KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 3 (Juli 1926)
- Date
- 1926-07-01
- Page
- Seite 40 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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40 zweckmäßig, auf den Zusammenhang hinzuweisen, in welchem dieser Angriff mit antisemitischen Vorstößen gegen den Sinn und Wert meiner philosophischen Lebensarbeit gerade in diesem Zeitpunkte steht. Aebrigens wird es unvermeidlich sein, bei der vorliegenden Diskussion auch die philosophischen Kernpunkte für die allgemein verständliche Kennzeichnung zu berühren. Meinen Naturbegriff, wie ihn meine „Logik der reinen Erkenntnis" begründet, werde ich zwar hier nicht im Lichte des kritischen Idealismus rechtfertigen. Indessen wird es angemesien sein anzudeuten, daß ich auch den physikalischen Begriff der Natur mit rein logischen Momenten aufbaue, so daß kein Rest von Materialismus übrigbleibt. Lind jeder Willkür des Phantasierens ist hierbei vorgebeugt, denn mein Fundament ist die mathe- . matische Naturwissenschaft. And da diese das wahrhafte Fundament der Wirklichkeit ist, so kann ich dieser, als meines eigentlichen Zieles, niemals entraten. Wenn dies schon für den physikalischen Begriff der Natur gilt, so kann die biologische und zumal die anthropologische Bedeutung der Natur von idealen Momenten für ihre Konstituierung um so weniger entblößt werden. Es ist daher zum mindesten wunderlich, wenn Buber an dem Ausdruck der Nationalität, als Naturursache, Anstoß nimmt und mich zu belehren sucht, als wäre ich nicht als Gegner der materialistischen Geschichtsauffassung auch in der Sozialdemokratie bekannt. Wenn ich daher die Erhaltung der jüdischen Nationalität für den Fortbestand der Religion zur Forderung er- ' hebe, so erhebe ich sie damit zu einem geschichtlichen Faktor von unzweideutigem Werte. In der neuen Auflage meines „Deutschtum und Judentum" fordere ich sogar eine Reform des Völkerrechts für die Sicherung der Nationalität im Falle der Naturalisierung. So unbedingt respektiere ich den sittlichen Charakter der Nationalität, auch gegenüber dem Problem des neuen Staates, der in freier Handlung gewählt wird. Llnd nur eben der sittlichen Freiheit gegenüber, die durch das Staatsbewußtsein bedingt wird, bezeichne ich die Abstammung als Naturtatsache. Aber selbst dem freien Staatsgefühl, geschweige einem ererbten gegenüber, darf'die angeborene Nationalität keinen Widerstreit bilden. Voraussetzung bleibt jedoch, daß das Staatsgefühl, als das unmittelbar persönliche Pflichtgefühl, in dem Konflikt der Kulturgefühle die unbedingte Oberleitung behauptet. Am dieses Problem nun dreht sich im letzten Grunde unser Streit. Cs ist charakteristisch, daß mein Gegner immer nur vom Volk, von der Nation, allenfalls auch von der.Religion redet; vom Staate aber nicht anders, als er für ein isoliertes Volk in Betracht kommt. Dieser Gesichtspunkt aber ist es, der angegriffen werden muß. Die Iudenfrage gilt uns nicht als die eines isolierten Volkes, sondern vielmehr als die eines Volkes, das in anderen Staaten zerstreut ist, und das sein politisches Verhältnis zu jedem dieser besonderen Staaten herzustellen und klarzustellen hat. Ich habe mich schon darauf berufen können, daß ich nicht etwa aus Apologetik gegen den Zionismus, sondern vielmehr als ein allgemeines ethischpolitisches Problem die Erhaltung der Nationalität fordere. Man erkennt hieraus sogleich den allgemeinen Grund, der mich zu dem Versuch bestimmt hat, zwischen Nation und Nationalität den Unterschied zu definieren: daß zwar die Nationalität eine sittliche Naturtatsache bleibt, daß aber erst durch den Staat die Nation kraft eines reinen Aktes der politischen Sittlichkeit konstituiert wird. Man sollte nun denken, daß durch den Ausweg dieser Definition alle Differenz mit dem Zionismus geschlichtet wäre. Denn was könnte das religiös-jüdische Bewußtsein noch mehr wünschen als den Fortbestand der Nationalität zum Fortbestände der Religion? Wenn dennoch gegen diese Schlichtung sich Widerstand erhebt, welchen Grund kann dieser haben? Bei dem Begriffe der Nation scheint er nicht mehr verständlich; denn moderne Meüschen stehen samt und sonders unter dem bewältigenden Problem des Staates. Oder aber stehen die Zionipen, bei aller ihrer Modernität, dennoch unter dem alleinherrschenden Zauber der Religion, so daß alle anderen Probleme der Kultur, das der Wissenschaft und zumal das des Staates, gegen dieses Grundproblem ihres Herzens zurück- Lreten? Stände es so, dann, aber nur dann allein wäre es verständlich, daß sie aus aller wirklichen politischen Welt sich heraussetzen, das Auskunftsmittel der Nationalität verschmähen und durchaus nur schlechthin fordern mit dem Volke für ihr einziges Problem der Religion, und daß sie daher das Volk nur an der isolierten religiösen Einzigkeit anerkennen. Nach dieser Deutung fordert der Zionismus das jüdische Volk für den jüdischen Staat, während für den modernen Staat allerdings die jüdische Nationalität als zureichend scheinen müßte. Unser Stteit also dreht sich nicht sowohl um das jüdische Volk als vielmehr um den jüdischen Staat.. Eigentlich also erkennt der Gegner meine Definition, daß der Staat erst das Volk definiere, seinerseits an, aber er schließt daraus auf einen Sonderstaat für das jüdische Volk. Aus welchem genau bestimmten Grunde wird nun aber diese Forderung erhoben? Ist es das Machtbedürfnis eines lebensfähigen Stammes, dem die Zerstreuung widerstrebt, der in der Sammlung erst eine wahrhafte Heimat sich gründen will? Solcher zeitgemäßer Nationalismus mag eine geheime Triebkraft im Zionismus sein; die einzige und allseitige ist er nicht. Die ideale Grundkraft