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KC-Blätter · 1926-07-01 · Heft 3 (Juli 1926) · p. Seite 41

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1926
Issue
Heft 3 (Juli 1926)
Date
1926-07-01
Page
Seite 41 (sequence 15)
Language
German
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41 liegt offenbar hier im Mysterium der Religion. And hierin dürfte die beste Erklärung und Entschuldigung für den Zionismus bestehen. Von hier aus läßt sich vielleicht auch noch die letzte Hoffnung auf eine Verständigung fasten. Die Auseinandersetzung darf daher die Konsequenz der Prinzipien nicht scheuen. So zentral uns modernen Menschen die Religion ist im Gesamtproblem der Geschichte, so gilt sie uns doch nur als eine der konzentrischen Spezialitäten innerhalb der Einheit der sittlichen Kultur. Den Schwerpunkt aller Menschenkultur bildet uns der Staat. Das 2ch des Menschen bleibt eine empirische Zweideutigkeit, solange es nicht zur Reinheit objektiviert wird im politischen Selbstbewußtst. Sofern ich Anteil nehme an der idealen Persönlichkeit meines Staates, behaupte ich wahrhaftes Selbstbewußtsein. Dieser Satz ist uns jetzt eine lebendige Wahrheit geworden. Anser ganzes Gefühlswesen ist in unserem Staatsbewußtsein konzentriert. Cs ist uns daher auch keine Frage mehr, ob die Wistenschaft, ob die Religion den Vorrang hat in unseren Kulturinterefsen. Der Staat allein bildet den Mittelpunkt, und von ihm aus werden alle Kulturfragen geordnet. Die Zdee des Staates aber vollendet sich im Staatenbund; somit wird die Idee des Staates zur Quintestenz der Ethik. Die Realisierung der Sittlichkeit auf Erden vollzieht demgemäß der Staat, als Symbol des Staatenbundes. Cs schwindet für uns demzufolge der Gegensatz zwischen Staat und Religion, wie ebenso auch der zwischen Staat und Wistenschaft. Denn unsere alten jüdischen Philosophen haben uns von diesem Albdruck sonstiger Religiosität befreit, indem sie Religion durchaus als Erkenntnis fordern. Dieser Schwerpunkt der Ethik ist folgerichtig der unserer Religion. Staat und Kirche bilden für uns keinen Konflikt. Dennoch aber entsteht dem Judentum in der Geschichte des Volkes eine Schwierigkeit aus dem Problem des modernen Staates, sofern dieser ein nationaler Staat sein will. In diesem Staate scheint der Jude, als Volk, einen Staat zu bilden, insofern er einen isolierten Stamm bildet. Dieser modernen Schwierigkeit gegenüber lautet nun ohne Verabredung bei allen freieren Juden in allen Staaten die Selbstverteidigung: wir wollen keinen eigenen Staat bilden, mithin auch keine eigene Ration sein, sofern der moderne Staat Nationalstaat ist. Aber wir sind und bleiben eine eigene Religion. Und zu deren Erhaltung sind und bleiben wir prinzipiell ein eigener Stamm, eine eigene Nationalität. Kann man die Nationalität, die „Naturtatsache" mit gewichtigeren Elementen ethisieren, als wenn sie zur geschichtlichen Erhaltung der Religion gefordert wird? Alle die Gefühlsmomente, die mein Gegner für die Nation hervorhebt, gehören dieser religiösen Nationalität an. Sie ist dev geschichtliche Faktor der Religion. Aber von diesem Punkte aus, der uns einigen sollte, sage ich nun, und zwar der Hauptsache nach im Sinne aller modernen Juden: Die Religion ist ein Faktor der Geschichte, aber nicht der philosophische Schwerpunkt der Geschichte. Wie stellt sich die jüdische Religion in ihrer empirischen Bedingtheit und Belastung zur ethischen Grundidee des Staates? Alle Leiden des Judentums und seiner Bekenner, die äußeren wie die inneren, gehen von dieser Frage aus. Die Staaten sagen in ihrer Verblendung: es sollen keine Gruppen mehr unter uns sein, die unter irgend einer Fiktion ein staatsartiges Sonderdasein führen. And die von den Zweideutigkeiten der Modernität, wie von der Not des Tages, bedrängten Juden sagen, wenn sie abfallen wollen: die jüdische Religion steht in einem unversöhnlichen Konflikte mit dem Fundament des modernen Völkerlebens, das der nationale Staat bildet. Anser Staatsbewußtst fordert daher unsere Absage an das Judentum. Diesen beiden Irrungen hält das moderne Judentum die These entgegen: allein und ausschließlich unsere Religion sei der Unterschied zwischen uns und unserem Staate und demgemäß auch unserer Ration. Darf jetzt noch der Cinwurf sich hervorwagen, diese These sei eine Ausflucht der Verlegenheit oder gar feiger Assimilationstendenz? Ein solcher Cinwurf verletzt die ethische Pflicht der modernen Staatsgesinnung. Mit einem solchen Skeptizismus dürfte man überhaupt keinen Anteil am modernen Staate begehren. Cs ist verkehrt und irreführend, alle idealen geschichtlichen Momente nebst den mit ihnen verwachsenen Gefühlen ausschließlich dem religiösen Volkstum einzupflanzen, so daß für das national-politische Bewußtsein an sittlichen Kräften des Geistes und des Gemütes nichts mehr übrig bliebe. Erbarmungslos schreitet der Zionist dagegen über das liberale Judentum hinweg, das in den Kulturländern eine Heimstätte zu besitzen sich einbilde. Dieser persönlichen Illusion wird die Heimatlosigkeit des jüdischen Volkes entgegengestellt. Änd nur dieses heimlose jüdische Volk soll die jüdische Wirklichkeit bilden. Wir Scheinjuden dagegen werden daher mit Fug vom jüdischen Volke abgetrennt. So wird nach dem vorgefaßten Begriffe die jüdische Wirklichkeit zugeschnitten. And das Phänomen dieser Wirklichkeit wird immer exklusiver: nur in Palästina, nur im jüdischen Staate könne das „verMüttete", das „fiktive" Judentum überwunden und beseitigt werden. Die ganze bisherige Geschichte des Judentums wird hier zur^ bloßen Ideologie entstellt. Das Ghettobewußtsein ist nicht das Gespenst, sondern der wahre Geist

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