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KC-Blätter · 1926-07-01 · Heft 3 (Juli 1926) · p. Seite 42

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1926
Issue
Heft 3 (Juli 1926)
Date
1926-07-01
Page
Seite 42 (sequence 16)
Language
German
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42 des Judentums, des wirklichen. Alle Kulturbestrebungen der jüdischen Geschichte verfallen diesem Verdikt: sie ackern nur Begriffe, erzeugen aber keine Wirklichkeit. And die moderne liberale, Entwicklung ist nur die Fortbildung jener früheren falschen Wirklichkeit. Sie müssen allesamt entwurzelt werden. Probleme und Schwierigkeiten, geschweige Konflikte des modernen Kulturlebens gibt es für die Enge dieses Nationalismus nicht. Der Jude ist nur Jude, sofern er sich seines jüdischen Volkstums bewußt macht. Wenn es nun aber das Schicksal des Volksjuden ist, auch das Bewußtsein des Deutschen auf sich nehmen zu wollen, wäre dies schlechterdings nur ein Irrtum, nur eine Illusion, nur eine politische Abstraktion, oder aber erfordert der tatsächliche Anteil des modernen Juden an einem Staate, dem er sich in Freiheit anschließt, die einheitliche Durchdringung der lebendigen staatbildenden Motive und ihrer geschichtlichen Entwicklung, so daß für diesen Juden sein Staatsbewußtsein notwendig auch zu einem nationalen Bewußt ein wird? And bedarf diese Doppelheit der Nationalität nicht einer Vereinheitlichung? Der Rücksichtslosigkeit gegenüber, mit der die ganze bisherige Wirklichkeit des Judentums, wie sie von I e r e m i a schon vorgezeichnet wurde, verworfen wird, behaupten wir alle mit der Sicherheit des historischen Instinkts: keine Einschränkung der bürgerlichen Gleichberechtigung darf uns an dem absoluten Pflichtgedanken und Pflichtgefühl für den Staat beirren, dem wir uns anschließen. Ans freien Juden ist der Staat nicht einer der vielen Kulturbegriffe, die wir in den Brennpunkt unserer Religion vereinigen. Kaum haben so beschränkt unsere Vorfahren im arabischen Spanien gedacht, als sie dort aus ihrem Kulturmilieu ihre Blüten hervortrieben. Inzwischen sind wir uns der Segnungen klar bewußt geworden, deren uns der moderne Staat in allen Formen und Verwandlungen des Geistigen teilhaft gemacht hat. Anser Horizont ist heller geworden. Wir kontrollieren unsere Religion an unserer Ethik, an dem wahrhaften Zentrum der Kultur, an der wissenschaftlichen Philosophie. Diesem Verfahren näherten sich bereits unsere großen Alten. Nichtsdestoweniger aber sind und bleiben wir, wie jene auch, treue Bekenner unserer Religion. Entspricht es der Wirklichkeit unserer Geschichte, wenn mein Gegner sagt: es gebe nur zwei Wege für das echte Judentum, den der absoluten Gesehestreue und den des Zionismus? Wären alle anderen Wege und Wegrichtungen in unserer Geschichte durchaus nur Abwege zur Entartung? Welches Kriterium gibt es zur Entscheidung der Frage, ob nur der Weg nach Palästina die wahrhafte Wirklichkeit der Zukunft bestimme? Das geforderte Kriterium liegt offenbar in unserer Religion selbst. Aber welcher Begriff unserer Religion ist der richtige? Cs ist wiederum nur der Begriff, der über das Recht und Wesen der Wirklichkeit entscheidet. Das moderne Judentum ist das geschichtliche. Die geschichtliche Entwicklung gibt ihm sein Selbstbewußriein. And der Leitfaden unserer religiösen Entwicklung besteht im Prophetismus, dessen Höhepunkt der Messianismus bildet. ^Auf diesen Zielpunkt des Messianismus hin lenken und deuten wir unsere gesamte Geschichte. Der Antergang des jüdischen Staates ist uns das Musterbeispiel der geschichtlichen Theodizee. Derselbe Micha, der den Sah geprägt hat, daß Gott vom Menschen das Gute fordere, er hat auch das providentielle Gleichnis erdacht: „And es wird sein der Rest Jakobs in mitten vieler Völker, wie Tau vom Ewigen". Cs ist unser stolzes Bewußtsein, als göttlicher Tau inmitten der Völker fortzuleben, und unter ihnen und für sie fruchtbar zu bleiben. Die Propheten alle versetzten uns in diese Mitte der Völker hinein. Die Weltmission des „Restes Israels" ist ihre einheitliche Perspektive. And nur von dieser Perspektive aus darf der natürliche Gedanke von der Heimkehr des Restes verstanden werden. Denn fast niemals soll der Rest allein heimkehren, sondern beinahe immer sind es „viele" und „alle Völker", die zu dem Lichte Gottes strömen werden, zu dem Lichte, als das die Propheten selbst für alle Völker sich von Gott eingesetzt fühlen. Diese Religion der Menschheit ist unser modernes Judentum. And dieser Schwerpunkt unseres religiösen Kulturbewußtseins enthebt uns jeden Zwiespalts zwischen unserem Judentum und unserem Deutschtum. Auch die Juden aller modernen Staaten können sich auf Grund der Religion von solchem Zwiespalt frei fühlen. Die jüdische Religion ist ihrem messianischen Gottesbegriffe gemäß durchaus nur Weltreligion. Dieser messianische Glaube kann durch keine geschichtliche Wirklichkeit, durch kein Elend und sogar auch durch kein Glück der Gleichberechtigung beeinträchtigt werden. „Heil dem, der harret". Die Hoffnung allein sichert uns unsere Wirklichkeit. Die Hoffnung, die Zuversicht bildet demnach auch unser politisches Grundgefühl. Wir lieben unser Deutschtum, nicht nur, weil wir, wie der Vogel sein Nest, unsere Heimat lieben, und auch nicht nur, weil wir unsere geistige Bildung doch wahrlich nicht allein aus Bibel und Talmud, sondern auch aus den Schätzen und Schächten des deutschen Geistes schöpfen. Alle diese gewichtigen Motive treten für unsere Liebe zum deutschen Volke zurück gegen das Bewußtsein, daß wir uns vorzugsweise im deutschen Geisteswesen in innerlichster Harmonie erkennen mit unserer messianischen Religiosität. Der deutsche Geist ist der Geist der klassischen Humanität und des wahrhaftigen Welt-

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