KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 3 (Juli 1926)
- Date
- 1926-07-01
- Page
- Seite 38 (sequence 12)
- Language
- German
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38 Grundlage der Religiosität. Auch für Gott selbst macht die jüdische Weisheit die Wahrheit zum „Siegel" der Göttlichkeit. Wo daher die Wahrhaftigkeit in der politischen Grundbestimmung verletzt ist, da kann auch die Religiosität nicht richtig orientiert sein. Wenn nun für den Begriff der jüdischen Religion neben dem einzigen Gotte noch ein anderes begriffliches Merkmal besteht, so ist dies die messianische Menschheit. Mit diesem Begriffe der einen Menschheit, welche den einzigen .Gott erkennen wird, vernichten die Propheten Israels das Heidentum und begründen in dieser Botschaft Israels an die Völker der Welt die göttliche Erwählung des jüdischen Volkes als des Boten der Menschheit. Die zionistische Literatur aber ergeht sich auch in Schriften deutscher Rabbiner in frivoler Verhöhnung dieser höchsten Idee der jüdischen Religion, die sie als eine Ausgeburt der Humanitätduselei des liberalen Nationalismus herabwürdigt. Diese Differenz allein ist hinreichend, die religiöse Scheidewand zwischen unserem messianischen Judentum und dem Zionismus aufzurichten. Wenn dennoch auch hier eine Vermittlung, ein Ausgleich schüchtern versucht wird, so sei man vorsichtig, daß die messianische. Gottesidee nicht beeinträchtigt werde. Ohne Hoffnung auf die messianische Menschheit gibt es für uns kein Judentum in seiner Grundlehre, wer sie grundsätzlich für das jüdische Volk reserviert hält, der verleugnet den einzigen Gott der messianischen Menschheit. Die Erwählung Israels erkennen wir nur als die geschichtliche Vermittlung für die göttliche Erwählung der Menschheit an. Im Talmud wird der Mensch, wenn er vor den göttlichen Richter geführt wird, nur nach seinem moralischen Verhalten gefragt, mit der alleinigen Ausnahme, daß er nur noch gefragt wird: „Hast du gehofft auf das Heil?" So klar und so tief wird die messianische Zuversicht den Grundvesten der jüdischen Religiosität zugeordnet. Cs ist ja freilich nur die Konsequenz des nationalistischen Grundirrtums, die sich in der Abstoßung der messianischen Gottesidee vollzieht. Aber diese Konsequenz erstreckt sich auf das Verständnis unserer ganzen Bibel wahrlich nicht minder auf den Pentateuch als auf die Propheten und die Psalmen. Und ebenso wird M a i - monides mit seiner Abtrennung des Messianismus von der Eschatologie und damit sein Grundsatz des Rattonalismus aus dem Mittelpunkte der Religion verschoben und die Grundquelle der geistigen Auffaffung und des sittlichen Idealismus unserer Religion verstopft. Gott bewahre uns vor der Exegese der Propheten, welche aus dem zionistischen Standpunkte hervorgehen müßte. Unser Verhältnis zur Bibel hat nun aber eine besonders aktuelle Bedeutung für unsere studierende Jugend. Mit der Negation und Abwehr allein ist es nicht getan: Wir müssen zu ganz anderen positiven Leistungen uns aufraffen, wenn wir unserer Aufgabe gerecht werden wollen. Die Taüfgefahr ist unstreitig noch immer im Wachsen begriffen. Und die Angriffe von Seilen des Christentums, und zwar ebenso sehr vom katholischen Modernismus wie vom liberalen Protestantismus, werden immer schärfer und durch das Liebäugeln mit dem Pantheismus immer gefährlicher, je schwächer offenbar subjektiv ihr eigener dogmatischer Halt wird. Die allgemeine Literatur ist durchgängig von Pantheismus und Mystik beherrscht; der Einzige Gott gilt als mystischer Aberglaube. Denn wie Christus eine Person ist, so müsse auch der Einzige Gott eine Person sein. Einen Unterschied im Geltungswerte der Idee von dem der Person erkennt man nicht, weil man den wissenschaftlichen Idealismus nicht erkennt. Idealismus soll nur auf Intuition beruhen. So vereinigt sich der Pantheismus mit der Mystik und mit der Abschwächung des strengen Monotheismus zur. Ablehnung Gottes im Geiste der Idee. Der Stil des Zionismus in der allgemeinen Literatur bestätigt daher andererseits das allgemeine Vorurteil der Christen gegen uns, daß wir keine Religiosität hätten, daß nur die gloria gentis unsere Religion wäre. Wenn dagegen wahrhafte Begeisterung für den tiefsten Gedanken der e.hischen Kultur und für die unerschöpfliche Bedeutung des Begriffs vom Einzigen Eotte unsere Seele erfüllt, wie könnten wir dann noch in irgend einer Naturtatsache, wie der der nattonalen Abstammung, den eigentlichen und einzigen Halt suchen für unser Selbstbewußtsein? Wer mit der ganzen Glut des Herzens, mit Zittern und Beben sein Schema Iisrael betet, der, und er allein, befestigt sein jüdisches Ich unerschütterlich in Geist und Seele. Wer hingegen das jüdische Selbstbewußtsein im letzten Grunde aus dem Stammesgefühl herleitet, der geht an dem lebendigen Brunnen vorbei, der der Jungbrunnen des Ewigen ist. Die Nationalität hat freilich ein Moment, durch deffen Stärkung der Zionismus sich scheinbar ein Verdienst erwirbt: die hebräische Sprache. Indessen scheiden sich auch hier Ruhen und Vorzug von Gefahr und Ansegen. Wir reden von uns deutschen Juden, nicht von Palästina. Die hebräische Sprache ist uns eine heilige Sprache. Doch dieser Ausdruck schon ist, wie gewöhnlich, eine falsche Aebersehung des Heiligen. Der hebräische Ausdruck lautet: die Sprache des Heiligtums. Nicht eine profane Amgangssprache soll uns die Sprache unserer Bibel sein. Cs liegt eine providentielle Weisung in der literarischen Tatsache, daß unsere Vorfahren.im heiligen