KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1927
- Issue
- Heft 1 (Januar 1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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7 große Mittel dienen, und Iabotinsky stellt folgende Forderungen auf: Reservierung eines großen Teiles des Landes ausschließlich für jüdische Kolonisten, Enteignung alles unbebauten Bodens für die Juden, Aufnahme einer großen Anleihe für jüdische Zwecke, uneingeschränkte Einwanderung, Schutzzölle für die Landesprodukte Palästinas» Vertretung der Juden im palästinensischen Parlament entsprechend der Zahl der Juden der ganzen Welt (!), Schaffung einer jüdischen Wehrkraft, sanfte Verdrängung der Araber. Man sieht, ein schönes Bukett voller Blüten. Ganz im Sinne nationalistischer Mentalität sollen in der Jewish Agency „treue Zionisten" vertreten sein, so daß jeglicher Einfluß nichtzionistischer Juden ausgeschlossen ist. Ich sagte schon, das Programm sei unjirdisch. Denn die jüdische Ethik verbietet jede Gewalt und jede Entrechtung. Machtloses Recht und nicht rechtlose Macht ist die große Linie der jüdischen Geschichte. „Nicht durch Kraft und nicht durch Macht, sondern durch meinen Geist, — so spricht der Ewige" ruft uns der Prophet zu. Nichts ist unjüdischer als der militärische Geist. Das Judentum atmet Frieden, und alle Sehnsucht nach Krieg, nach Machtentfaltung durch Waffen bedeutet einen Rückfall ins Heidnische. Kein jüdisches Gesetz gestattet, andere zu verdrängen, und jüdische Ideale, mögen sie noch so hoch sein, dürfen nur mit gerechten, moralisch einwandfreien Mitteln erstrebt werden. Aber auch politisch sind diese Forderungen von einer so kindlichen Naivität, daß man sich säst trivial vorkommt, sie widerlegen zu müssen. Ein Machtprogramm setzt Macht voraus, mit papierenen Säbeln zu rasseln, wirkt grotesk. In dem Moment, wo der Zionismus gegen England und den Völkerbund die Forderung eines selbständigen jüdischen Staates aufstellt, ist seine Position nicht nur geschwächt, sondern direkt gefährdet. Kein Volk würde diese Forderung unterstützen und die zionsfeindlichen Mächte — es gibt solche — hätten die beste Gelegenheit, den ganzen Zionismus als gefährlich zu bekämpfen. And ebenso absurd sind die Mittel, die zu diesem Ziele führen sollen. Die Reservierung eines großen Landesteiles ausschließlich für Juden würde auf den schärfsten Widerspruch der Araber stoßen. Niemand hat das Recht und die Möglichkeit, die Araber gegen ihren Willen zu verdrängen. Die Enteignung brachliegenden Landes für Kulturzwecke ist bodenreformerisch und sozialistisch gewiß berechtigt. Aber die Araber und Christen Palästinas haben dasselbe Recht darauf wie die Juden. Historische Rechte? Die Juden haben alte, die Araber neue historische Rechte auf Palästina, — wer mag da entscheiden? Wollte man heute die Welt nach geschichtlichen Gesichtspunkten verteilen, dann bekämen wir eine sehr bunte und sehr blutige Landkarte^ Schon der Versuch des Versailler Diktats, Mittel- und Osteuropa nach Rassen und Sprachen zu verteilen, hat gründlich Fiasko gemacht. Maßgebend darf nur der Wille der ansässigen Bevölkerung sein. Die Juden können und dürfen sich in Palästina nur in Verständigung mit den Arabern und nicht gegen sie behaupten. Die Araber zu versöhnen und nicht zu reizen, muß das Ziel aller vernünftigen, Politik sein. Man male sich die Situation aus! Die Juden werden ein k l e i n e s Heer bewaffneter Männer organisieren. Dann würden die Araber ein großes Heer bilden — sie würden leichter Förderung in Asien und Europa finden — und es würde täglich in den Straßen Palästinas Blut fließen. Soll so das heilige .Land ausgebaut werden? Das Prophetenwort lautet: „Zion wird durch Recht erlöst und die Heimkehrenden durch Gerechtigkeit." Unbeschränkte Einwanderung? Sind nicht heute schon in Palästina viele jüdische Einwanderer ohne Brot und Arbeit? Soll die gegenwärtige Krise zu einer Katastrophe werden? Soll das Chaos, das wir heute schon in Jerusalem und Tel-Aviv haben, noch größer werden und die Verwirrung bis zur Unerträglichkeit gesteigert werden? Und woher sollen die gewaltigen Mittel für eine solche Masseneinwanderung kommen? Ganz wahnsinnig — ich finde keinen miliaren Ausdruck — ist die Forderung, daß die Juden im Palästina-Parlament nach der Zahl der 16 Millionen Juden der Welt vertreten, also praktisch fast ganz die Macht beherrschen sollen. Wie, wenn die Araber nach der Zahl der Araber in der ganzen Welt, die deutschen Kolonisten nach der Zahl der Deutschen der ganzen Welt im Parlament vertreten sein wollten? Ein Parlament ist eine Vertretung der Interessen des Landes und seiner Einwohner und keine antropologische Gesellschaft. Wollen die Juden die Macht in Palästina, dann-müssen sie die Majorität der Bevölkerung bilden, und das kann, — überhaupt — nur durch eine kluge, ruhige Politik vielleicht in hundert Jahren erreicht werden. Die Nichtzionisten sollen aus der Jewish Agency ausgeschaltet werden. Das würde bedeuten, wie es Ludwig Holländer formulierte — unparteiisch beim Einnehmen, parteiisch beim Ausgeben. Glaubt man, daß denkende Juden sich zu dieser Rolle hergeben werden? Und — auch das muß ausgesprochen werden — wir alle wissen, daß in der Verwaltung in London und in Palästina vieles ungesund ist, und wir sind der Ueberzeugung, daß eine Besserung nur durch den Einfluß objektiver Nichtzionisten möglich ist. Ziel und Mittel dieser nationalistischen Zionisten sind also gleich töricht. Und doch sind sie auch