Korporationen die Kartell- und Bundesbrüder in studentischer Fröhlichkeit bei Becherklang und Liedersang beisammen sehen. Seine eigentliche Bedeutung aber erhält er erst dadurch, daß alle, die sich hier zusammengefunden haben, einem Gefühle Ausdruck verleihen, das tief im Herzen aller Deutschen ruht, der Liebe und Sorge für unsere deutsche Ostmark. 2m Verhältnis zu den übrigen Söhnen der almae matris' Germanicae ist freilich der Kreis derer, die sich um unser Bundesbanner scharen, ein sehr kleiner. Da aber die Vertteter unseres Bundes zum ersten Male in dieser Zeit der deutschen Not ihr Banner in der Nordostmark aufgepflanzthaben und als erste reichsstudentische Vereinigung in Ostpreußen auftreten, erscheint es uns als, selbstverständliche Pflicht, öffentlich auf diesem gefährdeten Boden des nordöstlichen Deutschtum-Gaues das Treue-Bekenntnis zu unserm deutschen Vaterlande abzulegen. Wir sind uns dabei voll und ganz bewußt, daß alle andern Hochschulangehörigen in unserer Lage das gleiche getan haben würden, und nichts liegt uns ferner, als uns-diesen Schritt als eine besonders lobenswerte Tat anrechnen zu wollen. Hegen wir doch die Meinung, daß das Unglück, welches seine schwarzen Fittiche über alle Gaue

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