KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 2 (April 1926)
- Date
- 1926-04-01
- Page
- Seite 22 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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deutschen Hochschulen : die Hauptpflanzstätte von Rassenhaß und Glaubensfeindschast bleiben. Und zugleich streiten wir damit für ein noch größeres Ziel: Indem wir gegen Unduldsamkeit und Unterdrückung uns zur Wehr fetzen, indem wir dafür eintreten, daß die uns seit über hundert Jahre verheißene und verbriefte, durch die Verfassung aufs neue bestätigte Gleichberechtigung in die Tat umgesetzt wird, arbeiten wir zugleich im Dienste einer höheren Idee, für ein sittliches und vaterländisches Ziel im Festen Sinne des Wortes: für den Gedanken des Rechts! Und wh glauben an unfern Sieg, weil der Rechtsgedanke nicht nur unser Ziel, sondern zugleich auch unsere beste Waffe ist, die auf die Dauer sich stärker erweisen wird als Haß und Mißgunst, als Unterdrückung und Gewalt. Lauter denn je müssen wir heute diesen Gedanken betonen, denn wir sehen, wie unsere Gegner die Tatsache, daß sie uns um unseres Judentums willen bekämpfen, durch das Vorschieben anderer Motive zu verschleiern suchen und so sich eine Grundlage schaffen, von der aus sie glauben, die Formen des Rechts in den Dienst des Unrechts stellen zu können. Das ist früher nicht in dieser Weise der Fall gewesen. Vor dem Kriege wurde der Kampf im wesentlichen mit Säbel und Faust ausgetragen, und wenn auch dem Wesen akademischer Bürger eine Auseinandersetzung mit geistigen Waffen eigentlich besser entsprochen hätte, so können wir doch mit Befriedigung und Genugtuung au die damals von uns erreichten, von unfern Gegnern auch heute noch nicht vergessenen Erfolge zurückblicken. Und bei aller Gegensätzlichkeit der Standpunkte können wir rückschauend unfern damaligen Gegnern doch das Zeugnis nicht versagen, daß sie (in der Mehrzahl der Fälle) den Mut besaßen, für ihr Verhalten mit ihrer Person einzustehen, und die Aufrichtigkeit, sich zu den antisemitischen Beweggründen ihres Vorgehens offen zu bekennen. Das ist jetzt anders geworden. Heute stellen unsere Gegner sich dem jüdischen Kommilitonen nicht mehr zum Kampf mit der blanken Waffe, heute haben sie bequemere unß für sie selbst ungefährlichere Mittel gefunden, um ihre antisemitische Gesinnung nach außen zu bekunden. Der Ausschluß der K. C.-Verbindungen vom Chargieren bei allgemeinen akademischen Veranstaltungen ist nur eins dieser Mittel. Wo es versagte, ging man dazu über, durch demonstratives Halten eines Abstandes im Festzuge auch äußerlich das Abrücken von den unbequemen und verhaßten K. C.-Verbindungen zu dokumentieren. DiealtehrwürdigeUniversitätsstadt Freiburg i.B. hat den traurigen Ruhm, daß in ihren Mauern der Anfang hiermit gemacht wurde, als vor nunmehr sechs Jahreu bei einer Trauerfeier für die gefallenen Studenten die anderen Korporationen einen großen Abstand hinter der Verbindung im K. C. Ghibellinia hielten, obwohl gerade die Ghibellinia einen größeren Teil ihrer Mitglieder im Kriege hat fallen sehen als irgendeine andere Freiburger Korporation. —In diesen Blättern haben wir in den letzten Jahren oft genug über solche an fast allen deutschen Hochschulen sich ereignenden Vorfälle berichtet, und zusammenfassend müssen wir feststellen, daß unsere Gegner vom offenen Drauflosschlagen zur Ausschließung unserer Korporationen übergegangen sind, vom Angriff zur Fernhaltung, vom ritterlichen Kampf zur Verfemung und zum Boykott. Nunmehr scheint eine neue Phase in der Entwicklung der studentisch-antisemitischen Kampf-^ Methoden begonnen zu haben. Der kraftvolle Widerstand, den die K. C.-Verbindungen, gestutzt auf ihre verfassungsmäßige Gleichberechtigung, den antisemitischen Uebergriffen entgegengesetzt haben, hat es allmählich den anderen Korporationen doch etwas erschwert, die K. C.-Verbindungen nur mit den bisherigen Mitteln zu bekämpfen. Insbesondere an solchen Orten, wo die katholischen Korporationen einen erheblichenTeil der Studentenschaft umfassen, sahen sich die schlagenden Verbände nur allzuleicht isoliert, wenn die katholischen Verbindungen, die der Unterdrückung und Entrechtung einer religiösen Minderheit naturgemäß mit stärkeren Vorbehalten gegenüberstehen, einmal es ablehnten, sich an der Ausschließung und Boykottierung der K. C.-Verbindungen zu beteiligen. Die Vorfälle bei der Jahrtausendfeier der Universität Bonn, über die wir. vor einigen Monaten ait dieser Stelle berichteten *), sind ein gutes Beispiel hierfür. Wir sehen daher, wie neuerdings bei den gegen die K. C.-Verbindungen gerichteten Boykottbestrebungen der Versuch gemacht wird, an Stelle der in Wirklichkeit maßgebenden antisemitischen Motive andere Gründe vorzuschieben. Solche Gründe zu finden ist für den nicht schwer, der sie finden will. Entweder provoziert man erst die K. C.-Verbindung, um dann aus den Schritten, die sie in berechtigter Abwehr unternimmt, eine Handhabe zu weiterem Vorgehen zu konstruieren, oder man beruft sich einfach auf irgendwelche angebliche Verstöße, die einzelne Mitglieder der K. C.-Verbindung irgendeinmal begangen haben sollen, und legt sie der Verbindung als solcher zur Last. Selbstverständlich behaupten wir nicht, daß alle unsere Mitglieder x) Vgl. K. C.-Mitteilungen v. 20. Nvv. 1925, Sette 84.