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KC-Blätter · 1927-01-01 · Heft 1 (Januar 1927) · p. Seite 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1927
Issue
Heft 1 (Januar 1927)
Date
1927-01-01
Page
Seite 12 (sequence 14)
Language
German
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12 Meine Herren, ich will diese Apologie des akademischen Judentums nicht weitertreiben, denn in der Regel sind die Juden in ihrer Selbstverteidigung emsig und fähig genug und gehen darin manchmal weiter als gut ist. So könnte auch meine Verteidigung vielleicht nur Ihren Widerspruch herausfordern, und ich würde durch weiteren Nachdruck dieser ganzen Angelegenheit des Korporationsverbandes und des Chargierens bei unseren Festen eine übertriebene Bedeutung verleihen. Im Grunde handelt es sich ja lediglich um eine gesellschaftliche Formftage. Sie, meine Herren, werden selbst nicht glauben, daß Sie, durch Ausschließung der Juden vom Chargieren etwa unsere Universität oder unser Volk vor einer drohenden Aeberftemdung bewahren, oder auch nur den geringfügigsten deutschen „Belang" verteidigen. Das Ganze ist eine Aeußerlichkeit, ähnlich wie die Frage der zwei Reichsflaggen, an und für sich bedeutungslos, jedoch höchst gefährlich, sobald man sich darauf versteift. Ls ist schon einmal ein Riese an einer Buttersauce erstickt. Mein Rat wäre» die Türen zu öffnen, niemanden auszuschließen. Mit einer einzigen fteundlichen Gebärde könnten Sie, meine Herren, eine alte und täglich wachsende Verstimmung und Verbitterung und ein Aergernis, mit dem gegen unsere Alma mater gehetzt wird, aus der Welt schaffen. Sie werden nicht leicht wieder Gelegenheit finden, mit so geringer Mühe unserer Universität einen so großen Dienst zu erweisen. Meine Herren, bei der Jahrhundertfeier haben die studentischen Korporationen durch ihr Mitwirken die Farbigkeit und großartige Festlichkeit des Bildes in eindrucksvollster Weise gesichert und erhöht. Ich als Iubiläumsrektor bin Ihnen für Ihre fteudige und wirkungsvolle Hilfe außerordentlich dankbar und fteue mich, Ihnen heute persönlich danken zu dürfen. Alle Welt hat sich gefreut an der Art, wie die Studentenschaft im Fackelzug, Festzug, auf der Bühne und bei dem Kommers in Erscheinung getreten ist. Ich bin der Letzte, den Wert des dekorativen Momentes bei akademischen Festen zu unterschätzen. Wenn aber das Festbild auf einer Ungerechtigkeit aufgebaut wird, freut es mich nicht mehr, und ich müßte bei unseren nächsten Feierlichkeiten den studentischen Schmuck der Chargierten ablehnen, wenn er nicht anders als um den Preis einer Ungerechtigkeit zu haben wäre. Schröders Allgemeiner Deutscher Anibersitäts- und Hochschulkalender Winterhalbjahr 1926/1927. Die uns vorliegende neueste Auflage von Schröders allgemeinem 'Deutschen Universitäts- und Hochschulkalender bringt die übliche Zusammenstellung über die Lehrkörper und Institute der einzelnen Hochschulen und der studentischen Verbände. 3m Anschluß hieran hat der Kalender im Laufe der letzten Jahre auch eine Darstellung der Deutschen Studentenschaft und des Hochschulrings deutscher Art ausgenommen, was grundsätzlich nur begrüßt werden kann. Etwas merkwürdig berührt uns aber, wenn in der Darstellung des Hochschulrings u. a. gesagt ist, „er sei eine Zusammenfassung aller Studierender, die den festen Glauben an die tieferen Werte haben, die im deutschen Vollstum verwurzelt sind. Parteipolitik liegt ihm fern". Es bedarf an dieser Stelle, wo wir oft genug über die Tätigkeit des Hochschulrings berichten konnten, keiner Begründung dafür, wenn wir behaupten, daß beide Sätze restlos falsch sind. Deutsches Volkstum und völkische Gesinnung sind Gott sei Dank noch nicht ganz identisch und wenn man glaubt, das Recht zu haben, zu allen Fragen der Außen- und Innenpolitik Stellung zu nehmen — es sei hier nur an das Dawesabkommen und an Locarno erinnert — so wird man nicht gut behaupten können, daß Parteipolitik nicht getrieben wird. An anderer Stelle des gleichen Aufsatzes ist gesagt, daß der D.H. die Pflicht habe, „die Studentenschaft als Selbstverwaltungskörper völkisch zu erhalten." Zunächst kann Wohl von „erhalten" nicht die Rede sein, da ja die Bemühungen des Hochschulrings, eine rein völkische Zusammensetzung der Deutschen Studentenschaft herbeizuführen, bisher zu keinem Erfolg geführt haben und es sei daran erinnert, daß der Hochschulring deutscher Art in seiner Stellungnahme gegen den bekannten Ministerbrief zum Verfassungsstreit ausdrücklich darauf hingewiesen hat» daß es ihm fernliegt, in Deutschland die Studentenschaft völkisch umzugestalten. Wir sind der Auffassung, daß die Schriftleitung des allerdings auch in schwarz-weiß-rotem Einband erscheinenden Hochschulkalenders die Aufgabe gehabt hätte» einederartigeNotiz, die sicherlich vomHochschulringdeut» scher Art selbst verfaßt ist, besser zu redigieren. H. B. Die Justiz. (Verlag Dr. Walther Rothschild, Berlin-Grunewald). Das Februarheft der Justiz bringt eine besonders interessante Charakterstudie über Hugo P r e u ß. Dr. Hedwig Hintze, die Mitherausgeberin des wissenschaftlichen Nachlasses, hat ihre genaue Kenntnis des Preußschen Werkes zu einem etwa 15 Seiten langen Aufsatz verarbeitet; nach seiner Lektüre wirb dem Leser der Verlust, den auch das deutsche Judentum durch den Heimgang von Preuß erlitten hat, nochmals mit besonderer Schärfe fühlbar. — Das Arbeitsgerichtsgesetz findet ausführliche Würdigungen aus den Federn von Joachim, Lothar Schücking und Potthoff. — Der berühmten Münchener Rede des Reichsgerichtspräsidenten Dr. Simons wird gedacht. Der Brief Simons an Professor Radbruch, dev durch diese Rede veranlaßt wurde, ist abgedruckt und Rechtsanwalt Fuchs- Karlsruhe setzt sich in einen: umfassenden Aufsatz mit Simons auseinander. — Anregende Arbeiten über Staatsethik, Richterfreiheit und Richterwillkür, die Advokatur in Sowjetrußland, die Aenderung der anwaltlichen. Standespflicht durch die Weimarer Reichsverfassung, die Chronik und Praxis des Rechts schließen das Heft ab. Das vorangegangene Dezemberheft 1926 brachte ebenfalls lesenswerte Aufsätze, so über den Hasselfelder Landfriedensbruchprozeß, über Grundprobleme der Strafrechtsreform und freies richterliches Ermessen (von Oborniker). s.L. Deraulwortlickicr Redakteur: vr. Hermann'Berlak, Berlin. - Verlag: Philo-Verlaa Berlin SW68. Lindenstratze 18. Druck: D. Feilchenfeld. Berlin SD M □ Meder- und Blätterfcbau □

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