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KC-Blätter · 1929-02-01 · Heft 1 (Februar 1929) · p. Seite 3

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Journal
KC-Blätter
Volume
1929
Issue
Heft 1 (Februar 1929)
Date
1929-02-01
Page
Seite 3 (sequence 5)
Language
German
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5äse£& Wenn Juden oder Christen auf Mendelssohn hinwiesen, um an ihm ein Argument, sagen wir z. B. für die Emanzipation zu haben, so ging dieser Hinweis wirklich auf ihn selbst, viel weniger als auf seine gedankliche Leistung. Die Verbindung des Juden und Philosophen. in der Person Mendelssohns selbst, bei der weder der Jude noch der Philosoph zu kurz kam, das Faktum eines einzigartigen Daseins ist ein viel häufiger gebrauchtes Beweisstück und eins von viel stärkerer Schlagkraft gewesen als der Beweis pes Uebereinstimmens von Judentum und Philosophie, den er gegeben haben soll. Das ist ja überhaupt das Schicksal des Mendelssohnschen Philosophierens gewesen, daß von seinen ersten Anfängen an die „Legende" Mendelssohn, die Kuriosität der literarischen . Erscheinung — daß da einer schrieb oder sprach, der Philosoph der Humanität, ein glänzender deutscher Stilist und ein überzeugter Jude zugleich war — eine sachliche Würdigung erschwerte und alle Stellungnahme noch mehr auf das Gesinnungsmäßige» als es im allgemeinen in Mendelssohns Zeit schon üblich war, richtete. Diese für die ganze Arbeit Mendelssohns geltende Tatsache hat es verhindert, die jüdische Leistung Mendelssohns, soweit sie philosophischer Natur war, klar zu sehen. Die Berichtigung, die erfolgen muß, kann der Einschätzung von Mendelssohns Wirkung keinen Abbruch tun. Festpredigl anläßlich des K. C.-Tages in der Urnen Synagoge zu Königsberg, Uv., gehalten non Gemeinderabbiner vr. Ueinhold Kemin. Erkennst du noch nicht, daß Ägypten zu Grunde geht? Meine andächtigen Zuhörer! Im ersten Augenblick mag das Wort befremden, das ausgewählt wurde, um die Bedeutung dieser Andachtsstunde zu erschöpfen. Es wurde den wenigen Versen entnommen, die soeben aus der Thorarolle verlesen wurden. Sie versetzten in' Israels Frühzeit zurück, mitten in die Verhandlungen, die dem Auszuge unserer Väter aus Aegypten vorangingen. Plagen und Wunder hatten begonnen, Pharaos Reich heimzusuchen. Aber sein Starrsinn blieb unerschüttert, während seine Höflinge schon ins Wanken gerieten. Sie bedrängten ihn, der nicht sehen, der nicht einräumen wollte, was seinen Untertanen drohte: Erkennst du noch nicht, daß Aegypten zu Grunde geht? Was verbirgt sich doch alles hinter den paar Worten! Was entfalten sie für ein Ohr, das festgehalten und teilnahmsvoll hinhorcht! Aufzeigen einer Gefahr, die im letzten Augenblick beschworen sein will, Wecken aus Lauheit und Schläfrigkeit, die, am Abgrund taumelnd, nicht so sehr hinuntergestoßen werden, als fahrlässig abgleiten, Aufrufen zur Verantwortung, die, zum Widerstande fähig und willig, das Gebot der Stunde beherzigt — solche und ähnliche Kraftantriebe schwingen für den, der nicht an der Oberfläche haftet, im Inneren des Wortes: Erkennst du noch nicht, daß Aegypten zu Grunde geht? Meine Andächtigen! Es bedarf keiner langatmigen Künstelei, um von dem Worte, das uns leiten soll, zu unserer Andachtsstunde hinüberzufinden. Wurde es in seinem -Tiefsinn, in seiner allgemeinen Verbindlichkeit erkannt, so entpuppt es sich als Losung des Bundes, der in diesen Tagen seine Führer und Vertreter bei uns versammelt. Wovon ging die Bewegung, die sich in ihm verkörpert, ursprünglich und zielstrebig aus, wenn nicht von diesem doppelten Anstoß: erkennen, was droht, und handeln, wie es nottut? Als seine Gründer an der Hochschule der deutschen Südostmark ihren Kampfruf erschallen ließen, wie sah es doch inmitten unserer Judenheit aus! Verweht war der Geist, der ein Menschenalter zuvor jene Männer beseelte, die an unserer Spitze gleichzeitig eiferten für des Judentums Ehre und Recht wie für Deutschlands Freiheit und Einigkeit. Inzwischen waren die großen Kriege geschlagen worden,- man bildete sich ein, in ihnen die Blutstaufe empfangen zu haben, die unlöslich mit Heimat und Bürgertum verschmolz. Nahm man die Bestrebungen ernst, die plötzlich ringsum aus dem Hinterhalt brachen, die uns entwurzeln, entwürdigen und entrechten wollten? Glaubte man nicht, sich ihretwegen genug aufzuregen, wenn man ihre Abwehr anderen mit redlicher Meinung und gutem Willen überantwortete? Gleichwie Pharao sich durch seine Höflinge peinlich berührt fand, so empfand man es bei uns höchst unangenehm, schüttelte es ab als Neberschwang und Anmaßung - der Jugend, was auf einmal die Gründer dieses Bundes verkündeten. Mit eigener Faust ergriffen sie das jüdische Banner, das von ihnen entrollt und verteidigt wurde — auf ihrem Kampfplatz, durch ihre Waffen. Wie manches Jahr ging dahin, wie mußte unermüdlich Und unverzagt gewarnt, gereizt und angespornt werden, bis von ihrem enggebundenen Kreis die jüdische Bürgerschaft ihre pflichtmäßige Aufgabe übernahm! Es war deren Glück, daß sie anders als Pharao sich endlich erwecken und aufrütteln

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