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KC-Blätter · 1926-04-01 · Heft 2 (April 1926) · p. Seite 19

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Journal
KC-Blätter
Volume
1926
Issue
Heft 2 (April 1926)
Date
1926-04-01
Page
Seite 19 (sequence 9)
Language
German
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Arbeit, die es ermöglichte, 33 Kolonien, und zwar 20 im Gouvernemeüt Odessa, wie das Gouvernement Kherson jetzt genannt wurde, wieder aufzuhelfen. , Das neue Regiment, welches in Rußland nach den bolschewistischen Revolution eingeführt wurde, ‘ hat im ökonomischen Leben der jüdischen Massen eine tiefgreifende Umwälzung hervorgerufen. Obwohl das Verbot des freien Handels nach der Einführung des „Rep", der neuen ökonomischen Politik, wieder aufgehoben wurde, haben die ungeheuren Steuern, die dem freien Handel auferlegt wurden, und die Konkurrenz der vom Staat unterhaltenen Verkaufgenossenschaften die meisten Kleinhändler gezwungen, ihre Läden zu schließen. Die allgemeine Verarmung hat eine Krise auch unter den Handwerkern hervorgerufen, die durch die Unmöglichkeit, Lehrlinge anzustellen, aus Furcht, als Ausbeuter zu gelten, noch verschärft wurde. Alles dies hat die jüdischen Handwerker und Kleinhändler in eine äußerst schwierige Lage gebracht und sehr viele von ihnen veranlaßt, ihr gewohntes Gewerbe auszugeben und sich andere Erwerbsmöglichkeiten zu' suchen. 3m Anfänge des Jahres 1923 verbreitete sich in Rußland die Kunde, daß große Landflächen..in den südlichen Gouvernements verfügbar seien und daß die Sowjet-Behörden mit allen Mitteln die Niederlassung von ackerbautreibenwollenden Familien begünstigten. Man sprach von Zehntausenden von Hektaren, welche die Sowjets den jüdischen Landwirten in der Krim zur Verfügung stellen wollten. Schon der Name Krim erweckte die Vorstellung eines blühenden Landes und ftuchtbaren Bodens. Ehe noch der Kunde Bestätigung wurde, bildeten sich in gewissen Zentren der alten Ansiedlungszone Gruppen junger Leute, meist Chaluzim, die nach der Krim gingen. Damals erwuchs nun in einigen jüdischen Persönlichkeiten, an deren Spitze sich ein weißrussischer Jude - namens Bragin befand, der Gedanke, Tausende jüdische Familien in die Krim zu verpflanzen, sie dort als Landwirte zu installieren und eine autonome jüdische Republik auf dieser Halbinsel zu begründen. Interessierte die politische S.eite dieser Frage nur die kommunistischen Kreise, so fand der Gedanke an und für sich auch Widerhall in den jüdischen Massen, umsomehr als bekannt wurde, daß der Direktor des 3. D. C. in Rußland, Dr. Rosen, den Plan unterstützte und versprochen hatte, die zu .seiner Verwirklichung erforderlichen Mittel in Amerika zusammenzubringen. 3m Frühjahr 1924 fuhr Dr. Rosen nach Amerika, um die' jüdische öffentliche Meinung seines Landes für den Plan zu gewinnen. Ohne jedoch erst die Verwirklichung des weitausschaUenden Planes Bragin-Rofen abzuwarten, richteten beträchtliche Gruppen jüdischer Bewohner Weißrußlands und der Nordukraine — das sind die Bezirke Minsk, Podolien, Tschernigoff und Kiew — spontan ihre Schritte nach den südlichen Gouvernements und begannen, im Einverständnis mit den lokalen Sowjetorganen, von ehemaligen Großgrundbesitzern enteigneten Ländereien und von Staatsdomänenland Besitz zu ergreifen. Viele dieser Familien kamen auch in die alten Kolonien, in denen infolge des Rückganges der Gesamtbevölkerung freies unbebautes Land vorhanden war. Die Möglichkeit, sich neben jüdischen Gruppen, die schon viele Jahre Landwirtschaft betrieben hatten, niederzulassen, übte natürlich eine große Anziehungskraft auf die Einwandernden aus. 3m Herbst 1924 nahm der Zug aufs Land einen erneuten Anlauf. Dr. Rosen war nämlich aus den Vereinigten Staaten zurückgekehrt und brachte die Botschaft mit, daß die amerikanische Iudenheit bereit sei, die jüdische Kolonisation weiter zu fördern, und daß zu diesem Zwecke eine besondere Organisation, der Agro-Ioint, mit ihm als Leiter gegründet worden sei. Diesen Augenblick hielt die Sowjetregierung ihrerseits für geeignet, das Werk aus einer ganz breiten Grundlage zu organisieren und die Leitung in die Hände zu nehmen. Eine Regierungskommission, der Komset, wurde eingesetzt, um die gesamte Kolonisationsarbeit zu zentralisieren und zu beaufsichtigen. Diese Kommission wurde beauftragt, Land für die jüdische Kolonisation auszusuchen, die Auswahl der für die Ansiedlung geeigneten Elemente in ihrer Heimat in die Wege zu leiten, die Verteilung der Regierungsgelder an die neuen Kolonisten zu bewerkstelligen und die Tätigkeit der das Werk fördernden Gesellschaften wie Agro- Ioint und 3ca zu überwachen. Als der Komset Ende 1924 in der Ukraine und in Weißrußland zur Aufstellung von Verzeichnissen der Landbewerber schritt, meldeten sich in der Ukraine nicht weniger als 15000 und in Weißrußland 7000, also 22000 jüdische Familien zur Ansiedlung. Allerdings wollten viele der Bewerber nur in ihrer Heimat angesiedelt werden. Unter den 22 000 Familien befanden sich, je nach der Gegend, in der sie wohnten, 10 und 20 Prozent Ackerbauer von Beruf, die übrigen waren fast ausschließlich Kleinhandwerker, Arbeiter und Kleinhändler. Während noch der Agro-Ioint — es war Anfang 1925 — mit dem Komset wegen der Krimbesiedlung in Verhandlungen stand, .ergab sich mit voller Klarheit, daß das große Krimprojekt Bragins keinerlei Aussicht auf Verwirklichung habe. Es wurde nämlich bekannt, daß die autonome Krimrepublik sich mit aller Entschiedenheit

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