KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 1 (Januar 1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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11 von sich und damit von den allgemeinen Veranstaltungen der inkorporierten Studentenschaft ausgeschlossen. Meine Frage lautet, ob das so bleiben soll? Der Korporationsausschuß kann in diesen Dingen beschließen wie er will. Es liegt mir ferne, mich in die Angelegenheiten der Herren einzumischen. Wohl aber ist es meine Pflicht, Sie über die Folgen Ihrer Maßnahmen, sofern sie das Wohl der Universität betreffen, zu unterrichten. Die Folgen waren zunächst Kritiken, Proteste und Herabwürdigungen des Geistes, der angeblich an unserer Universität herrschen solle, von seiten der linksstehenden Presse. Es kann heuzutage der Universität nicht gleichgültig sein, wie sie in der öffentlichen Meinung dasteht, denn sie braucht Geldbeiträge aus den Kreisen der Zeitungsleser. Die Mittel des Staates reichen nicht mehr für alle Bedürfnisse aus. Geld gibt man in d.er Regel nur einem Menschen, einer Körperschaft, einer Anstalt, die man achtet. Die Gefahr, daß unsere Universität von einem sehr großen und einflußreichen Teil der Presse verächtlich gemacht wird, besteht heute tatsächlich. Es ist meine Pflicht als Rektor, Sie mit diesem Sachverhalt bekannt zu machen. Ich darf Ihnen daher nicht verheimlichen, daß die Werbungen unserer Universitätsgesellschaft zur Jubiläumsstiftung bei den meisten jüdischen Firmen diesmal aus ein geschlossenes Nein gestoßen sind: immer mit dem Hinweis begründet, daß die jüdischen Studenten an der Münchner Universität zurückgesetzt und nicht als gleichberechtigt behandelt werden. Demnach kann man sich ungefähr ausdenken, daß das Verhalten des Korporationsausschusses unsere Universität eine Summe gekostet hat, die ein Vielfaches von den Auslagen unseres ganzen Jahrhundertfestes darstellen dürfte. Nachdem die jüdischen Firmen sich untereinander das Wort gegeben haben, darf man auch annehmen, daß, falls der Korporationsausschuß auf seiner Praxis beharrt, die jüdischen Kassen weiterhin für uns geschlossen bleiben. Sie, meine Herren, werden erwidern, daß Ihnen dies völlig gleichgültig ist, und daß Sie Ihre Stimme nicht verkaufen. Dies sollen Sie auch nicht tun. Nicht um des Geldes willen sollen Sie die jüdischen Kommilitonen in Ihren Kreis aufnehmen. Ich wäre der Erste, Ihnen diesen Beweggrund zu widerraten. Für uns Akademiker ist die Ehre mehr wert als alles Geld. Damit komme ich zum Kern der Sache: nämlich, ob es sich mit der Ehre eines Studenten verträgt, die jüdischen Kommilitonen auf die Seite zu drängen und zwar von den jüdischen Kommilitonen gerade diejenigen, die sich-als deutsche Juden fühlen, den Lebensstil des deutschen Studenten anstreben, mitmachen und bei unseren Festen mit Fahne, Schläger und Wichs dabei sein möchten. In den Satzungen der von Ihnen ausgeschlossenen frei schlagenden Verbindung Thuringia heißt § 1: „Die Verbindung hat den Zweck, studentische Sitte und wissenschaftlichen Geist, deutsche Gesinnung und konfessionelle Toleranz unter ihren Mitgliedern zu pflegen." „Die Vereinigung jüdischer Akademiker", die Verbindungen Jordannia und Licaria, die sich insbesondere die Pflege jüdischer Gesinnung angelegen sein lassen, wollen zugleich zu studentischer Gesinnung studentischer Geselligkeit, studentischen Amgangsformen ihre Angehörigen erziehen. Liegt nicht in diesem Willen, zu uns zu gehören und auch am äußeren Schmuck unserer Feste teilzunehmen, etwas Verbindendes? Mir fallen dabei jene tapferen Juden von 1914 ein, die mit uns hinauszogen und für Deutschland gefallen sind. Eine der von Ihnen ausgeschlossenen Verbindungen hat 22 Tote zu verzeichnen. Wir haben uns dieses Opfer und diese Hilfe gefallen lassen, wie wir es uns im Frieden gefallen lassen, daß z. B. unser psychiatrisches Forschungsinstitut zu einem sehr großen Teil von einem Juden finanziert wird, daß hervorragende Forscher und Denker, um nur unseren Richard Willstätter zu nennen» eine führende Rolle in der deutschen Wissenschaft übernehmen. Ja, wir haben es uns gefallen lassen müssen, denn diese und ähnliche Dienste werden dem deutschen Volk zuteil, ungebeten, wie Sonne und Regen. Die ganze deutsche Kultur östlich unserer Reichsgrenzen wäre vielleicht längst zusammengesunken und vom Slaventum überschwemmt worden, wenn nicht das Judentum für deutsche Sprache und deutsche Geistesart dort einstände. Sie werden nun einwenden, meine Herren, daß trotz alledem der Jude ein Fremder sei für den Deutschen: ftemde Rasse, ftemdes Volk. Von der Rasse lassen Sie mich schweigen, denn dies ist ein zoologisches, kein humanes Argument, und wer sich im menschlichen Tierreich zu bewegen wünscht, der mag immerhin sich vor den Juden verschließen, als vor einer Tiergattung, die seiner Tiergattung schädlich ist. Aber eine Universität ist keine Menagerie. — Es bleibt der Gesichtspunkt zu würdigen, daß der Jude im menschlichen Sinne uns als Fremdling gelten solle. Nun wohl, dann ist er unser Gast, und einem Gaste pflegt der gebildete, auf gute Sitte bedachte Mensch mit ganz besonderer Freundlichkeit zu begegnen. Mich dünkt es unfein, einem Gast, der mit fteundlicher Absicht anklopft, die Türe zu weisen. Man könnte aber auch die Auffassung vertreten, daß gerade die Mischen Kommilitonen, die hier und heute in Frage stehen, keine Fremden, sondern Deutsche sind, sofern sie deutsche Sprache, Sitte, Denkart und Gesinnung pflegen, und daß wir sie als Mitbürger, Bundesgenossen und Freunde der deutschen Sprache zu betrachten haben.