Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1926-04-01 · Heft 2 (April 1926) · p. Seite 21

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1926
Issue
Heft 2 (April 1926)
Date
1926-04-01
Page
Seite 21 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2268830-2268957-2268959--3147-2272330
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

bringen; er spricht von hunderttausend Familien im ganzen und von 10 000 mindestens pro Jahr. Ebenso plant der Agro-Joint die Ansiedlung in riesenhaftem Ausmaße, sofern der eben im Gang befindliche „Drive" in Amerika das gewollte Resultat von 15 Million Dollars erreicht. Die erforderlichen Ländereien glaubt der Komset leicht beschaffen zu können. Nach ihm waren noch 10000 Dessiatinen in der Ukraine und 32000 Desstatinen in der Krim verfügbar; auch könnte in der Wolgagegend und im Nordkaukasus geeignetes Ansiedlungsland jüdischen Ansiedlern hergegeben werden. Dabei brauchten die Interessen der russischen Bauern in keiner Weise verletzt werden, so daß Zwischenfälle von dieser Seite nicht zu befürchten wären. Was dem Komset aber Sorge macht, das ist die Finanzierungsfrage. Im Augenblick kann er nur auf den Agro-Joint und auf die Ica rechnen, welch letztere vor einigen Monaten mit der Sowjetregierung in ähnlicher Weise wie der Agro- Joint ein Abkommen getroffen hat. Neuerdings hat auch der Berliner „Ort" seine Beteiligung an dem großen Kolonisationsprozeß zugesagt und eine, allerdings verhältnismäßig unbedeutende Summe — man spricht von 75 000 Dollars — aus seinen amerikanischen Sammlungen herzugeben sich bereit erklärt. Die Regierung selber aber erklärt sich außer Stande, weitere irgendwie beträchtliche Mittel zu assignieren. Da ist denn Herr Bragin wieder auf den Plan getreten und hat mit Genehmigung der Regierung eine Russischjüdische Kolonisationsgesellschaft mit dem Namen „Oset" gegründet, die die russische Iudenheit für das Kolonisationswerk interessieren und Beiträge im Lande selbst sammeln will. Ob der Oset im Stande sein wird, seine Pläne durchzuführen, hängt im wesentlichen davon ab, ob er genügend Interesse und Unterstützung in den verschiedenen Kreisen der jüdischen Bevölkerung in Rußland selber finden wird. Daß das russische Judentum vor unerhörten Möglichkeiten steht, bezweifelt wohl niemand, weder in Rußland noch außerhalb Rußlands; man spricht allgemein und wohl nicht mit Unrecht von einem historischen Moment im Leben der russischen Iudenheit, der der Gesamtjudenheit die Verpflichtung auferlegt, den Glaubensgenossen in Rußland mit Rat und Tat und, wenn es irgendwie angeht, auch mit Tat beizustehen. Auch in Deutschland sind weite Kreise der jüdischen Bevölkerung infolge der schweren Krisen der letzten Jahre um ihren Erwerb gekommen. Man weiß, daß große Landstrecken in Deutschland noch der Urbarmachung harren; man weiß, land noch der Urbarmachung harren; man weiß, daß der Großgrundbesitz nicht in der Lage ist, das Land so intensiv zu bewirtschaften, daß der größtmögliche Nutzen aus ihm gezogen wird, und man versucht, die brotlos Gewordenen auf dem Lande anzusiedeln. Würde man auch in Deutschland Juden systematisch der Bodenbebauung zuführen, so würde diese Berufsumschichtung für das deutsche Judentum in den verschiedensten Beziehungen von großem Segen sein. Mögen die Führer der deutschen Iudenheit danach trachten, die Ansiedlungsbewegung auch für die deutschen Juden fruchtbar zu machen, und mögen den richtigen Zeitpunkt nicht versäumen. Macht oder Recht? Me grundsätzliche Bedeutung der jüngsten Uorgänge in Freidnrg. Bon Rechtsanwalt Dr. Erich Stern (Berlin) (Rhen. - Sil., Frib.-Ghib., Alb.). „Unser muß der Sieg doch bleiben. Denn dem Recht gilt unser Bund!" (Aus dem Bundeslied der Madrina-Breslau.) Vier Jahrzehnte sind in diesem Herbste vergangen, seitdem durch Gründung der ältesten EC.-Verbindung, der Viadrina zu Breslan, der Kampf für die Gleichberechtigung des Mischen Studenten zum ersten Mal ausgenommen wurde. Immer noch ist dieser Kampf nicht beendet, immer noch stehen wir einer erdrückenden und geschlossenen Mehrheit antisemitischer Gegner gegenüber, die es ablehnen, im jüdischen Studenten den gleichberechtigten Kommilitonenzu sehen, die ihn als den Paria der Studentenschaft behandeln wollen und ihn mit allen Mitteln bekämpfen Ost genug ist die Frage aufgeworfen worden, ob wir als kleine Minderheit überhaupt Aussicht haben, gegenüber einer solchen Uebermacht jemals unser Recht zu erringen, ob es sich noch lohnt, unsere Kräfte in diesem aufreibenden und opfervollen Kampfe weiterhin einzusetzen. Wenn wir dennoch den Glauben an den schließlichen Sieg nicht verlieren, wenn wir mehr denn je von der Notwendigkeit der Fortführung unseres Kampfes überzeugt sind, so gründet sich diese Ueberzeugung aus das Bewußsein, daß unser Kampf nicht um das Recht des jüdischen Studenten Mein geführt wird, sondern um das Recht desgesamten deutschen Judentums. In dem Abwehrkampf, den die deutschen Juden um die Wahrung ihrer Ehre und Gleichberechtigung zu führen haben, stehen die K.C.-Verbindungen auf vorgeschobenem und besonders bedeutsamem Posten,, denn niemals werden Entrechtung nnd Zurücksetzung derjüdischen Minderheit aus dem staatlichen und kulturellen Leben unseres Volles verschwinden, solange die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.